VFLGM-MTM13332

Rot gegen Santos stoppte VfL-Aufholjagd

Der VfL Gummersbach verlor das heutigen Heimspiel gegen die starke MT Melsungen verdient mit 26:32, musste allerdings auch 15 Minuten ohne Raul Santos auskommen - im Pokal zu Hause gegen Flensburg.

VfL Gummersbach – MT Melsungen 26:32 (15:21).

Die spielentscheidende Szene ereignete sich in der 45. Minute. Raul Santos trifft den MT-Torhüter Per Sandström beim Siebenmeter am Kopf. Die Schiedsrichter unterstellen ihm einen Vorsatz und zeigen ihm beim Stande von 20:24 die rote Karte. In dieser Phase hatte der VfL durch eine kämpferisch starke Leistung mit einer fanatischen SCHWALBE arena im Rücken nach einem 16:24-Rückstand durch Schindler, Schroeter, Schröder und von Gruchalla vier Tore aufgeholt und wollte gerade zur Schlussoffensive blasen, als die Schiedsrichter dieses Unterfangen torpedierten. Ohne Santos war eine weitere Aufholjagd nicht mehr möglich, zumal der Linksaußen vor allem bei den Gegenstößen schmerzlich vermisst wurde. Drei Tore für Melsungen zum 20:27 und das spätere 22:29 waren die Folgen, aber auch jetzt wollte sich die dezimierte VfL-Truppe noch nicht geschlagen geben. Durch einen Riesenfight kämpfte sich der VfL noch einmal auf 26:29 heran, ehe Christoph Schindler von der ungewohnten Linksaußenposition vergab. Damit war die Partie entschieden. Aufgrund der Spielanteile und des Spielverlaufs war der Sieg der Gäste sicherlich verdient, aber der VfL überzeugte einmal mehr durch einen aufopferungsvollen Kampf, und wer weiß, wie diese Partie mit Raul Santos ausgegangen wäre?

In der ersten Hälfte konnte man schon teilweise von einer kleinen Handball-Lehrstunde für den VfL sprechen. Die Kurtagic-Schützlinge kamen schwer in die Partie und erzielten erst nach fünf Minuten das erste Tor durch Christoph Schindler. Bis dato hatte Melsungen bereits Betriebstemperatur erreicht. Sie spielten schnell, variabel und brachten den VfL über Linksaußen, den Kreis und aus dem Rückraum immer wieder in Verlegenheit. Sowohl Carsten Lichtlein als auch Matthias Puhle waren meist machtlos gegen die guten Angriffe, in der Deckung verdiente sich kein VfL-Spieler Bestnoten. Michael Allendorf traf allein fünfmal in den ersten neun Minuten. Auf diese Weise baute Melsungen den Vorsprung kontinuierlich auf bis zu sieben Tore aus. Kurz vor der Halbzeit kämpfte sich der VfL noch einmal leicht heran, aber dann nahm Mark Bult einen Wurf zu früh, und ermöglichte Allendorf mit seinem achten Treffer per Tempogegenstoß eine Sekunde vor Schluss den Treffer zum Halbzeitstand. Damit war der verdiente Sechs-Tore-Vorsprung wieder hergestellt.

Melsungen war wahrscheinlich die stärkste Mannschaft, die in dieser Saison in Gummersbach zu Gast war. Sowohl die erster als auch die zweite Welle der MT bekam der VfL – gerade in Halbzeit eins – nicht in den Griff. Hinzu kam, dass der VfL nach den Strapazen der letzten Wochen in manchen Phasen etwas müde und unkonzentriert wirkte. Zeit zum Verschnaufen gibt es allerdings nicht, denn bereits am Dienstag steht das schwere Auswärtsspiel in Friesenheim an.

Im DHB-Pokal wird es der VfL im März nächsten Jahres im Viertelfinale mit dem Champions-League-Sieger SG Flensburg-Handewitt zu tun haben, allerdings zu Hause in der SCHWALBE arena. Die letzte Hürde vor dem Final Four in Hamburg ist also denkbar hoch. Für das kommende Heimspiel gegen die Füchse Berlin sind nur noch Restkarten erhältlich, so dass sich interessierte Besucher sputen sollten.

VfL Gummersbach: Carsten Lichtlein (1. bis 20., ab 30., 7 Paraden), Matthias Puhle (21. bis 30., 2 Paraden); Tobias Schroeter (1), Simon Ernst, Christoph Schindler (3), Julius Kühn (6), Magnus Persson, Joakim Larsson (1), Gunnar Stein Jonsson (2), Florian von Gruchalla (6/2), Mark Bult (1), Alexander Becker (1), Andreas Schröder (2), Raul Santos (3).

MT Melsungen: Mikael Appelgren (1. bis 60. 18 Paraden), Per Sandström (bei 3 Siebenmeter); Marino Maric (1), Johannes Sellin (2), Patrik Fahlgren (4), Malte Schröder, Christian Hildebrand (1), Felix Danner (4), Philipp Müller (2), Jeffrey Boomhouwer, Momir Rnic (4), Michael Allendorf (10/2), Nenad Vuckovic, Michael Müller (4), Per Sandström, Sebastian Ullrich.

Siebenmeter: 6/2 – 2/2 (Santos scheitert an Appelgren, Sandström hält gegen von Gruchalla, Santos und Bult).

Zeitstrafen: 8:8 (Schindler, Kühn, Larsson, von Gruchalla – Danner, P. Müller (2), M. Müller)

Rote Karte: Raul Santos (45. absichtlicher Gesichtstreffer beim Siebenmeter gegen Per Sandström).

Zuschauer: 4.132 (ausverkauft).

Schiedsrichter: Colin Hartmann/ Stefan Schneider

Spielfilm: 0:3 (5.), 3:8 (11.), 4:10 (14.), 5:12 (16.), 11:17 (25.), 13:19 (28.), 15:21 – 16:24 (36.), 20:24 (45.), 20:27 (48.), 22:29 (52.), 26:29 (38.), 26:32.

Stimmen zum Spiel:

Michael Roth (Trainer MT Melsungen): „Ich bin stolz auf meine Mannschaft. Vor allem in der ersten Halbzeit haben wir großartigen Handball gespielt. Im zweiten Durchgang haben wir dann eine zehnminütige Schwächephase gehabt, aber rechtzeitig die Kurve wieder bekommen. Wir sind sehr froh, dieses schwere Spiel gewonnen zu haben. Gummersbach hat eine starke Mannschaft und nach der Niederlage im Hinspiel wusste wir nicht genau, was auf uns zukommt.“

Emir Kurtagic (Trainer VfL Gummersbach): „Melsungen hat verdient gewonnen. Wir haben heute etwas müde gewirkt nach den anstrengenden Wochen, aber das darf keine Entschuldigung sein. Wir haben – gerade in der ersten Halbzeit – viel zu viele Chancen liegengelassen, die erste und zweite Welle von Melsungen nicht in den Griff bekommen und fast alle Zweikämpfe in der Deckung verloren. Der Halbzeitstand spricht für sich. Nach dem Wechsel haben wir dann noch einmal alles versucht und aufopferungsvoll gekämpft, so dass ich meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen kann.“

Axel Gerken (Geschäftsführer MT Melsungen): „Ich freue mich immer wieder, nach Gummersbach zu kommen. Der VfL hat hier eine sehr starke Mannschaft in einer tollen Halle aufzubieten und wir waren nicht erst nach dem Hinspiel gewarnt. Mit unserer Leistung können wir natürlich sehr zufrieden sein. Ich bin froh, dass wir rechtzeitig zum Jahresende die sportliche Kurve bekommen haben und jetzt bereits im Soll liegen.“

Frank Flatten (Manager VfL Gummersbach): „Ich denke auch, dass nach den letzten Wochen bei unserer jungen Mannschaft etwas die Kräfte nachgelassen haben. Melsungen hat sehr stark gespielt und verdient gewonnen. Die rote Karte gegen Raul hat uns das Leben natürlich deutlich erschwert. Wir müssen jetzt wieder aufstehen und uns in den letzten beiden Partien des Jahres topfit und hochkonzentriert präsentieren. Kompliment einmal mehr an unsere großartigen Fans, und auch das Spiel gegen Berlin wird ausverkauft sein.“

Galerie

Zur Übersicht Zum Archiv