Vorschau Handball-Bundesliga

Am Mittwoch werden automatisch Erinnerungen an das dramatischste Finale der langen Bundesligageschichte in diesem Jahr wach. Bekanntlich reisten die Rhein-Neckar-Löwen vor dem 34. Spieltag als Spitzenreiter in die oberbergische Kreisstadt, verließen nach äußerst spannenden und ereignisreichen 60 Minuten auch als 40:35-Sieger das Parkett der SCHWALBE arena, und dennoch flossen bei Kapitän Uwe Gensheimer und Kameraden nach dem Schlusspfiff die Tränen der Enttäuschung.

VfL Gummersbach – Rhein-Neckar-Löwen (Mittwoch, 20:15 Uhr)

Mit dem Wimpernschlag von zwei Toren Differenz hatten die Rhein-Neckar-Löwen den zum Greifen nahen ersten deutschen Meistertitel verloren und mussten – zum wiederholten Male – dem THW Kiel gratulieren.

 Für den VfL Gummersbach war der 24. Mai 2014 ein besonderer Tag. Ganz Handball-Deutschland zog den Hut vor der couragierten Leistung der Oberberger, für die es sportlich um nichts mehr ging, die sich aber dadurch einige Reputationen zurückeroberten. Dieser positive Eindruck konnte auch in die neue Saison übertragen werden. Mit 5:3-Punkte steht der VfL gut da, und am Mittwoch darf es sogar etwas mehr als der jüngste Achtungserfolg gegen den Vize-Meister sein. „Wir spielen zu Hause und wollen das Spiel gewinnen“, erklärt Trainer Emir Kurtagic mit dem Selbstvertrauen der zuletzt starken Leistungen. Gleichwohl warnt er vor dem Tempohandball der Mannheimer: „Die zweite Welle müssen wir stoppen.“ Die Löwen sieht Kurtagic noch stärker als im Vorjahr: „Sie haben sich im Rückraum weiter verstärkt und wirken noch kompakter.“

 Das gilt natürlich auch für seine Mannen, die sich auch in Berlin nicht von einem Rückstand aus der Bahn werfen ließen. Die Mischung stimmt. Die jungen Deutschen Julius Kühn, Alexander Becker und Simon Ernst konnte bereits Verantwortung im Angriff und Deckung übernehmen, ebenso die ausländischen Zugänge Gunnar Steinn Jónsson und Magnus Persson. „Ist der eine nicht da, springt der nächste Spieler in die Bresche“, beschreibt Kurtagic das Erfolgsrezept des VfL 2014, der von einem ganz besonderen Teamspirit lebt. Steigerungspotenzial sieht der Trainer derweil noch im Tor: „Carsten Lichtlein zeigt solide Leistungen. Wenn man gegen die absoluten Spitzenteams bestehen will, darf es aber auch einmal etwas mehr sein.“

 Dafür beweis allerdings Matthias Puhle in seinen bisherigen Einsatzzeiten, dass man auch auf ihn bauen kann. VfL-Manager Frank Flatten würde sich auf jeden Fall freuen, wenn die SCHWALBE arena am Mittwoch bis auf den letzten Platz gefüllt wäre: „Wir brauchen jetzt die volle Unterstützung der Fans und der Region, um den gelungenen Saisonstart zu krönen. Die Mannschaft hat es sich verdient!“

 Bei den Rhein-Neckar-Löwen hat sich in der Zwischenzeit einiges verändert: So nahm Trainer Gudmundur Gudmundsson seinen Abschied in Mannheim, um als Nationaltrainer nach Dänemark zu wechseln. Und sein Nachfolger kommt derweil aus Dänemark: Nikolaj Jacobsen, der die Bundesliga aus seiner aktiven Zeit beim THW Kiel bestens kennt, hat nun das Sagen auf der Trainerbank. Und Jacobsen setzte die tolle Erfolgsserie seines Vorgängers, unter dessen Regie die RNL bekanntlich in der Rückrunde der Saison 2013/14 eine makellose Bilanz von 17 Siegen hinlegten, nahtlos fort. Auch nach vier Spielen der neuen Saison sind die Löwen mit 8:0 Punkten noch das einzige verlustpunktfreie Team und führen erneut die Tabelle an. Und die stolze Bilanz von – saisonübergreifend – 42:0 Punkten wollen die Gäste aus dem Rhein-Neckar-Löwen in Gummersbach natürlich fortsetzen.

 Und ein Blick auf das personelle Aufgebot der Gäste beantwortet natürlich sehr schnell die Frage nach dem Favoriten. Die erste Sieben stellen Torhüter Niklas Landin, Kapitän Uwe Gensheimer (Linksaußen), Kreisläufer Bjarte Myrhol, das Rückraum-Trio Kim Ekdahl du Rietz, Andy Schmid und Alexander Petersson und Patrick Groetzki (Rechtsaußen). Aber auch der „zweite Anzug“ der Löwen mit Nationalspieler Stefan Kneer, der dänischen Neuerwerbung Mads Mensah Larsen, dem Isländer Stefan Sigurmannsson, dem Spanier Gedeon Guardiola und Jungtalent Tim Suton wären in anderen Vereinen mit Sicherheit erste Wahl. Die Löwen sorgten im Übrigen am vergangenen Wochenende beim 28:26-Sieg gegen den Hamburger SV (gegen den HSV gab es übrigens am letzten Hinrunden-Spieltag der Saison 13/14 die letzte Bundesliga-Niederlage) mit über 44.000 Zuschauern in der Frankfurter Commerzbank-Arena für einen Zuschauer-Weltrekord für Handball-Vereinsspiele.

 

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