DKB-Bundesliga: VfL Gummersbach - Bergscher HC

VfL Gummersbach – Bergischer HC (Samstag, 19 Uhr)

Die bergischen Lokalderbys zwischen dem VfL Gummersbach und dem Bergischen HC (BHC) haben zwar noch keine lange Tradition (der BHC entstand erst 2006 aus der Fusion der Ex-Bundesligavereine LTV Wuppertal und SG Solingen), aber sie haben angesichts ihrer Brisanz schon vor dem Anpfiff die Anhänger in beiden Fanlagern immer elektrisiert. Und meist waren es echte Kampfspiele, in denen sich beide Mannschaften nichts schenkten, die aber zum Glück stets fair über die Bühne gingen - und zwar sowohl auf dem Parkett als auch auf den Zuschauerrängen.

„Dieses Derby hat schon einen besonderen Charakter. Definitiv. Wir freuen uns auf ein interessantes Spiel vor hoffentlich vollen Rängen“, so VfL-Trainer Emir Kurtagic, der in diesem emotionalen Spiel auf die volle Unterstützung der VfL-Fans setzt. Die Favoritenrolle in dieser Partie nimmt er gerne an, warnt aber dennoch vor dem sportlich angeschlagenen Gegner: „Man sollte sich nicht von der Tabelle blenden lassen. Der BHC steht natürlich deutlich hinter der eigenen Erwartungen, aber das macht sie nicht minder gefährlich.“ Wie schnell man in einen solchen Negativlauf kommen kann, hat Kurtagic schon am eigenen Leibe erlebt: „Wenn die Erfolgserlebnisse ausbleiben, laufen immer mehr Situationen gegen dich. Und am Ende kommt man auch gegen Aufsteiger nicht mehr über eine Punkteteilung hinaus.“
Diese Erlebnisse gehören beim VfL zum Glück der Vergangenheit an, und nach den zuletzt sehr starken Leistungen geht der VfL mit breiter Brust in das bergische Derby. „Wir werden diese positiven Erlebnisse mitnehmen, und wenn Deckungs- und Torhüterleistungen als Basis stimmen, werden wir auch dieses Spiel gewinnen“, gibt sich Kurtagic optimistisch. Optimistisch kann ihn auch der aktuelle Personalstand machen. Nachdem in den letzten Wochen teilweise ein halbes Dutzend der Stammkräfte gleichzeitig ausfielen, sind nun alle Spieler wieder ins Mannschafttraining eingestiegen.
Wie ausgeglichen diese Derbys meist waren, zeigt die Statistik der beiden letzten Jahre. So entführte der BHC in der Saison 2013/14 aus der gerade eingeweihten SCHWALBE arena durch den 30:25-Auswärtssieg überraschend beide Punkte. Im Gegenzug hielt sich der VfL im Rückspiel schadlos und machte sich am 2. Weihnachtstag mit dem 34:27-Auswärtssieg noch ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk. In der vergangenen Saison zog der BHC für das Heimspiel gegen den VfL bekanntlich in die Kölner Lanxess-Arena um und schickte die Gummersbacher in ihrem einstigen „Wohnzimmer“ mit 28:26 geschlagen nach Hause. Dafür behielten die Schützlinge von Emir Kurtagic in einem rassigen Kampfspiel im Rückspiel mit 31:28 die Oberhand.
Ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt also, dass die bergischen Handballfans am Samstag wieder einen echten spannenden Handball-Kampf erwarten dürfen, wenn die derzeitige Tabellensituation auch den VfL Gummersbach – und dies nicht nur wegen des Heimvorteils – in der Favoritenrolle sieht. So ging die Kurtagic-Truppe in den letzten fünf Bundesligaspielen viermal als Sieger vom Platz und weist als Tabellenzehnter mit 16:14 Punkten wieder ein positives Punktekonto aus. Dagegen rangiert der BHC, der zuletzt im Heimspiel gegen den Aufsteiger TVB Stuttgart nur zu einem enttäuschenden 21:21-Remis kam, mit 5:25 Punkten auf Rang 15 und damit auf dem ersten Abstiegsrang. Nach dem Spiel gegen Stuttgart war beim BHC die Enttäuschung groß, denn die Truppe von Trainer Sebastian Hinze hatte in Überzahl in den letzten drei Minuten einen 21:18-Vorsprung noch aus der Hand gegeben, und musste drei Sekunden vor dem Abpfiff durch einen von dem Ex-Gummersbacher Michael Spatz verwandelten Siebenmeter noch den Ausgleich hinnehmen. Außerdem hatte Alexander Oelze, der mit 87/25 Toren derzeit erfolgreichste BHC-Torjäger, in dieser Phase mit einem verworfenen Strafwurf den schon sicher geglaubten Sieg vergeben.
Gegen die Stuttgarter verdiente sich der isländische Torhüter Björgvin Gustavsson mit 17 Glanzparaden die beste Note im Team des nächsten VfL-Gegners. Damit dürfte Gustavsson rechtzeitig vor dem bergischen Derby seine Formkrise überwunden haben und die VfL-Angreifer sicherlich vor einige Probleme stellen. Von den Feldspielern gefiel der vierfache Torschütze Kristian Nippes am besten. Gute Kritiken erhielt aber auch der 20fache russische Nationalspieler Inal Aflitulin (27), der erst in der vergangenen Woche in einem Blitztransfer vom rumänischen Klub HCM Baia Mare verpflichtet wurde. Damit reagierten die BHC-Verantwortlichen auf den langfristigen Ausfall von Spielmacher Viktor Szilagyi, der natürlich im Angriffsspiel des Fusionsklubs eine große Lücke hinterlässt und nur schwer zu ersetzen ist. Dennoch zeigte Aflitulin, der vorher nur einmal mit seiner neuen Mannschaft trainiert hatte, gute Ansätze, war schnell auf den Beinen, bewies ein gutes Spielverständnis und deutete mit einem Treffer auch seine Torgefährlichkeit an. Große Torgefahr geht auf jeden Fall auch von dem Rückraumlinken Fabian Gutbrod aus, wie seine 62 Feldtore im bisherigen Saisonverlauf beweisen.
Der VfL tut also sicherlich gut daran, sich nicht von dem Tabellenbild blenden zu lassen, zumal der BHC am Samstag mit Sicherheit kämpferisch wieder alles aus sich herausholen wird. Zudem haben bekanntlich Lokalderbys oft ihre eigenen Gesetze…

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