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Newsletter der Handballakademie VfL Gummersbach

HSG Derschlag verliert in der dritten Liga knapp gegen Tabellenführer +++ Interview mit Hans Schneider“

3. Liga West

HSG Derschlag – VfL Fredenbeck 24:29 (7:14)

Zum Abpfiff der Partie gegen den Ligafavoriten aus Fredenbeck waren sich die Zuschauer einig: „Das hätte auch anders ausgehen können!“ Denn entgegen dem Bild, das durch das Endergebnis eine deutliche Niederlage beschreibt, gestaltete sich das Spiel am Sonntagabend spannender als gedacht. Schlagworte der 60-minütigen Spielzeit waren vielmehr „Respekt“, „Aufrichten“, „Kämpfen“.

Respekt: Dass das Spiel kein leichtes werden sollte, war von Beginn an klar. Dabei schien dem Derschlager Team der Einstieg schwieriger zu fallen denn je. Zahlreiche Latten- und Pfostentreffer, technische Fehler und ein lückenhafte Abwehrformation eröffneten den Gästen aus Fredenbeck zahlreiche Möglichkeiten, sich schnell mit vier Toren abzusetzen. Doch auch der erste Treffer durch Rutger ten Velde in der neunten Spielminute schien die HSG-Truppe nur leicht aus dem noch so tiefen Schlaf zu reißen. Auch eine Hinausstellung des niederländischen Linksaußen einige Minuten später, änderte daran nichts. Mit einem 7:14-Halbzeitstand schien schon zu diesem Zeitpunkt der Spielausgang besiegelt.

Aufrichten: Wie ausgewechselt schien das Team von Michiel Lochtenbergh dann jedoch nach dem Wiederanpfiff: Deutlich wacher, wesentlich sicherer und vor allem torgefährlicher agierten die Jungs nun sowohl im Angriff als auch in der Defensive. Eine regelrechte Aufholjagd sollte den Zuschauern am Epelberg präsentiert werden.

Kämpfen: Als besonders treffsicher erwiesen sich in dieser Phase vor allem Nico Blech und Marko Curcic. Auch in der Defensive konnte man den Gästen nun weitaus energischer und effektiver entgegensetzen. Unterstützt von Torhüter Tom Landgraf, der mit zahlreichen Paraden den Kasten weitestgehend sauber hielt und durch eine Umstellung in der Abwehr konnte sich das HSG-Team nun wieder auf einen Drei-Tore-Rückstand zurück ins Spiel bringen.

„Leider hat es für uns am Ende nicht gereicht. Die verschlafene erste Halbzeit hat uns letzten Endes in dieser Partie das Genick gebrochen“, kommentiert Michiel Lochtenbergh zum Schluss. Mit einem 24:29 musste sich das Team der HSG am Ende geschlagen geben.

HSG Derschlag: Blech (6), Curcic (5), Timm, Civil, ten Velde (je 3), Xhafolli, Bader, Brüning (je 1), Pfeil (1/1).

Tabelle 3. Liga West

„Für mich gab es nur Gummersbach“

Hans Schneider (71) ist in dem kleinen rumänischen Dorf Mergeln aufgewachsen. Im Jahr 1972 kam er nach Deutschland, seit 1978 lebt der verheiratete Vater zweier erwachsSchneider_Hansener Kinder in Gummersbach-Becke. Wenn der pensionierte Sportlehrer, inzwischen Co-Trainer von Denis Bahtijarevic in der Jugendbundesliga, mal nicht für den VfL im Einsatz ist, geht er mit seiner Ehefrau gerne auf Reisen. Andreas Arnold von der OVZ sprach mit ihm über seine Arbeit beim VfL und die Bedeutung des Turnsports für die Handballer. Gummersbach.

Wie sind Sie zum Handballsport gekommen?

Im rumänischen Heltau, wo ich herstamme, war Handballsport das Wichtigste. Die deutsche Bevölkerung in Siebenbürgen hat zu der Zeit sehr viel Handball gespielt.

Aus Rumänien stammt auch Hansi Schmidt, der in Gummersbach große Erfolge feiern konnte.

Genauer gesagt stammt er aus dem Banat, einem Landesteil Rumäniens mit großem deutschen Bevölkerungsanteil. Bereits in Rumänien habe ich gegen ihn Großfeldhandball gespielt. Er spielte damals bei Steaua Bukarest. Ich habe in dieser Zeit für Textila Heltau gespielt. Ich habe sogar ein Tor gegen ihn geworfen. Das weiß ich heute noch.

Wie sind Sie dann nach Oberberg gekommen?

Ich bin 1972 zunächst nach München ausgereist, dort lebte meine Mutter. Aber in Bayern bin ich nicht lange geblieben. Für mich gab es nur Gummersbach, die Hauptstadt des Handballs. Zuerst war ich als Sportlehrer bis 1978 am Wüllenweber-Gymnasium in Bergneustadt, danach, bis zum Jahr 2009, am Gymnasium Grotenbach in Gummersbach.

Sie waren über viele Jahre nicht nur in Gummersbach der Co-Trainer von Petre Ivanescu. Wie kam diese bis heute währende Freundschaft zustande?

Mit meinen Schulmannschaften war ich schon bald beim Handball auf Landesebene dabei. Genau wie Petre, der Lehrer in Brühl war. Nachdem ich ihn im Schulturnier besiegt hatte, sind wir ins Gespräch gekommen und über die Jahre dicke Freunde geworden.

Und wie sind Sie sein Co-Trainer geworden?

1979 wurde Ivanescu Trainer beim VfL. Er wusste ja, dass ich hier wohne. Im zweiten Jahr hat er mich dann in seinen Stab geholt. Ich bin dann der Nachfolger von Heinz-Jürgen Walter als Co-Trainer geworden.

Warum waren Sie immer so wichtig für die Arbeit von Ivanescu?

Ich habe ihm die Spielanalyse gemacht. Er hat einmal gesagt, dass er mir einen seiner Titel verdanken kann.

Was war denn das Besondere Ihrer Analysen?

Ich habe die Effektivität der Spieler bildlich gezeigt. Damals noch mittels Overheadprojektor. In der Halbzeit hat Petre von mir immer Fakten bekommen, mit denen er zur Mannschaft in die Kabine gehen konnte. Das war sehr wertvoll für ihn.

Anfang der 2000er Jahre gab es in Gummersbach erste Überlegungen, eine Handballakademie zu gründen. An diesen Gesprächen waren auch Sie schon beteiligt.

Das ist richtig, aber der Akademiegedanke reicht noch viel weiter zurück. Mitte der 1980er Jahre bin ich bereits auf ein Landesförderprogramm für Sporttalente aufmerksam geworden und bin darüber mit VfL-Trainer Klaus Brand und seinem Co, Michael Biegler, ins Gespräch gekommen. So hat das im Grunde angefangen, ehe die Handballakademie, wie wir sie in der heutigen Form noch kennen, Anfang der 2000er Jahre vom damaligen Handballabteilungsleiter des VfL, Jochen Kienbaum, schließlich zur Chefsache gemacht worden ist.

Als die Akademie dann 2004 gegründet wurde, waren sie einer der Männer der ersten Stunde. Wie haben Sie die ersten Jahre in Erinnerung? Was war Ihre Aufgabe?

Ich kann etwas, was die anderen nicht können. Bei meinem Studium an der Uni Bukarest habe ich auch Turnen belegt.

Aber Handball und Turnen passen doch nicht zusammen, oder?

Nur auf den ersten Blick, wenn man das Turnen an den Handballsport ein wenig anpasst, ist das eine ganz tolle Sache. Und so habe ich dem ersten Akademieleiter Axel Renner angeboten, dass ich mit seinen Spielern turne. Das war für ihn sehr wichtig.

Und bis heute sind Sie der Trainer der Akademie geblieben, der den Handballern die Beweglichkeit von Turnern ein Stück weit vermitteln soll?

Ja, das stimmt, und es scheint so, als wolle man auf meine Arbeit nicht verzichten. Dabei habe ich schon mehrmals Schluss machen wollen.

Wie sehen Sie die Akademie heute aufgestellt?

In der Entwicklung hat sich ja unglaublich viel verändert. Anfangs musste man gegen Verbände und lokale Widerstände ankämpfen. Heute ist da vieles einfacher. Eine Akademie ist eine Lehranstalt. Da braucht man Lehrer und Pädagogen. Um das aufzubauen, muss man erst einmal verstehen, was Handball als Leistungssport ist. Das ist kein Breitensport.

Und was bedeutet das?

Im Leistungssport heißt es siegen, im Breitensport heißt es spielen. Ganz einfach. Das verstehen aber viele nicht. Auch die Eltern nicht, die Geld bezahlen für die Akademie und der Trainer entscheidet, dass ihr Kind nicht spielt, weil der Trainer gewinnen will. Eine Akademie ist eine Leistungsgesellschaft.

In der neuen Saison sind Sie auch der Co-Trainer der U19, die Jugendhandballbundesliga spielt. Welche Aufgabe haben Sie dort?

Auch für den U19-Trainer Denis Bahtijarevic hat das Turnen einen großen Stellenwert. Darauf will er nicht verzichten. Und ich mache für ihn, genau wie für Petre Ivanescu, die Spielanalysen, nur heute alles mit modernster Technik. Der Overheadprojektor ist dem Computer gewichen.

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