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Emir Kurtagic bangt um Christoph Schindler

Der VfL geht selbstbewusst in die Bundesliga-Auftaktpartie gegen den Rekordmeister und frisch gebackenen Supercup-Gewinner THW Kiel am Sonntag in Dortmund.

THW Kiel – VfL (Sonntag, 15 Uhr, Westfalenhalle Dortmund).

Es ist zweifellos ein besonderes Spiel, die Auftaktpartie zum 50jährigen Jubiläum der Handball-Bundesliga am Sonntag in der Westfalenhalle zwischen dem einzigen verbliebenen Gründungsmitglied und zwölfmaligen deutschen Meisters aus dem Oberbergischen auf der Heim- und der dominierenden deutschen Mannschaft der letzten zwei Jahrzehnten auf der Auswärtsseite. „Klar ist es ein spezielles Spiel. Und wenn der THW kommt, braucht man nicht mehr viel zu erzählen. Zudem ist es das erste Saisonspiel, und wir haben nicht vor, Jubiläumsgeschenke zu verteilen“, erklärt VfL-Trainer Emir Kurtagic selbstbewusst.

Der VfL hat auch überhaupt keinen Grund zum übertriebenen Understatement. „Unterschätze mir den VfL Gummersbach nicht. Dort wird sehr gut gearbeitet, und ich traue der Mannschaft diese Saison einiges zu“, erklärte heute Abend nicht zuletzt Sport1-Experte Stefan Kretzschmar im Rahmen des Supercups. Die Vorbereitung des VfL war zudem erfolgreich, es wurde gut gearbeitet und auch die Ergebnisse waren überwiegend positiv. „Natürlich müssen wir im Angriff noch konstanter werden, aber das werden wir auch“, so Kurtagic, der noch um den Einsatz von Kapitän Christoph Schindler (Schulterprellung) bangt. Schindler war sehr gut drauf, bis er sich im Spiel gegen Magdeburg verletzte. Kurtagic: „Für Sonntag wird es ganz eng.“ Pendant Simon Ernst durchlebt gerade eine kleine Schwächephase, aber das ist nach seinen WM-Strapazen auch nicht verwunderlich. „Ich denke, das ist eine Kopfsache. Er ist körperlich fit und wird schnell wiederkommen“, so sein Trainer, der sich auch nicht von der durchwachsenen Vorbereitung des Rekordmeisters blenden lassen möchte: „Wenn es am Sonntag losgeht, werden die Uhren wieder neu gestellt.“ Einen Vorgeschmack lieferten die Kieler bereits am heutigen Abend beim 27:26-Erfolg im Supercup gegen den ewigen Rivalen Flensburg. Zwei Sekunden vor Schluss gelang Steffen Weinhold der umjubelte Siegtreffer.

Den deutschen Rekordmeister THW Kiel muss man in der Tat nicht groß vorzustellen. Die „Zebras“ aus der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt sind im deutschen Handball mit 20 Meistertiteln einfach das Maß aller Dinge. So gewannen die Schützlinge von Trainer Alfred Gislason, der erst in der vergangenen Woche seinen Vertrag beim THW vorzeitig bis 2019 verlängerte, in den letzten zehn Jahren neun Mal die Meisterschale (diese einmalige Serie wurde lediglich in der Saison 2010/11 vom HSV Hamburg einmal durchbrochen). Und auch in der neuen Saison gelten die Kieler wieder als großer Meisterschaftsfavorit, wenn auch die Konkurrenz (allen voran die SG Flensburg-Handewitt) mächtig aufgerüstet hat. Stellvertretend für die vielen Handballexperten sei hier erneut Stefan Kretzschmar zitiert, der im Fachmagazin Handballwoche über die Kieler schreibt: „Für mich ist Kiel DER große und alleinige Favorit auf den Titel. Keine Mannschaft hat in Deutschland derart starke Individualisten – auch ohne Filip Jicha. Kiel ist in Deutschland das Maß der Dinge. Der große Vorteil in diesem Jahr: Sie haben sich auf der vermeintlichen Schwachstelle im Tor mit Niklas Laudin super verstärkt und haben das Jahr des Umbruchs und Einspielens bereits hinter sich.“

Sicherlich hat das Pokerspiel um Filip Jicha die Vorbereitung des THW etwas beeinträchtigt. Erst im Laufe dieser Woche wurde der Wechsel des ehemaligen Welthandballers nach Barcelona bestätigt, und mit dem Norweger Erland Mamelund (31) nur einen Tag später ein Ersatzmann vorgestellt. Ob Mamelund schon am Sonntag in der Dortmunder Westfalenhalle im THW-Trikot aufläuft, bleibt abzuwarten. Der ehemalige Gummersbacher Patrick Wiencek zog sich in der Vorbereitung eine Zerrung im Adduktorenbereich zu, stand aber heute gegen Flensburg bereits wieder auf dem Parkett. Darüber hinaus steht neben ihn auch noch die 2,04 Meter große spanische Neuerwerbung Rogerio Moraes am Kreis bereit.

Ihr Bundesligadebut beim THW Kiel werden neben Weltklassetorhüter Niklas Landin noch Nikolas Katsigiannis (Torhüter), Weltmeister Torsten Jansen (Linksaußen) und Rückraumspieler Christian Dissinger feiern. Auch ohne Filip Jicha und trotz des Abgangs von Aron Palmarsson (Veszprem) und Rasmus Lauge-Schmidt (Flensburg-Handewitt) ist nach wie vor der Rückraum das Glanzstück der Kieler mit Weltklassespielern wie Domagoj Duvnak, Joan Canellas, Marko Vujin und Steffen Weinhold. Duvnak und Canellas waren neben Torhüter Niklas Landin auch beim 25:22 (15:11)-Pokalerfolg gegen Zweitligist TuSEM Essen die Garanten für das Erreichen des Achtelfinals.

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