Kurtagic warnt vor Erlangen

Nach der zweiwöchigen Länderspielpause, beginnt für den VfL am kommenden Samstag wieder die Bundesliga. Trainer Emir Kurtagic warnt vor dem unbequemen Aufsteiger aus Erlangen.

Vorschau HB-Bundesliga
HC Erlangen – VfL Gummersbach (Samstag, 19 Uhr)

„Die Pause hat uns gut getan“, erklärt VfL-Trainer Emir Kurtagic. Nach dem sehr intensiven und kräftezehrenden Saisonauftakt, geht es jetzt erst mal im normalen Rhythmus weiter. „Wir haben die ersten spielfreien Tage zur Regeneration genutzt, und im Anschluss im Kraft- und Ausdauerbereich gearbeitet, was in den englischen Wochen kaum möglich war“, erklärt der Coach, der keine Angst hat, dass nach der Pause der Spielfluss verloren gegangen ist: „Da findet die Mannschaft ganz schnell wieder rein.“

Nachdem die Nationalspieler Julius Kühn und Raul Santos wieder zurück sind, läuft nun bereits die intensive Vorbereitung auf das Gastspiel in Erlangen, bei dem der Gummersbacher Übungsleiter erneut auf alle Stammkräfte zurückgreifen kann. Ein Selbstläufer werde es dennoch nicht. „Die bisherigen Bundesligaergebnisse haben gezeigt, dass man keinen Gegner auf die leichte Schulter nehmen kann“, so Kurtagic, der zudem vor dem etwas anderen Deckungsverhalten des Aufsteigers warnt: „Sie verteidigen sehr offensiv, versuchen immer, mit einem oder mehreren Spielern das gegnerische Angriffsspiele zu stören. Darauf müssen wir uns einstellen und die richtigen Antworten finden.“

Es wird also neben der eigenen Deckung auf die Ideen im Spielaufbau ankommen, die Anspiele und die Durchschlagskraft aus dem Rückraum. All diese Stärken hat der VfL bereits einige Male unter Beweis gestellt, so dass auch in Erlangen etwas zu holen sein sollte. „Natürlich wollen wir die Punkte acht und neun holen, aber viele Fehler dürfen wir uns auch dort nicht erlauben“, so Kurtagic abschließend.

Der Aufsteiger HC Erlangen trägt zwar nach fünf Spieltagen in der HBL-Bundesliga mit 1:9 Punkten zwar die „rote Laterne“. Aber diese Tatsache sollte den VfL Gummersbach nicht verleiten lassen, an einen Spaziergang in der Arena Nürnberg (dort trägt der Neuling den Großteil seiner Heimspiele aus, da die HBL nur vier Spiele in der heimischen Karl-Heinz-Hirsemann-Halle genehmigt hat) zu glauben. Im Gegenteil: Die Franken, die erstmals den Sprung in die „stärkste Liga der Welt“ geschafft haben, haben bei ihren bisherigen Bundesliga-Auftritten durchweg gute Noten und viel Anerkennung und Respekt in der Handballfachwelt geerntet. So zum Beispiel bei der jüngsten 21:25-Niederlage bei Frisch-Auf Göppingen, der bis dato einzig noch umgeschlagenen Mannschaft in dieser Saison.

Dort führte Erlangen sogar bis zur 50. Minute (19:18), ehe die Schwaben mit einem Kraftakt in der Schlussphase doch noch beide Punkte in der heimischen EWS-Arena behielten.
Und auch bei den vorangegangenen Partien geriet Erlangen nur einmal richtig unter die Räder, und zwar beim 18:35 bei den Rhein-Neckar Löwen. Den einzigen Punktgewinn landete der Aufsteiger im Übrigen beim 25:25 gegen den Bergischen HC, während es gegen den TuS N-Lübbecke zum Saisonstart eine 25:30-Heimniederlage gab und die Partie beim SC Magdeburg mit 26:31 verloren ging. Allerdings muss man berücksichtigen, dass der HC Erlangen in den letzten Wochen personell noch stark aufgerüstet hat – und für viele Experten nun durchaus das Zeug hat, den Klassenerhalt zu schaffen.

Die spektakulärste Neuerwerbung ist zweifellos die Verpflichtung von Ex-Nationaltorhüter Nikolas Katsigiannis, der in Göppingen sein Debüt im HC-Trikot gab, auf Anhieb zum stärksten Erlanger avancierte und mit seinen Paraden den Göppinger Angreifern das Leben schwer machte; wie die nur 25 Gegentore zeigen. Und Katsigiannis, der letzte Saison noch das Trikot der HBW Balingen-Weilstetten trug, zuletzt aber vereinslos war, wurde vom Handballfachblatt „Handballwoche“ prompt zum „Mann der Woche“ nominiert. Und die Franken schlugen noch einmal auf dem Transfermarkt zu: Mit dem Kroaten Stanko Sabljic (26), der vergangene Saison für den BHC auf Torejagd ging, wurde ein weiteren Kreisläufer verpflichtet, der Weltmeister Sebastian Preuß auf dieser Position entlasten soll.

Schon vor der Saison hatte der kommende VfL-Gegner mit der Verpflichtung der beiden routinierten Internationalen Martin Stranovsky (vom FC Barcelona) und Sigurbergur Sveinsson (Haukar Hafnafjördur/Island) für einiges Aufsehen in der Fachwelt gesorgt. Dieses Duo absolvierte insgesamt 139 Länderspiele für seine Heimatländer Island und die Slowakei. Und Stranovsky ist auch in der Bundesliga schon angekommen, wie seine bisherigen 24 Saisontore zeigen, womit er in der HBL-Torschützenliste Rang 19 einnimmt. Die interne Torschützenliste wird aber von dem Ex-Gummersbacher Ole Rahmel angeführt, der bisher schon 35 Mal ins Schwarze traf, davon 10 Mal vom Siebenmeterpunkt. Der Rechtsaußen, der schon in der vergangenen Saison zu den HC-Aufstiegsgaranten gehörte, rangiert damit auf dem 5. Platz der HBL-Torschützenliste.

Der VfL Gummersbach sollte vor diesem heimstarken Gegner also gewarnt sein.

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