U17 Nationalspieler Marcel Timm im Interview

VfL-U17-Kreisläufer Marcel Timm (16) ist in diesem Jahr in die Jugendnationalmannschaft berufen worden. Um sich noch besser dem Handballsport widmen zu können, ist der Oberwiehler mit Beginn der aktuellen Saisonvorbereitung ins Internat der Handballakademie im Gummersbacher Victors Hotel eingezogen. Wir sprachen mit dem jungen Handballer über Handball und Mehr.

Wie bist du zum Handball gekommen?
Im Alter von acht Jahren hat mich mein Vater in Oberwiehl zum Handballtraining geschickt. Obwohl ich zuerst gar nicht dahin wollte, weil ich im Grunde Fußball spielen wollte. Doch dann kam gleich Freude auf. Und dann bin ich auch zum Glück dabei geblieben.

Wie lange hast du für den CVJM gespielt?
Sechs Jahre, ehe ich dann zum VfL gekommen bin.

Warum der Wechsel?
Bereits zu meinen Oberwiehler Zeiten hatte ich Kontakt zu Jörg Lützelberger, dem Leiter der Handballakademie. So kam es, dass ich parallel zum CVJM einmal in der Woche in Gummersbach trainieren konnte. Am Ende hat mich das leistungsorientierte Training hier fasziniert. In Oberwiehl war das Training nicht so intensiv. Und beim VfL geht es halt auch um mehr. Hier muss man sich erst einmal zeigen, um etwas zu erreichen.

Als du dich für den VfL entschieden hast, war da absehbar, dass es für dich bis in die Nationalmannschaft gehen könnte?
Nein, ich hätte nie gedacht, dass ich so weit komme. Das war auch nie meine Absicht, als ich mit dem Handball angefangen habe. Mir sollte der Sport vor allem Spaß machen.

Bist du immer schon sehr groß gewesen?
Nein, erst in den vergangenen drei Jahren habe ich diesen Schuss gemacht, was für mich natürlich ein sehr großer Vorteil ist. Allein schon auf meiner Position am Kreis. Hier bin ich aufgrund der Größe gut anzuspielen.

Gibt es schon mal Kommentare wegen deiner Länge?
Vor allem wegen meiner großen Füße, mit Schuhgröße 50. Da gibt es schon mal Spielchen und Neckereien beim Training, aber ansonsten war es das auch.

Gibt es in deiner Familie noch mehr Handballer oder Leistungssportler?
Mein kleinerer Bruder Ricardo spielt beim CVJM Oberwiehl Handball. Meine beiden ältesten Schwestern spielen Klavier (lacht).

Hast du Vorbilder?
Ich war schon sehr früh VfL-Fan und bin mit meiner Familie schon zu den Spielen in die Lanxess-Arena nach Köln gefahren. Als Spieler haben mir der ehemalige Kreisläufer des THW Kiel, Markus Ahlm, und Gummersbachs Ex-Rechtsaußen Vedran Zrnic gefallen. Das war auch so einer, an dem man hochschauen konnte.

Du hast lange auf Halblinks gespielt, ehe du an den Kreis gewechselt bist. Warum die Umstellung bei deiner Länge?
Am Kreis kam ich auch gut klar, zumal wir mit Simon Lubberich auf Halblinks einen sehr guten Spieler in der Akademie haben.

Fühlst du dich am Kreis wohler als auf Halblinks?
Auf jeden Fall.

Wie war das, als du in diesem Jahr die erste Einladung vom DHB bekommen hast?
Oh Mann, da hat mein Herz gepocht, ich habe gar kein Wort mehr rausbekommen. Das war so ein schönes Gefühl. Allein das schon zu schaffen, wobei ich auch sehr viel dafür getan habe, viel gearbeitet, viel trainiert. Das war der Wahnsinn, als meine Mutter reinkam und sagte, mein Sohn, du hast einen Brief vom DHB bekommen.

Ist das auch eine Belohnung für dich persönlich gewesen?
Auf jeden Fall, das war eine richtig große Belohnung.

Und wie ist es in der Jugendnationalmannschaft für dich bisher gelaufen?
Ganz gut, denn beim letzten Lehrgang in Frankreich bin ich sogar ins All-Star-Team gewählt worden.

Mit dem Einzug ins Internat der Handballakademie im Gummersbacher Victors Hotel hast du ein neues Kapitel aufgeschlagen. Warum dieser Schritt, Oberwiehl ist doch nicht weit weg?
Vor allem wollte ich mir noch mehr Training geben, um mich weiter zu verbessern. Zudem bin ich mit Beginn des neuen Schuljahres auch in die Gesamtschule nach Marienheide gewechselt, die mir durch die Kooperation mit der Handballakademie klasse Trainingsmöglichkeiten bietet. In der Partnerschule des Leistungssports bekomme ich die Möglichkeit geboten, zwei Mal in der Woche auch morgens zu trainieren. Das ist ganz nach meinen Vorstellungen.

Mit diesem Schritt bist du künftig aber auch ein Stück weit auf dich alleine gestellt, oder?
Nicht wirklich. Meine Familie lebt doch in Oberwiehl und die Handballer im Internat sind im Grunde doch auch eine kleine Familie. Wir machen ja von morgens bis abends fast alles zusammen. Wir kommen alle gut miteinander klar und verstehen uns auch sehr gut. Da bekommt man nicht ganz so schnell Heimweh. Man weiß, dass die Mannschaft auch für einen da ist.

Was erwartest du dir von deinem nächsten Schritt?
Dass ich mich noch mehr reinschmeißen kann und noch mehr lerne. Und ich so noch mehr aus mir rausholen kann als bislang.

Was ist deine nächste große Hürde bzw. Etappe, die du vor Augen hast?
Das ist ganz klar die A-Juniorenbundesliga, in der ich als alter U17-Jahrgang bereits jetzt zum Einsatz kommen soll.

Und was steht in der Nationalmannschaft für dich an?
Ich wäre gerne im Jahr 2016 bei der Europameisterschaft dabei.

Schmiedest du schon Pläne für deine fernere Zukunft?
Ich möchte auf jeden Fall mal Bundesliga spielen. Und vielleicht auch Juniorennationalmannschaft. Es ist aber auch nicht leicht, zu den 16 besten Handballern Deutschlands zu gehören und für viele andere junge Handballer in diesem Alter ein Vorbild zu sein. Da liegt schon eine gewisse Last auf einem, immer das Beste zu geben.

Bleibt dir noch Zeit für andere Hobbys?
Ab und zu gehe ich mit Freunde Basketball spielen im Wiehlpark. Das mache ich sehr gerne. Und wenn wir abends frei haben, gehe ich mit Freunden schon mal ins Kino. Und die kommen auch zu meinen Spielen, was mich sehr freut. Ansonsten liegt mein Fokus ganz klar auf dem Handball, für den ich sehr viel Zeit investiere.

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