VfL GM - SC Magdeburg

Von WM-Highlights und olympischen Träumen

Nach dem erfolgreichen WM-Auftritt mit der deutschen Nationalmannschaft in Katar ist VfL-Torhüter Carsten Lichtlein seit gestern wieder in Gummersbach. Wir sprachen mit ihm über seine WM-Eindrücke, den deutschen Handball und seine sportlichen Ziele.

Gestern haben Sie zum ersten Mal wieder mit der VfL-Mannschaft trainiert. Beginnt jetzt wieder das normale Leben?

So könnte man es vielleicht sagen. Ich bin großartig empfangen worden und freue mich, wieder in Gummersbach zu sein. Die ersten Wochen des Jahres waren sehr spannend und erfolgreich, aber auch sehr anstrengend.

Sie sind vor zehn Tagen mit der Nationalmannschaft aus Katar zurückgekehrt. Die folgenden Tage sollten dazu dienen, sich zu erholen und neue Kraft zu tanken. Aber daraus wurde nichts.

Das ist richtig. Bereits vor der Abreise aus Katar stapelten sich die Medienanfragen, die wir dann aufgeteilt haben. Bayerischer Rundfunk, Pro Sieben, WDR 2, SAT 1, Sport 1 und einige mehr. Ich habe in den letzten Tagen einiges abgearbeitet, und weitere Interviews folgen. Natürlich hätte ich gerne etwas mehr Zeit in Ruhe mit meiner Familie verbracht, aber zum Glück konnte ich sie auch zu dem einen oder anderen Termin mitnehmen.

Dennoch haben sich die Vorzeichen etwas geändert und das öffentliche Interesse ist ein völlig anderes. Jetzt interessiert die Medien nicht mehr „nur“ der Sportler, sondern auch der Privatmensch Carsten Lichtlein.

Korrekt, aber das ist völlig okay, sofern es nicht zu sehr ins Private geht. Ich sehe mich auch nicht zuletzt als Repräsentant meiner Sportart. Der Handball hat hierzulande nach einigen negativen Eindrücken positiven Nachholbedarf. Eine erfolgreiche Nationalmannschaft braucht Typen und Gesichter. Da stelle ich mich gerne zur Verfügung, und es ist ja auch mal ganz nett, bei Stefan Raab zu Gast zu sein, den man sonst nur im Fernsehen sieht.

Das öffentliche Echo war durchweg positiv und die Leistung der Nationalmannschaft wurde anerkannt. Wie beurteilen Sie die Vorstellungen in Katar?

Überaus positiv. Man darf ja auch die Vorgeschichte nicht vergessen. Die Wildcard, die Ungewissheit und auch die Außenseiterrolle. Wir haben einen neuen Trainer, eine neue Mannschaft. Man trifft sich, spielt jeweils zweimal gegen Island und Tschechien und fliegt dann nach Katar. Wir haben eine nahezu perfekte Vorrunde gespielt, sind im Viertelfinale am späteren Vize-Weltmeister gescheitert und sind beim Olympia-Qualifikationsturnier dabei. Natürlich hat man zwischenzeitlich auf mehr gehofft, aber mit dieser jungen, neuformierten Mannschaft kann das Fazit nur positiv ausfallen.

Hinzu kommt, dass Katar eine ganz andere Vorbereitung hatte. Wie waren Ihre Eindrücke von dieser nicht unumstrittenen Weltmeisterschaft und dem Land?

Es war ein Erlebnis, auch wenn wir von dem Land nicht viel gesehen haben bis auf die beeindruckende Skyline und eine Wüstentour, die wir unternommen haben. Die Organisation war schon toll und generalstabsmäßig. Tolle Hotels, hochmoderne Hallen, allerdings auch weite Wege. Die Mannschaft Katars hatte zudem überragende Bedingungen, um sich auf diese Heim-WM vorzubereiten. Sie haben einen spanischen Trainer, gute Spieler und sie hatten mehrere Monate Zeit, um sich punktuell auf dieses Ereignis vorzubereiten und einzuspielen. Davon konnte bei uns keine Rede sein. Unser ehemaliger VfL-Torhüter Goran Stojanovic zum Beispiel ist seit über einem Jahr dort und hat noch nicht ein Spiel für seinen eigentlichen Verein absolviert.

Dennoch konnte Sie mithalten?

Richtig, und das ist positiv. Natürlich haben wir gegen Katar nicht unser bestes Spiel gemacht, aber bei dem Zwei-Tages-Turnus ist das auch nicht so einfach. Viele Spieler auf wichtigen Positionen haben fast durchgespielt, ein Paul Drux ist gerade einmal 19 Jahre jung. Das alles darf man nicht vergessen. Dass man dann auch mal müde oder unkonzentriert ist und nicht seine Topleistung abrufen kann, ist doch völlig normal. Dennoch hat der Kader ein Riesenpotenzial und der aktuelle Weg ist sehr erfolgversprechend.

Ein Weg, auf dem Sie noch weiter mitgehen möchten?

Auf jeden Fall. Die EM-Qualifikation verläuft bereits sehr positiv. Der Sieg in Österreich war sehr wichtig, auch wenn weitere schwere Aufgaben folgen. Ich erkenne ein neues Selbstbewusstsein der Nationalmannschaft und das ist ganz wichtig. Mein großer sportlicher Traum ist und bleibt aber die Olympia-Teilnahme.

Haben Sie eigentlich mitbekommen, wie die Gummersbacher bei der WM mit gefiebert haben?

Klar. Mir wurden Bilder geschickt, wir haben eine eigene VfL-WhatsApp-Gruppe und natürlich habe ich mitbekommen, wie im Brauhaus oder im Baumhof gefiebert und gefeiert wurde. Großartig. Dennoch hoffe ich, dass die nächste Meisterschaft wieder im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen wird. Das ist wichtig für unseren Sport. Sky hat es allerdings auch toll gemacht und auch dort wird das Interesse ungebrochen sein. Für unseren Sport kann es nur gut sein, wenn auch dort eine Konkurrenzsituation entsteht.

Abschlussfrage. Am Wochenende ist wieder Ligaalltag in Magdeburg. Was erwarten Sie dort?

Ich habe erst einmal wieder mit der Mannschaft trainiert, aber so lange war ich ja auch nicht weg. Wir sind auf einem großartigen Weg und wollen zunächst die Leistungen des letzten Jahres bestätigen, denn nicht nur bei der Nationalmannschaft entsteht etwas überaus Positives, sondern auch beim VfL Gummersbach.

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