Gummersbach, Schwalbe-Arena, 20.11.16: VfL Gummersbach vs. TVB Stuttgart  in der DKB Handball-Bundesliga

Operation Auswärtssieg beginnt

Bereits am kommenden Mittwoch muss der VfL bei Europapokal-Sieger Frisch Auf! Göppingen antreten, der in der Liga weit hinter den eigenen Erwartungen liegt.

Frisch Auf! Göppingen – VfL Gummersbach (Mittwoch, 20:15 Uhr).

Wenn die Bezeichnung „Traditionsduell“ auf eine Begegnung in der HBL-Bundesliga seine Berechtigung hat, dann auf das Aufeinandertreffen zwischen Frisch Auf! Göppingen und dem VfL Gummersbach. Schließlich lieferten sich diese beiden Altmeister schon in den 1960er und 1970er manches dramatische Duell im Kampf um die Deutsche Meisterschaft und auch im Europapokal. Und der amtierende EHF-Cupsieger aus dem Schwabenland feierte schon lange vor den Oberberger seine größten Erfolge auf nationaler und internationaler Ebene. Denn, während der VfL 1966 erstmals als Deutscher Meister gefeiert wurde und 1967 erstmals den Europapokal der Landesmeister ins Oberbergische holte, hatten die Schwaben zuvor schon sechs deutsche Meistertitel (1954, 1955, 1958, 1960, 1961 und 1965) und zweimal den Europacup der Landemeister (1960 und 1962) gewonnen.

Soweit die Historie. Aber heute geht um wichtige Bundesligapunkte für beide Mannschaften. Während sich der VfL (12:12 Punkte) nach dem wichtigen Heimsieg gegen den TVB Stuttgart mit einem Auswärtssieg in der EWS Arena wieder ein positives Punktekonto verschaffen möchte, geht es für die bisher in der Bundesliga hinter ihren eigenen Erwartungen zurückgebliebenen Göppinger (7:17) um wichtige Punkte, um als Tabellen-14. den Anschluss an das Mittelfeld nicht gänzlich zu verlieren.

„Göppingen liegt weit hinter den eigenen Erwartungen und Möglichkeiten zurück“, erklärt auch VfL-Coach Emir Kurtagic, der mit der eigenen Ausbeute durchaus zufrieden ist: „Wir gewinnen die Spiele, die wir gewinnen müssen. So auch am vergangenen Sonntag.“ Und das Ganze in einer Situation, in der er auf vier Leistungsträger verzichten musste, da Julius Kühns Kurzeinsatz ja nicht mehr als ein erster Belastungstest unter Wettkampfbedingungen war. Dennoch möchte Kurtagic nicht klagen: „Alle Mannschaften haben Verletzungsprobleme, und unsere kommender Gegner Göppingen hat diese Phase bereits durchlebt.“ Hinzu kommt, dass sein verbliebener Kader durchaus zu überzeugen weißt. Carsten Lichtlein zum Beispiel ist aktuell auf dem besten Weg zu alter Stärke, und Spieler wie Andreas Schröder übernehmen erfolgreich Führungsaufgaben.

Mittlerweile habe sich die Göppinger Truppe zwar wieder formiert, aber eine gewisse Verunsicherung im Lager der Gäste ist auch unverkennbar. Kurtagic: „Vielleicht ist das ja unsere Chance. Wir brauchen allerdings alle Komponenten Abwehr, Angriff und Torhüter in Topform über 60 Minuten. Ansonsten werden wir nichts mitnehmen.“ Vielleicht klappt es ja dann mit der Operation Auswärtssieg, nach der sich der Übungsleiter sehnt: „Wir konnten bislang nur gegen den BHC auswärts gewinnen. Zwei solche Bonuspunkte würden uns sehr gut zu Gesicht stehen.“ Hinzu kommt, dass die Aufgaben zum Jahresende nicht leichter werden und der VfL den Kontakt ans obere Tabellendrittel auf jeden Fall halten wolle.

„Das ist für uns ein extrem wichtiges Spiel“, hob auch FAG-Torjäger Jens Schöngarth, der zu Saisonbeginn vom SC Magdeburg ins Schwabenland wechselte, die Bedeutung des Spiels gegen den VfL Gummersbach hervor. Und Schöngarth, der zusammen mit dem Ex-Gummersbacher Adrian Pfahl ein extrem torgefährliches Duo im rechten Rückraum bildet, ist für dieses Duell offensichtlich gerüstet, denn er war beim 33:30-Auswärtserfolg in der 3. Runde des EHF-Cups beim Schweizer Vertreter Pfadi Winterthur mit acht Toren der erfolgreichste Werfer des Cupverteidigers. Und auch beim letzten Bundesliga-Auswärtsspiel beim TBV Lemgo war Schöngarth mit zehn Toren erfolgreichster Werfer seine Mannschaft, konnte dennoch die knappe 28:29-Niederlage nicht verhindern.

Wenn man sich den hochkarätigen Kader der Truppe des schwedischen Trainers Magnus Andersson anguckt, dann gibt es keine rechte Erklärung für die magere bisherige Punkteausbeute. Eine Erklärung für die gewisse Unruhe im FAG-Umfeld könnte aber in der Tatsache begründet liegen, dass zum Saisonende nicht weniger als elf Spielerverträge auslaufen. Fest steht bisher aber lediglich, dass die Göppinger, bei denen auch Ex-Nationaltorhüter Johannes („Jogi“) Bitter für die nächste Saison ein Thema ist, mit dem Dänen Allan Damgaard einen neuen Spielmacher verpflichtet haben.

Dabei haben die Göppinger schon jetzt – vor allem im Rückraum – eine Ansammlung von hochkarätigen Namen wie Jens Schöngarth, Adrian Pfahl, Tim Kneule, Zarko Sesum, Lars Kaufmann und Daniel Fontaine – von dem andere Clubs wohl nur träumen können. Und auch auf den anderen Positionen, angefangen im Tor mit dem slowenischen Nationaltorhüter Primoz Prost und Bastian Rutschmann, über die Kreisläuferposition (Manuel Späth/Niclas Barud) und die Flügelzange mit Anton Halen/Marco Rentschler auf Rechtsaußen und Marcel Schiller/Andreas Berg auf Linksaußen hat Trainer Magnus Andersson bei der Besetzung der ersten Sieben oft die Qual der Wahl.

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