Vorbericht zum Auswärtsspiel am kommenden Sonntag gegen die Füchse Berlin

Die Vorzeichen haben sich leicht verändert. Mag die junge VfL-Truppe vor der Spielzeit in der subjektiven Wahrnehmung einiger Außenstehende noch die Mannschaft der Namenlosen mit dem alljährlichen Aderlass gewesen sein, ist der Ist-Zustand nun eine anderer. „Der VfL auf einem...

Die Vorzeichen haben sich leicht verändert. Mag die junge VfL-Truppe vor der Spielzeit in der subjektiven Wahrnehmung einiger Außenstehende noch die Mannschaft der Namenlosen mit dem alljährlichen Aderlass gewesen sein, ist der Ist-Zustand nun eine anderer. „Der VfL auf einem Champions League Platz. Wann hat es das zum letzten Mal gegeben?“, scherzte Manager Frank Flatten nach dem Sieg gegen Friesenheim, wohl wissend, dass es sich um eine Momentaufnahme handelt. „Nichtsdestotrotz hat sich unsere Rolle leicht verändert, vor allem nach dem überraschenden Erfolg in Melsungen“, erklärt Flatten.

 Für VfL-Coach Emir Kurtagic ist die Entwicklung keineswegs überraschend, sondern spricht ganz klar für das Team und die harte Arbeit: „Wir haben schon zum Saisonfinale 2013/2014 gute Leistungen gezeigt und jetzt zeigt es sich, dass wir in der Vorbereitung auch einiges richtig gemacht haben.“ Hinzu kommt, dass das neuformierte Team erstaunlich schnell zu einer Einheit geworden ist. Persönliche Eitelkeiten: Fehlanzeige! Ein Beispiel: Julis Kühn. In Melsungen einer der Matchwinner, kam er am Sonntag erst spät, war auf Anhieb da und entschied die Partie erneut mit. „Jeder Spieler respektiert die Leistung des Anderen und springt bei Bedarf in die Bresche. Der Teamgeist ist überragend“, schwärmt der Trainer, der natürlich immer warnt, dass noch nichts erreicht sei.

 

Nach den zwei freien Tagen, die sich die Mannschaft verdient hat, wird es nun wieder ernst und in den beiden kommenden Spielen wird die Einstellung erneut entscheidend sein. „Wir können uns jetzt mit zwei der Spitzenteams der Liga messen“, so Kurtagic, und dann werde sich zeigen, ob man auch dort mithalten kann. „In Melsungen hätte uns auch keiner einen Sieg zugetraut“, so Kurtagic im Hinblick auf das Kräftemessen in der Hauptstadt. Natürlich kann man sich in Berlin keine einzige Schwächephase erlauben, denn die Füchse sind ein gewachsenes Erfolgsteam.

Kurtagic: „Berlin hat sich in den letzten Jahren in der Spitze etabliert und stabilisiert. Schwächen sind kaum auszumachen.“ Kleinere Schwachpunkte hat er bei seinen Jungs noch gesehen, aber es wäre ja auch schlimm, wenn es diese nach drei Spieltagen schon nicht mehr gäbe: „Daran müssen wir weiter arbeiten. In Berlin ist es aber wichtig, dass wir erst einmal kompakt stehen und vorne unsere Chancen suchen und nutzen.“ Personell kann Kurtagic auch in Berlin aus dem Vollen schöpfen, so dass er auf fast jeder Position mindestens eine adäquate Alternative hat. Auch eine Stärke des VfL Gummersbach 2014, und wir sind gespannt, wer in Berlin beginnt. Kurtagic: „Jeder Spieler ist für das Team wichtig und das wissen auch alle.“

Der amtierende deutsche Pokalsieger aus der Bundeshauptstadt hat in dieser Saison erst zweimal um Punkte gespielt. Dabei gab es für die Truppe des neuen Bundestrainers Dagur Sigurdsson, der bis zum Saisonende die Füchse in Doppelfunktion betreut, zum Saisonauftakt bei Frisch-Auf Göppingen eine 27:29-Niederlage. Dabei wurde vor allem der verletzte Abwehrchef Denis Spoljaric, der mit einer Hand-OP längere Zeit ausfällt, arg vermisst. Um diese Lücke zu schließen, wurden die Berliner noch einmal kurzfristig auf dem Transfermarkt fündig. In einem Blitztransfer wurde der dänische Abwehrspezialist Kasper Nielsen (39), der bis 2008 bei der SG Flensburg-Handewitt aktiv war, bis zur Rückkehr von Spolaric verpflichtet. Und der 189fache dänische Internationale gab bei seinem Debüt der Füchse-Abwehr auf Anhieb große Sicherheit – sehr zum Leidwesen des Bergischen HC, der mit einer derben 23:32-Schlappe die Heimreise aus Berlin antreten musste.

 Gegen den BHC, gegen den es im Vorjahr noch eine Heimniederlage gegeben hatte, waren vor allem Nationaltorhüter Silvia Heinevetter (16 Paraden), die serbische Neuerwerbung Petar Nenadic (7) und der Ex-Gummersbacher Paul Drux (6) die Trumpf-Asse der Berliner. Heinevetter und Drux stehen im Übrigen zusammen mit ihren Teamkameraden Fabian Wiede im ersten DHB-Aufgebot, das Sigurdsson in dieser Woche bekannt gab.

Die Berliner, die am Sonntag neben Spoljaric auch auf den polnischen Spielmacher Bartlomiej Jaszka und Linksaußen Colja Löffler (Knieverletzung) verzichten müssen, dürften gegen den VfL Gummersbach dennoch die Favoritenrolle einnehmen, wie ein Blick auf den Kader der Berliner, der eine gesunde Mischung aus jungen Talenten und Routiniers darstellt, zeigt: Im Tor verfügen die Füchse mit Heinevetter und Petr Stochl über das wohl stärkste Torhütergespann in der HBL. Und auch der Rückraum mit dem Russen Konstantin Igropulo, dem Spanier Iker Romero, Petar Nenadic (Serbien), Pavel Horak (Tschechien) und den beiden deutschen Jung-Nationalspielern Paul Drux und Fabian Wiede erfüllt ebenfalls höchste Ansprüche. Dies gilt auch sowohl für die Flügelzange (Mattias Zachrisson, Willy Weyhrauch und Fredrik Petersen) als auch für die Kreisläuferposition, die sich der Schwede Jesper Nielsen und das Berliner Eigengewächs Jonas Thümmler teilen.

Füchse Berlin – VfL Gummersbach

(So. 7.9., 15 Uhr, Max-Schmeling-Halle)

 

 

 

 

 

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