VfL-Coburg 161

MT Melsungen – VfL Gummersbach (Samstag, 19 Uhr, Rothenbach-Halle Kassel).

Wer hätte das gedacht? Wenn am 4. Spieltag der noch jungen HBL-Saison der MT Melsungen und der VfL Gummersbach in der Kasseler Rothenbach-Halle die Klingen kreuzen, dann mag das Tabellenbild doch etwas verblüffen. Der Gast aus dem Oberbergischen weist nach den drei Auftaktsiegen gegen Balingen, beim BHC und gegen den Aufsteiger HSC 2000 Coburg eine „weiße Weste“ auf und rangiert mit 6:0 Punkten hinter den beiden Titelkandidaten SG Flensburg-Handewitt und Rhein-Neckar-Löwen auf Rang drei.

Am anderen Ende der Tabelle steht überraschend der mit hohen Ambitionen gestartete MT Melsungen mit 0:6 Punkten. Vor allem die Auftaktniederlagen gegen die beiden Aufsteiger HSC 2000 Coburg (20:25 vor eigenem Publikum) und HC Erlangen (25:29) kamen für viele Experten überraschend, denn der Vorjahresvierte aus Nordhessen will sich auch in dieser Saison wieder für das internationale Geschäft qualifizieren.

Für den Gummersbacher Trainer Emir Kurtagic macht der Fehlstart der Melsunger die Aufgabe aber keinesfalls leichter, ganz im Gegenteil: „Angeschlagene Gegner sind am gefährlichsten, und Melsungen ist immer noch ein Spitzenteam. Sie waren die viertbeste deutsche Mannschaft im Vorjahr, spielen Europapokal und haben sich weiter verstärkt.“ Für seinen VfL bedeutet das Spiel am Samstag die dritte Begegnung innerhalb von sechs Tage, so dass auch die körperliche und mentale Frische eine Rolle spielen könnte: „Die Zeit ist knapp und der Spagat zwischen Regeneration und intensiver Spielvorbereitung ist nicht leicht.“

Zum Glück kann sich Kurtagic aber auf seinen kompletten Kader verlassen. Immer wieder springen andere Spieler in die Bresche und werden zu entscheidenden Faktoren. So zum Beispiel am Mittwoch gegen Coburg Torhüter Matthias Puhle oder auch Andreas Schröder und nicht etwa die Nationalspieler. „Das ist unsere Stärke“, so Kurtagic, der dennoch eine Steigerung von seinen Jungs fordert: „Mit der Deckungsleistung aus dem Coburg-Spiel werden wir in Melsungen sicherlich nicht punkten können.“ Aber auch das Abwehrspiel habe seine Mannschaft in dieser Saison schon deutlich besser praktiziert, so dass der Übungsleiter am Samstag ein ganz enges Match erwartet: „Meine Mannschaft ist reif genug, um auch solche Partien richtig anzugehen und erfolgreich zu bestreiten.“

Der klassische Fehlstart der Schützlinge von Trainer Michael Roth war zwar sicherlich nicht eingeplant, kommt allerdings angesichts der personellen Probleme der Melsunger nicht ganz so überraschend. Besonders der Ausfall von Stammtorhüter Johan Sjöstrand schmerzt sehr, denn weder Rene Villadsen noch der nachverpflichtete Svetislav Verkic konnten bisher den Schweden im MT-Gehäuse gleichwertig ersetzen. Und auch am Mittwoch, als der MTM trotz einer deutlichen spielerischen und kämpferischen Steigerung die 26:30 (12:14)-Niederlage gegen den Deutschen Meister Rhein-Neckar-Löwen nicht verhindern konnte, war die bessere Torwartleistung auf Seiten der Gäste mit ausschlaggebend für die dritte Saisonniederlage.

Und das Verletztenlazarett im Melsunger Lager hat sich inzwischen auch etwas gelichtet. So gab Linksaußen Michael Allendorf am Mittwoch gegen die „Löwen“ sein Saisondebüt – und am Samstag gegen den VfL Gummersbach rechnet Trainer Michael Roth auch wieder mit Kreisläufer Marino Maric. Dagegen ist mit den Einsätzen von Sjöstrand und Rückraumspieler Gabor Langhans wohl noch nicht zu rechnen. Dennoch ist der MTM auf allen Positionen mit zwei Topspielern besetzt, was vor allem im Rückraum, auf den Außenpositionen und am Kreis deutlich wird. Mit Momir Rnic, der gegen die Löwen mit 7 Toren erfolgreichster Werfer war, den Müller-Zwillingen Michael und Philipp, Nenad Vuckovic, Spielmacher Patrik Fahlgren und Timm Schneider können die Melsunger in der Tat einen Toprückraum aufbieten. Und die beiden Flügelzangen Michael Allendorf/Jeffrey Boomhouwer (Linksaußen) und Johannes Sellin/Arjan Haenen (Rechtsaußen) gehören auch zu den Besten, was die Bundesliga zu bieten hat. Und am Kreis hat Michael Roth zwischen Felix Danner Marino Maric und Johannes Golia die Qual der Wahl.

Ein interessanter Aspekt noch am Rande: In den letzten drei Jahren entführte der VfL regelmäßig beide Punkte aus der Kasseler Rothenbach-Halle, und zwar durch Siege mit 28:25 (Saison 2015/16), 27:26 (2014/15) und 32:30 (2013/14). Allerdings, im Umkehrschluss verließ die MT Melsungen regelmäßig die SCHWALBE arena als Sieger, und zwar mit 27:26 (2015/16), 32:26 (2014/15) und 30:25 (2013/14). Bleibt abzuwarten, ob diese Serie am Samstag noch Bestand hat, wobei Emir Kurtagic keinesfalls von einem „Auswärts-Lieblingsgegner“ sprechen möchte: „Das waren immer ganz enge Spiele und knappe Ergebnisse, die von Kleinigkeiten abhingen. Davon kann man keine Systematik ableiten.“

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