VfL GM - SC Magdeburg

„Wir hauen uns immer voll rein”

Mit der österreichischen Nationalmannschaft war trotz einiger couragierter Auftritte im Achtelfinale der WM Endstation für Raul Santos. Seinen Optimismus konnte die unglückliche Niederlage gegen den Gastgeber Katar aber nur kurzfristig erschüttern. Jetzt will der 22-jährige Gummersbacher wieder in der Liga angreifen.

Gegen den WM-Gastgeber Katar im Achtelfinale auszuscheiden ist zwar keine Schande. Aber wenn man das Spiel Revue passieren lässt, bleibt die Erkenntnis, dass da deutlich mehr drin gewesen wäre, oder?

Raul Santos: Ganz sicher. Ich selbst habe einige dicke Chancen liegenlassen. Und gleich zu Beginn des Matches hatte ich Pech mit einem Lattenwurf. Bei alldem darf man nicht vergessen, dass im katarischen Tor mit Goran Stojanovic und Danijel Saric alles andere als 08/15-Torhüter stehen. Die Mannschaft von Katar ist schon eine kleine Weltauswahl. Aber dennoch war da im Achtelfinale alles möglich.

Was sagst Du zu den Schiedsrichtern?

Santos: Was soll ich sagen? Ein wenig kenne ich das ja auch aus der Bundesliga, dass die Heimmannschaft in entscheidenden Phasen ein, zwei Pfiffe mehr bekommt. Die Zuschauer können schon einen immensen Druck aufbauen. Aber das gehört dazu, damit kann ich umgehen.

Wo siehst Du denn gegenwärtig den österreichischen Handball?

Santos: Wir waren hier bei der WM im Achtelfinale dabei und haben schon zuvor bei der EM die Hauptrunde erreicht. Wir hätten hier gern noch einen draufgelegt und für eine Überraschung gesorgt. Dass wir das Potenzial dazu haben, das hat diese WM gezeigt.

Du selbst trägst sowohl in der Auswahl als auch beim VfL Gummersbach das Etikett „verrückter Hund”.

Santos: Nein, das bin ich nicht. Ich bin vielleicht ein verspielter Junge und ein spaßiger Typ. Ich komme stets mit einem Lächeln in die Halle, weil ich ein lockerer, entspannter und positiv denkender Mensch bin. Ich kann das alles sehr genießen: den Handball, die Spiele, die Fans, die einem auch nach einem schlechten Spiel aufmunternd auf den Rücken klopfen.

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Beim VfL gab es aber in dieser Serie nicht so viele schlechte Spiele…

Santos: Zum Glück. Vor zwei Jahren haben wir mit älteren und erfahreneren Spielern gegen den Abstieg gekämpft, was jetzt bitte nicht falsch interpretiert werden soll. Aber offensichtlich hat damals das Konzept nicht gestimmt. Jetzt spielen wir mit viel mehr Tempo, weil die jungen Leute auf dem Spielfeld wild sind. Wir spielen mit Leidenschaft und hauen uns immer voll rein, auch wenn es nicht in jedem Fall gelingt.

Aber doch sehr viel häufiger als vor der Saison erwartet.

Santos: Das stimmt. Aber jetzt kommt die Rückserie, und wir müssen genauso fokussiert bleiben wie bisher. Wenn alle WM-Teilnehmer heil zurückkehren und wir unsere Entwicklung so fortsetzen, dann kann in dieser verrückten Liga noch viel passieren. Aber Vorsicht: Ich will jetzt auf keinen Fall schon von einer Europacup-Teilnahme sprechen, auch wenn das unser langfristiges Ziel ist.

Im Viertelfinale des Pokals habt Ihr ein Heimspiel zugelost bekommen.

Santos: Wir sind daheim schon sehr stark, aber das Match gegen die SG Flensburg-Handewitt wird richtig schwer. Aber darüber mache ich mir erst dann Gedanken, wenn es soweit ist.

Dass der VfL daheim so gut ist, hat auch mit der neuen Arena zu tun, oder?

Santos: Die Schwalbe Arena ist eine rundum gelungene Sache. Die hat uns sportlich noch mal nach oben gepusht. Das ist eine neue Dimension für den Klub. Und auch das die Fans in Massen zu uns kommen, ist toll. Die Mannschaft ist da sehr eng mit den Fans. Wir treffen uns, gehen auch mal gemeinsam essen und freuen uns auch über die großartige Unterstützung bei den Auswärtsspielen.

Bleibst Du in Gummersbach lange unerkannt?

Santos: Nein, die Leute hier kennen mich, für die ist Handball ihr ein und alles. Vor allem die Kids bitten mich oft um Autogramme. Aber ich finde das schön. Wir tauschen uns aus und erzählen uns dann unsere Handball-Geschichten.

Also hast Du bislang alles richtig gemacht.

Santos: Vielleicht. Ich bin jetzt in Gummersbach, mache mein Ding, freue mich über gute und ärgere mich über schlechte Spiele, weil ich sehr ehrgeizig bin. Ich denke, ich kann bislang zufrieden sein. Ich möchte allerdings irgendwann auch mal Titel gewinnen. Ich glaube, das ist völlig normal, wenn man Sport betreibt. Das Geld zu verdienen ist das eine, aber auch mal große Erfolge feiern, das ist noch etwas ganz anderes. Mal schauen, wohin mich mein Weg mit dem VfL noch führen wird…

 

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