csm_14-15_Wiencek_Spielerbild_3fa49e343f

„Klasse, wie der VfL sich entwickelt”

Wenn am Freitagabend um 20.15 Uhr in Gummersbach Bundesliga-Handball gespielt wird, ist kein Geringerer als der THW Kiel, alter und möglicher neuer Deutscher Meister, zu Gast. Und mit ihm kehrt ein ehemaliger Gummersbacher zurück. Patrick Wiencek, heute längst gestandener Nationalspieler, stand noch bis zum Sommer 2012 beim VfL unter Vertrag. Im Interview spricht er über seine Gummersbacher Zeit und warum er die Stadt im Oberbergischen besonders in sein Herz geschlossen hat.

Am Freitagabend treten Sie mit dem THW Kiel in Gummersbach an. Mit einem Sieg kämen Sie ihrer dritten Deutschen Meisterschaft wieder ein Stück näher. Darf man schon vorsichtig gratulieren?
Patrick Wiencek: Auf keinen Fall. Wir haben zwar zwei Punkte Vorsprung und die bessere Tordifferenz, aber wir müssen das Spiel in Gummersbach unbedingt gewinnen. Und sollte uns danach auch noch ein Sieg in Hannover gelingen, dann haben wir richtig gute Chancen, Meister zu werden. Aber Vorsicht: Gummersbach hat eine sehr starke Mannschaft, die mittlerweile viel gefestigter und eingespielter ist. Wir kommen mit einem Riesenrespekt in die Schwalbe-Arena und wollen auf keinen Fall etwas herschenken.
Bei einem Gastspiel beim VfL geht es für Sie nicht nur um zwei Punkte, oder?
Wiencek: Natürlich nicht. Ich habe hier zwei tolle Jahre gehabt, meine Freundin hier kennengelernt. Sie lebt jetzt mit mir in Kiel, aber am Freitag wird sie auch in der Halle sein. Sie nutzt das Spiel und besucht Ihre Eltern.
Wie ist das für Sie, nach fast drei Jahren nach Gummersbach zurückzukehren?
Wiencek: Nun ja, viele aus meiner Zeit sind ja nicht mehr da. Aber dennoch ist es immer schön, nach Gummersbach zurückzukehren. Es ist klein und beschaulich, und man kennt doch noch unglaublich viele Leute aus der Zeit. Und da ich durch meine Lebensgefährtin schon hin und wieder mal in Gummersbach war, ist mir das alles nicht fremd geworden. Und dann ist es großartig, in der schönen neuen Halle spielen zu können. Wir haben zwar auch in der Eugen-Haas-Halle große Handball-Schlachten ausgetragen, aber mit der neuen Halle hat der VfL ja nun ganz andere Vermarktungsmöglichkeiten.

Zudem sind Sie hier zum Nationalspieler gereift.
Wiencek: Nicht nur das. Ohne die Chance, beim VfL zu spielen, hätte sicher auch der THW nie bei mir angefragt. Ich kam zu Hasanefendic, als ich noch ein junger Spieler war. Aber ich durfte sofort viel spielen, was für mich ein Glücksfall war. So nahmen die Dinge dann ihren Lauf.
Hat Ihnen irgendjemand den Wechsel zum THW übel genommen damals?
Wiencek: Natürlich, aber wenn der THW Kiel anfragt, sollte man nicht allzu lange überlegen. Das würde ich auch heute jedem Spieler raten. Ich jedenfalls würde es immer wieder so machen. Aber ungeachtet der vielen Diskussionen damals war die Zeit in Gummersbach großartig. Und ganz ehrlich: Ohne das Kieler Angebot hätte ich mir vorstellen können, noch viele Jahre für den VfL zu spielen.

Schon 2011 konnten Sie Ihren ersten großen Titel mit dem VfL einfahren. Sie gewannen den Europacup der Pokalsieger.
Wiencek: Das war überwältigend. Ich kam ja gerade aus der 2. Liga und spielte mein erstes Bundesligajahr. Da war der Europacup für mich das Allergrößte. An die Champions League wagte ich da überhaupt nicht zu denken. Und dann dieses Finale: Wir hatten das Hinspiel auswärts mit zwei Toren Differenz gewonnen und lagen daheim plötzlich mit acht Treffern zurück. Dass wir das dann noch gedreht haben, macht den Erfolg umso schöner. Ich hoffe inständig, dass die Gummersbacher Fans schon bald wieder europäische Cup-Spiele erleben können.

Sind Sie in dieser Zeit zu Ihrem Spitznamen „Bambam” gekommen?
Wiencek: Den bekam ich schon vorher, als ich 2009 zur Nationalmannschaft kam und nicht gerade der schlankste Spieler war. Ich war etwas moppeliger als heute, aber im Laufe der Jahre gewöhnt man sich an diesen Spitznamen. Ich bin eigentlich immer damit klargekommen.

Und heute? Verfolgen Sie den Weg des VfL?
Wiencek: Klar. Der VfL ist nach dem THW die wichtigste Mannschaft in der Liga für mich. Ich verfolge die Gummersbacher Spiele – übrigens ebenso wie die Spiele des TUSEM Essen – eigentlich immer im Liveticker. Der VfL Gummersbach, das ist für mich kein normaler Verein. Das wird immer etwas Besonderes bleiben.

Was sagen Sie zum Aufschwung?
Wiencek: Großartig! Ich habe ja die Zeit noch mitgemacht, als man versucht hat, die Schuldenberge abzutragen. Ich bin so froh, dass sich der VfL gefangen, sein Umfeld neu strukturiert hat. Und mit der neuen Halle auch sportlich wieder erfolgreich ist. Klasse, wie sich der Klub gegenwärtig entwickelt.

Was vermissen Sie am meisten?
Wiencek: Nun ja, in Kiel habe ich das Meer. Das ist super. Aber in Gummersbach ist es hügelig. Und das hatte schon was. Ich mag beides sehr gern und bin froh, beides auch nutzen zu können – zumindest hin und wieder. Ich habe mir damals in Gummersbach ein Fahrrad zugelegt. Zum Training ging es dann immer zügig bergab, aber nach dem Training musste ich den Berg stets auch wieder rauf. Das war vor allem nach harten Einheiten manchmal echt beschwerlich.

Zur Übersicht Zum Archiv