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Interview mit Andi Schröder in der Handballwoche

Rückblick auf die erste Saison,, Einblick in die aktuelle Situation und Ausblick auf die kommende Saison des Mannes mit der 71 beim VfL...

Herr Schröder, Sie haben in der vergangenen Saison 84 Tore erzielt, im Jahr zuvor für den TV Neuhausen 131. Was Ihre erste Saison beim VfL Gummersbach ein Rückschritt?

 Auf keinen Fall. Sicher, beim TV Neuhausen war ich gesetzt, aber mir war klar, dass ich mit Barna Putics einen Topmann auf meiner Position hatte. Klar auch, dass ich eine Anlaufzeit brauchte und sich meine Einsatzzeiten im Angriff zunächst in Grenzen halten würden. Aber, durch meine Abwehrleistungen habe ich mir nach und nach mehr Spielanteile im Angriff erkämpft. Und in der Rückrunde hatte ich dann meinen Rhythmus gefunden, so dass ich persönlich sehr zufrieden bin. Und ich glaube, ich habe der Mannschaft auch einige Male helfen können.

 Schauen wir mal auf den letzten Spieltag der Saison 2012/13 zurück: Damals hatten Sie mit sieben Toren großen Anteil am Neuhausener Sieg (28:26) in Gummersbach, so dass Sie sich fast selbst in die Zweitklassigkeit geworfen hätten. Wie war damals Ihre Gefühlswelt?

 Zugegeben, die Nacht vor dem Spiel habe ich nicht gut geschlafen, auch weil es mein letztes Spiel mit meinen alten Kameraden war, mit denen ich mit sehr gut verstanden habe. Aber, gegen meinen neuen Verein nur mit halber Kraft zu spielen, das kam für mich nicht in Frage. Ich will immer 100 Prozent geben. Dass unser Sieg fast zum Abstieg des VfL geführt hätte, habe ich erst kurz vor Spielende erfahren, als es in Großwallstadt Remis stand. Am Schluss war ich über den Kieler Sieg aber sehr erleichtert und erfreut.

 Sie bezeichnen die zwei Jahre in Neuhausen als eine sehr schöne Zeit. Warum dann der Wechsel nach Gummersbach?

 In der Tat habe ich mich in Neuhausen sehr wohl gefühlt – und mein Wechsel war keine leichte Entscheidung. Aber für mich war klar, wenn ich im Handball weiter kommen wollte, dann musste ich mit 21 Jahren diesen Schritt wagen. In Neuhausen wird zwar auch professionell gearbeitet, aber im Vergleich zu einem Traditionsverein wie dem VfL fehlt eben noch etwas, denn in Gummersbach merkt man, dass hier Handball gelebt wird.

 Woran machen Sie Ihre Beobachtung fest?

 Nun, in der Hinrunde, als es bei uns nicht nach Wunsch lief, da haben wir den Druck von außen deutlich gespürt. Im Umkehrschluss haben wir in der Schlussphase und speziell nach dem letzten Spiel gegen die Rhein-Neckar-Löwen bei unseren Fans fast eine Euphorie ausgelöst – obwohl wir mit fünf Toren verloren hatten.

 Was hat Sie an Gummersbach gereizt?

 Ich sagte es schon, die ganze Stadt ist handballverrückt – und der VfL hat ein enormes Potenzial. denn die neue Schwalbe-Arena hat für eine Aufbruchstimmung gesorgt. Und die äußeren Bedingungen mit der wunderschönen Arena, den tollen Trainingsmöglichkeiten, der Geschäftsstelle und dem Reha-Center direkt neben der Halle sind so ziemlich einmalig in der Handball-Bundesliga.

 Zurück zum sportlichen Bereich: Welches Verhältnis hatten Sie zu Barna Putics?

 Vorweg, Barna ist ein supernetter Typ. Als Handballer hat er ein wahnsinniges Ballgefühl und wirft unglaubliche Tore. Seine Art Handball zu spielen, wirkt aber manchmal auch etwas provokativ, so dass er von den Fans schnell zum Buhmann gemacht wurde; meines Erachtens zu Unrecht. Barna und ich hatten untereinander ein ganz tolles Verhältnis, keiner hat dem anderen etwas geneidet – im Gegenteil: Jeder hat sich über ein Tor oder eine gute Leistung des anderen gefreut.

 Nun tragen Sie die Hauptverantwortung auf der Königsposition. Belastet Sie das?

 Natürlich habe ich jetzt eine größere Verantwortung, aber das ist auch eine Chance für mich. Ich freue mich auf jeden Fall auf die neue Saison und mit Julius Kühn das halblinke Rückraumgespann zu bilden. Julius ist sehr talentiert und wir ergänzen uns gut. Ich bin überzeugt, dass wir zusammen gute Spiele machen werden.

 Was wird den VfL künftig auszeichnen?

 Wir sind eine junge Mannschaft, die einen schnellen und attraktiven Handball spielen will. Wir wollen – in Zusammenspiel im Carsten Lichtlein – an unsere guten Abwehrleistungen der Rückrunde anknüpfen, denn dann kommen unsere beiden schnellen Außen richtig zur Geltung. Aber ich denke auch, dass wir im Positionsspiel jetzt stärker und in der Breite besser besetzt sind.

 Bei Ihrem Wechsel nach Gummersbach wurden Sie vom VfL als „kommender Nationalspieler“ begrüßt. Ist die Nationalmannschaft für Sie ein Thema?

 Über das von Ihnen angesprochene Zitat war ich auch überrascht. Aber natürlich ist die Nationalmannschaft für jeden ein Traum, zumal wenn man einige Jugend- und Junioren-Länderspiele bestritten hat und einmal in die B-Mannschaft berufen worden ist. Aber ich mache mir keinen Druck. Das einzige was ich tun kann, ist im Training hart arbeiten und gute Leistungen im Verein bringen – und dann abwarten.

 

Quelle: Handballwoche  – Ausgabe 32  – (www.handballwoche.de)

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