Lemgo, Lipperlandhalle, 10.10.15: TBV Lemgo vs. VfL Gummersbach im Spiel der 1. Handball Bundesliga Saison 2015/2016.

Vorbericht: VfL Gummersbach – TBV Lemgo

Samstag, 19.03.2016, 19 Uhr, SCHWALBE arena

VfL-Trainer Emir Kurtagic und seine Mannen haben die Bundesligapause genutzt, sowohl zur Regeneration als auch zur intensiven und akribischen Vorbereitung. „Die Jungs haben sehr gut gearbeitet und freuen sich, dass es wieder losgeht“, so der Übungsleiter. Auch die Nationalspieler Simon Ernst, Julius Kühn, Evgeni Pevnov und Carsten Lichtlein traten unmittelbar nach den Katar-Spielen wieder ihren Dienst an, wobei vor allem Ernst in den Testspielen für äußerst positive Akzente sorgte. „Es freut mich sehr für ihn und die Jungs. Die Nationalmannschaft tut den Spielern gut, aber sie haben auch schon wieder im Training gezeigt, dass sie so richtig Lust auf die Bundesliga und den VfL haben“, so Kurtagic weiter.

In diesem Zusammenhang ist die Partie gegen den TBV vor vollen Rängen in der SCHWALBE arena auch alles andere als Liga-Alltag, zumal es den ohnehin nicht gibt. „Es gibt keine leichten Spiele in dieser Liga, und Lemgo ist ein gefährlicher Gegner“, erklärt Kurtagic, der dennoch eine gewisse Anspruchshaltung für sich und sein Team formuliert: „Wir spielen zu Hause gegen einen Gegner, gegen den wir gewinnen wollen und gewinnen werden.“ Schließlich habe man sich nicht umsonst im oberen Tabellenmittelfeld festgesetzt und Mannschaften wie Göppingen, Berlin oder Hannover in Reichweite. Darüber hinaus kann Kurtagic gegen den TBV personell aus dem Vollen schöpfen, lediglich Gunnar Stein Jonsson ist angeschlagen.

Wenn die beiden Altmeister VfL Gummersbach und TBV Lemgo in der Gummersbacher SCHWALBE arena aufeinandertreffen, dann ist Spannung, ja teilweise Dramatik für die Handballfans angesagt. In dem Zusammenhang sei nur an die beiden letzten Gastspiele des TBV Lemgo im Oberbergischen erinnert. Rückblende auf die Saison 2013/14: In der Schlussphase sahen die Gäste aus dem Lipperland schon wie die sicheren Sieger aus, als der damalige VfL-Torhüter Borko Ristovski in den letzten zwei Minuten nicht weniger als drei Strafwürfe des TBV meisterte, den glücklichen 33:32-Sieg des VfL festhielt und damit für ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk sorgte. Ähnlich dramatisch verlief die Partie zwischen dem VfL und dem TBV im November 2014: Die zu diesem Zeitpunkt stark abstiegsgefährdeten Lemgoer führten wenige Minuten vor dem Abpfiff mit drei Toren, bevor die Schützlinge des damaligen TBV-Trainers Niels Pfannenschmidt, der nur wenige Tage später seinen Chefsessel für Florian Kehrmann räumen musste, völlig einbrachen und der VfL den 3-Tore-Rückstand noch zu einem am Ende glücklichen 33:32-Sieg drehte.

Eine ähnliche Zittersaison wie in der Saison 2014/15, als der TBV Lemgo den endgültigen Klassenerhalt erst am letzten Spieltag verhinderten, wollte der einstige „TBV Deutschland“ aber auf jeden Fall vermeiden. Und die Lemgoer weisen mit 14:32 Punkten nach dem 23. Spieltag auch schon ein 6-Punkte-Polster zum ersten Abstiegsplatz auf, so dass sie diesmal unbeschwert in der Schwalbe-Arena auftreten können. Allerdings, die nicht einkalkulierte 26:28-Schlappe im letzten Heimspiel gegen den Bergischen HC verhinderte auch, dass die Schützlinge von Florian Kehrmann sich schon frühzeitig in Sicherheit wiegen können. Und der kommende VfL-Gegner brennt mir Sicherheit darauf, sich für die schwache Vorstellung gegen den BHC, als lediglich Kapitän Rolf Hermann (8 Tore) und Neuzugang Andrej Kogut (6 Tore) zu überzeugen wussten, zu rehabilitieren.

Der VfL sollte also gewarnt sein, zumal sich Christoph Schindler und seine Kameraden mit Sicherheit nur ungern an das Hinspiel in der Lipperlandhalle erinnern werden. Nach einem Spiel, in dem die VfL-Angreifer gleich reihenweise beste Chancen vergaben, kehrten sie mit einer herben 20:26-Niederlage ins Oberbergische zurück. Dies sollte für den VfL also Warnung genug sein. Nach der Last-Minute-Rettung in der Saison 2014/15 hat es im Lipperland einen großen personellen Umbruch gegeben. Immerhin mussten gleich neun Akteure das TBV-Trikot ausziehen. Auf der anderen Seite wurden mit Erwin Feuchtmann (Besiktas Mogas HAT), Andrej Kogut (TSG Friesenheim), Jonas Maier, Anton Mansson (beide Kadetten Schaffhausen), Arne Niemeyer (TSV GWD Minden), Gustav Rydergard (Dinamo Bukarest), Tom Skroblin (Füchse Berlin) und Jonathan Stenbäcken (FK Kristanstad) vor dem Saisonstart gleich acht Neuerwerbungen unter Vertrag genommen. Und im Oktober 2015 wurde mit dem 24-jährigen rumänischen Nationalspieler Ionut Ramba vom HC Minaur Baia Mare noch ein wurfgewaltiger Rückraumschütze kurzfristig verpflichtet, der bei den Rumänen immerhin auch schon Champions-League-Luft schnupperte.

In der vereinsinternen Torschützenliste rangiert im Übrigen Rechtsaußen Tim Hornke, der 2014 vom SC Magdeburg ins Lipperland wechselte und dort die (erfolgreiche) Nachfolge von Weltmeister Florian Kehrmann antrat, mit 116 Toren, davon 46 Siebenmetern, auf dem ersten Platz. Aber nicht nur auf Hornke müssen die beiden VfL-Torhüter Carsten Lichtlein, der gegen seinen Ex-Klub wahrscheinlich wieder besonders motiviert sein wird, und Matthias Puhle achten. Allein der Rückraum mit Rolf Hermann, Andrej Kogut, Axel Niemeyer, Jonathan Stenbäcken und Ionut Ramba strahlt große Torgefahr aus. Wie überhaupt der Angriff (622 Saisontore) das Paradestück des TBV ist, während die Abwehr neben dem ThSV Eisenach (690) bisher die meisten Gegentore (685) kassierte. Aber, dies ist für die VfL-Angreifer kein Garant für einen leichten Heimsieg, zumal mit Nils Dresrüsse und Jonas Maier zwei Keeper im TSV-Gehäuse stehen, die als fast gleichstarkes Duo zusammen 299 Paraden zu Buche stehen haben.

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