Gummersbach, SCHWALBE-Arena, 17.12.16: VfL Gummersbach vs. THW Kiel  in der DKB Handball-Bundesliga

VfL verkaufte sich teuer gegen Rekordmeister

Trotz einer sehr couragierten Leistung unterlag der VfL in der ausverkauften SCHWALBE arena dem Rekordmeister THW Kiel mit 23:29 (11:17).

VfL Gummersbach – THW Kiel 23:29 (11:17).

Es war auf jeden Fall ein Achtungserfolg für den VfL, denn nach dem recht deutlichen Halbzeitrückstand konnten die Hausherren die zweite Halbzeit durch eine äußerst couragierte Leistung vom Ergebnis her komplett ausgeglichen gestalten. Mit etwas Glück, hätten sie diese Partie auch noch spannender gestalten können, aber dafür war der Gegner heute dann doch eine Nummer zu groß und vor allem individuell zu stark besetzt. Nach dem 12:17 durch einen Gegenstoß über Andreas Schröder, war dann auch wieder der THW durch Duvnjak und Santos am Zug (12:19), nachdem der Kieler Ekberg zwischenzeitlich Carsten Lichtlein aus nächster Nähe am Kopf getroffen hatte. Lichtlein musste anschließend ausgewechselt werden und mit einer Augenverletzung behandelt werden. VfL-Geschäftsführer Frank Flatten hofft aber, dass der Nationaltorhüter bis zum nächsten Spiel am Mittwoch in Hannover wieder voll einsatzfähig ist.

Zum Glück hatte Lichtlein heute aber mit Lasse Hasenforther einen großartigen Ersatz, der bereits zum Ende der ersten Halbzeit seine ersten Einsatzminuten hatte. Insgesamt brachte es der Gummersbacher Youngster auf zehn Paraden, darunter ein gehaltener Siebenmeter von Vujin. Auch ihm war es zu verdanken, dass der VfL die zweite Halbzeit ausgeglichen gestalten konnte. Zu mehr sollte es nicht mehr reichen, obwohl der Rückstand zwischenzeitlich noch einmal verkürzt werden konnte. Nach dem 16:22 für Kiel, brachten Kevin Schmidt und Andreas Schröder mit einem schönen Gegenstoß den VfL noch einmal auf 18:22 und damit auf vier Tore heran.

Um den Gästen noch einmal richtig gefährlich zu werden, fehlte dann aber doch etwas, zumal der THW auch in Durchgang zwei hochkonzentriert war und der VfL im Angriff noch ein paar Fehler zu viel machte. Ein Gegenstoß über Ekberg führte zum 19:27 und der Vorsprung wuchs somit auf acht Toren. Nach dem 20:28 für Kiel, brachten Simon Ernst und Tobias Schröter die Gummersbacher wieder auf sechs Tore heran, die es dann auch am Ende waren. Den Schlusspunkt setzte erneut Simon Ernst, der sich nach der Pause enorm steigerte.

Nachdem der ehemalige Gummersbacher Patrick Wiencek den Gast im Nachwurf mit 1:0 in Führung brachte, hatten die Fans in der SCHWALBE arena beim Ausgleich durch Julius Kühn zum ersten Mal Grund zum Jubeln. Auf der Gegenseite hielt Carsten Lichtlein einen Siebenmeter von Niclas Ekberg, aber zur ersten VfL-Führung reichte es dennoch nicht, denn THW-Star Domagoj Duvnjak brachte den Rekordmeister wieder in Front. Dennoch spielte der VfL weiter gut mit, agierte konzentriert und aggressiv in der Deckung und hatte auch im Angriff Ideen.

Zweimal fasst sich nun Youngster Florian Baumgärtner ein Herz und traf zum 2:2 und anschließend zum 3:3-Ausgleich (7.). Es folgten wütende Angriffe des Favoriten und drei Tore in Folge. In dieser Phase unterliefen dem VfL die ersten technischen Fehler im Angriff, die Kiel eiskalt zur Drei-Tore-Führung nutzte. Nach einer Auszeit von Emir Kurtagic verkürzte Julius Kühn auf 4:6 (11.). Im Anschluss wurde klar, dass die Schiedsrichter aus Magdeburg keine Heimschiedsrichter sind. Vor allem der Kieler Kreisläufer Patrick Wiencek schien unter ihrem persönlichen Schutz zu stehen. Gleich zwei äußerst fragwürdige Elfmeter in Folge gegen ihn führten dazu, dass Kiel wieder auf 8:4 davonzog.

Julius Kühn brachte den VfL seinerseits per Siebenmeter wieder auf 5:8 heran und der VfL blieb im Spiel. Erneut Kühn sowie Christoph Schindler verkürzten in der Folgezeit ebenfalls auf drei Tore. In der 21. Minute war es dann Florian Baumgärtner, der in Unterzahl zum 9:12 traf. Nach dem 11:14 durch Kühn per Siebenmeter, fiel dann aber doch die Vorentscheidung. Dem VfL fehlte nun die volle Konzentration im Angriff, und Bilyk, Duvnjak und Vujin schossen den THW zur 17:11-Halbzeitführung.

VfL Gummersbach: Carsten Lichtlein (1. bis 26., 31. bis 33. und bei einem weiteren Siebenmeter, 4 Paraden, darunter ein Siebenmeter), Lasse Hasenforther (26. bis 30. und ab 33., 10 Paraden, darunter ein Siebenmeter); Tobias Schröter (1), Simon Ernst (4), Christoph Schindler (2), Julius Kühn (8/2), Florian Baumgärtner (3), Evgeni Pevnov, Mark Bult, Kevin Schmidt (1), Florian von Gruchalla, Alexander Becker (1), Andreas Schröder (3), Maximilian Jaeger (n. e.), Sebastian Schöneseiffen (n. e.).

THW Kiel: Niklas Landin (n. e.), Andreas Wolff (13 Paraden, darunter ein Siebenmeter), Domagoj Duvnjak (6), Rene Toft Hansen (1), Christian Dissinger, Patrick Wiencek (1), Niclas Ekberg (5), Christian Zeitz, Marko Vujin (8/5), Mykola Bilyk (3), Lukas Nilsson, Raul Santos (5), Christian Sprenger, Rune Dahmke, Ilija Brozovic.

Siebenmeter: 3:2 / 7:5 (Kühn scheitert an Wolff, Lichtlein hält gegen Ekberg, Hasenforther hält gegen Vujin).

Zeitstrafen: 4:2 (Schindler, von Gruchalla – Bilyk).

Zuschauer: 4.132 (ausverkauft).

Schiedsrichter: Robert Schulte / Tobias Tönnies.

Stimmen zum Spiel

Alfred Gislason (Trainer THW): “Wir sind mit viel Respekt hierhergekommen. Nicht umsonst sind wir nach dem Pokalspiel in Friesenheim nicht nach Hause gefahren und haben uns hier in der Gegend auf dieses Spiel vorbereitet. Nach den vielen Schwankungen der letzten Wochen ist uns heute wieder ein richtig gutes Spiel gelungen. Die Deckung stand gut, Wolff hat sehr gut gehalten und auch die Angriffsaktionen waren überwiegend flüssig. Ich bin sehr froh, dass wir dieses Spiel gewonnen haben und ich habe mich auch sehr gefreut, nach Gummersbach zurückzukehren.“

Emir Kurtagic (Trainer VfL): “Wir haben eine souveräne Leistung des THW und einen verdienten Sieg gesehen. Meine Mannschaft hat heute Charakter gezeigt und hat immer wieder versucht, sich zurück ins Spiel zu kämpfen. Dennoch war die Partie gegen eine solche starke Mannschaft zur Pause mit dem Rückstand nahezu entschieden. Zweimal sind wir nach der Pause noch auf vier Tore herangekommen, aber dann haben die Konzentration und vielleicht auch etwas die Kräfte gefehlt. Wir müssen uns jetzt kurz erholen und dann versuchen, die beiden kommenden Spiele möglichst erfolgreich zu bestreiten.“

Thorsten Storm (Geschäftsführer THW): „Es war ein sehr gefährliches Spiel, zumal man sich in dieser Liga keinen Ausrutscher erlauben kann. In Gummersbach gewinnt man nicht mehr eben im Vorbeigehen, der VfL kann einem das Leben schwermachen, aber wir haben das sehr konzentriert gemacht. Besonders freue ich mich über die Leistung von Marko Vujin.“

Frank Flatten (Geschäftsführer VfL):
„Wir haben ein schönes Spiel gesehen und ich bin stolz auf unsere Mannschaft, die von der ersten bis zur letzten Minute alles gegeben hat. Mein Dank und die besten Weihnachtswünsche gelten auch unseren großartigen Fans, die uns die ganze Saison toll unterstützt haben.“

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