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Licht am Ende des Tunnels

Emir Kurtagic darf in diesen Tagen tief durchatmen. Nach schweren Zeiten – sportlich wie wirtschaftlich – stehen die Zeichen für den Trainer des VfL Gummersbach auf Aufschwung. Der 34-jährige Coach hat es in dieser Saison geschafft, den Traditionsklub aus dem Oberbergischen ins sichere Mittelfeld der Tabelle zu führen. Nicht zuletzt auch deswegen wurde sein Vertrag jetzt um zwei weitere Jahre verlängert. Bevor am Samstag die nächste schwere Aufgabe gegen die HSG Wetzlar auf ihn sein Team wartet, stand Kurtagic in einem Interview Rede und Antwort.

Glückwunsch zur vorzeitigen Vertragsverlängerung. Eine schöne Art des VfL Ihnen zu sagen, dass der Klub mit Ihrer Arbeit zufrieden ist.

Emir Kurtagic: Das sehe ich auch so und das freut mich sehr. Immerhin hatten wir hier richtig schwere Zeiten in der Vergangenheit. Das war so, als ich im Dezember 2011 den Posten des Cheftrainers übernahm. Das war aber auch schon in den Jahren zuvor so. Der Klub war damals schwer angeschlagen, sodass ich hier vor einer Riesenaufgabe stand. Wir haben die erste Saison mit mir als Trainer dann sehr ordentlich abgeschlossen und ich dachte, die Krise sei nun vorüber. Stattdessen aber wurde es dann noch dramatischer. Letztlich aber haben wir trotz zahlreicher Rückschläge als Team zusammengehalten. Und in dieser Saison sehen wir endlich das Licht am Ende des Tunnels.

Die aktuelle Spielzeit verläuft tatsächlich überraschend gut. Mit 16:16 Punkten steht Ihr Team im gesicherten Mittelfeld.

Kurtagic: Das ist sehr erfreulich. Wir haben uns vor der Saison für einen bestimmten Weg entschieden und waren uns auch der Gefahren bewusst. Ich bin sehr zufrieden, dass die Mannschaft zu diesem Zeitpunkt schon so viele Punkte eingefahren hat. Das hilft uns perspektivisch für die Arbeit in der näheren Zukunft. Aber wir haben noch einen langen Weg vor uns in einem Prozess, der längst noch nicht abgeschlossen ist.

Warum gelingt die tägliche Arbeit zurzeit so gut?

Kurtagic: Uns ist es gelungen, viele neue Spieler rasch zu integrieren. Ich habe gedacht, das würde länger dauern. Aber letztlich ist das auch ein Zeichen dafür, dass die Jungs eben richtig gut sind.

Die Fans in Gummersbach honorieren den Aufschwung des VfL Gummersbach.

Kurtagic: Die spüren, dass es hier nach oben geht. Die Leute kommen mit großem Enthusiasmus zum VfL und fiebern mit, auch wenn noch nicht alles gelingt. Das hat es in dieser Form lange nicht mehr gegeben. Wir, das Team und die Zuschauer, wachsen täglich mehr zusammen. Das schafft für uns eine entspannte Atmosphäre und gibt mir die Möglichkeit, in Ruhe weiterzuarbeiten.

War das früher anders?

Kurtagic: Ich erinnere mich noch sehr gut an die Unruhe vergangener Jahre. Da gab es nach jeder Niederlage kräftig Gegenwind. Teilweise ja auch zurecht. Das Umfeld in Gummersbach war damals sehr unruhig. In einem Klub mit solch großer Tradition gibt es sehr viele Leute, die auch Ahnung vom Handball haben. Und die wurden dann schon mal ungeduldig mit der Entwicklung der Mannschaft. Jetzt aber haben wir in eineinhalb Jahren ein Umfeld geschaffen mit einer durch und durch positiven Atmosphäre. Sicher wird es hier und da auch mal wieder Rückschläge geben, aber das Team steckt in einem positiven Entwicklungsprozess. Und das spüren die Fans.

Wohin soll dieser Prozess denn mal führen? Darf man bei Ihnen das Wort Europacup in den Mund nehmen?

Kurtagic: So weit denke ich noch nicht. Ich weiß schließlich auch, wie schnell alles gehen kann. Vor gar nicht langer Zeit, da stand der VfL in einem Europacup-Finale. Und vier Monate später kämpfte der Klub ums nackte Überleben. Bei einer guten weiteren Entwicklung kann der Europacup sicher mal langfristig ein Ziel werden. Im Moment aber soll sich die Mannschaft stabilisieren. Dann kann und wird der Weg nach oben führen.

Also versuchen Sie, die Erwartungen gering zu halten, um den Druck von der Mannschaft zu nehmen?

Kurtagic: Natürlich. Zu große Erwartungen können der Mannschaft arg schaden. Ich wiederhole: Das Team muss sich entwickeln. Und das mache ich keineswegs an einem Tabellenplatz fest. Denn auch das ist gefährlich. Plötzlich überrollt dich eine Verletzungswelle und macht Saisonziele hinfällig.

Sieht das die Klubführung ähnlich?

Kurtagic: Absolut. Da gibt es einen engen Schulterschluss mit dem Manager Frank Flatten. Wir arbeiten sehr gut zusammen, auch wenn wir hier und da mal Meinungsverschiedenheiten haben. Wir gehen sehr respektvoll miteinander um, streiten stets hinter verschlossenen Türen, aber immer im Sinne der Sache. Alles andere wäre ja auch kontraproduktiv.

Schon am Samstag steht das schwere Heimspiel gegen die HSG Wetzlar auf dem Plan. Wie sehen Sie die Chancen Ihrer Mannschaft?

Kurtagic: Ich denke, das wird ein offenes Duell. Die HSG hat derzeit einen Lauf. Vier der letzten fünf Bundesliga-Begegnungen konnte Wetzlar gewinnen, nur gegen die Rhein-Neckar Löwen mussten sie sich geschlagen geben. Das ist eine sehr erfahrene Mannschaft, in der unter anderem Superstar Ivano Balic und mit Steffen Fäth Deutschlands bester Rückraumlinker spielen. Möglicherweise ist es ein kleiner Vorteil, dass wir ein Heimspiel haben, aber wir müssen die Aufgabe dennoch hochkonzentriert angehen.

Freuen sich die Gummersbacher Fans auch auf den Welthandballer Ivano Balic?

Kurtagic: Im vergangenen Jahr fanden beide Ligabegegnungen mit Wetzlar ohne ihn statt. Ich glaube schon, dass jeder, der den Handball liebt – unabhängig vom Verein – sich auf einen Weltklassespieler wie Balic freut.

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