Pevnov_Yevgeni

„Ich bin richtig heiß auf die neue Aufgabe”

Kurz vor Pfingsten sorgte eine Meldung des VfL Gummersbach für großes Aufsehen. Nationalspieler Evgeni Pevnov, so hieß es, spiele ab Sommer für die Oberbergischen. VfL-Manager Frank Flatten war es gelungen, den 26-jährigen Kreisläufer, der seit Februar dieses Jahres wieder für die Füchse Berlin spielt, mit einem Zwei-Jahres-Kontrakt bis zum Sommer 2017 an den Klub zu binden. Unmittelbar nach seiner frühmorgendlichen Rückkehr vom Bundesligaspiel seiner Füchse in Mannheim und einer kurzen Nachtruhe stand der Neu-Gummersbacher Rede und Antwort.

Evgeni Pevnov (26) im Interview

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Nach Ihrer Rückkehr aus Mannheim am frühen Morgen um sechs stören wir hoffentlich nicht.

Evgeni Pevnov: Das ist schon in Ordnung. Aber ich schlafe bedauerlicherweise nicht gut im Bus, sodass ich mich am Morgen erst einmal ins Bett gelegt habe. Aber jetzt ist alles wieder okay.

Sie haben am Dienstagabend Ihr erstes Spiel für die Füchse nach Bekanntgabe Ihres Wechsels zum VfL Gummersbach gemacht. Ist das dann ein sehr spezielles Match?

Pevnov: Ich konnte das relativ gut ausblenden. Aber insgesamt war das kein gutes Spiel unserer Mannschaft. Die Löwen haben eine starke Abwehr hingestellt. Da fiel es mir schwer, mich da durchzusetzen. Aber insgesamt fehlte auch die Kraft. Wir haben vier sehr schwere Spiele in kürzester Zeit gemacht, bevor wir zu den Löwen fuhren. Und das geht ja auch noch so weiter. Wir fliegen zum Wochenende nach Nürnberg, um in Erlangen zu spielen, kommen mit dem Bus zurück, fahren dann darauf kurz nach Stuttgart, um gegen Balingen anzutreten um haben dann nur zwei tage später ein Heimspiel gegen die SG Flensburg-Handewitt.

Fehlt da nach dem EHF-Cup-Gewinn die Motivation für die letzten Saisonspiele?

Pevnov: Die Motivation ist da, aber irgendwie ist die Luft ein wenig raus. Ich habe das gespürt. Du willst lossprinten, aber deine Beine machen einfach nicht mit. Geistig bist du dann schon an der Mittellinie, während der Körper noch weit in der eigenen Hälfte steht. Da reichen zum Ende der Saison die Kräfte einfach nicht mehr.

Immerhin konnten Sie mit den Füchsen Ihren ersten großen Titel feiern.

Pevnov: Das war schon geil. Und so gesehen habe ich offensichtlich alles richtig gemacht, als ich im Februar von Frisch Auf Göppingen nach Berlin zurückgekehrt bin. Gerade mal ein halbes Jahr zurück, und schon staube ich einen Titel ab. Jetzt bin EHF-Cup-Sieger 2015. So einen Titel – auch wenn es nicht der wichtigste im internationalen Handball ist – hast du fürs Leben. Andererseits haben wir uns dafür auch den Arsch aufgerissen, hart gearbeitet und gekämpft. Gerade nach dem nicht so erfolgreich Final Four um den DHB-Pokal eine Woche zuvor haben wir allen noch einmal bewiesen, dass wir es doch können.

Ihr Trainer bei den Füchsen ist noch bis zum Saisonende Dagur Sigurdsson. Der ist parallel auch Coach der DHB-Auswahl. Hat Ihnen das hinsichtlich Ihrer Ambitionen in der Auswahl geholfen?

Pevnov: Nein, das war definitiv kein Bonus. Aber das wollte ich auch gar nicht. Aber schön war, dass er letztens auf mich zukam und mir sagte, ich gehöre nun wieder zum erweiterten Kreis. In den eineinhalb Jahren in Göppingen war ich in dieser Hinsicht ja ein wenig abgerutscht.

Ihre Karriere im Nationalteam haben Sie demnach noch lange nicht abgeschrieben…

Pevnov: Ich würde gern wieder dazugehören, das ist denke ich klar. Wenn ich meine Leistung bringe, kommt alles Weitere von selbst.

Ihre Zukunft liegt nun beim VfL Gummersbach. Wer hat den Kontakt zwischen Ihnen und dem Klub hergestellt?

Pevnov: Mein neuer Berater Wolfgang Gütschow und ich haben gemeinsam ausgelotet, was für mich als Handballer noch geht. Und auf diesem Wege sind wir unter anderem auch mit dem VfL in Kontakt gekommen. Und irgendwie hat das von Anfang an gepasst. Wir haben mit Manager Frank Flatten gesprochen und sind uns sehr schnell einig geworden. Ich bin froh, dass Flatti geholfen hat, dass alles so reibungslos funktionierte.

Haben Sie die Saison des VfL verfolgt?

Pevnov: Ich gebe zu, bis zu den ersten Gesprächen nicht. Ich habe natürlich mitbekommen, dass die Gummersbacher in dieser Spielzeit einen nicht zu erwartenden Aufschwung erleben, aber erst nach der ersten Kontaktaufnahme genauer hingeschaut. Zudem kenne ich ja einige Spieler wie Mark Bult, Andreas Schröder oder Florian von Gruchalla noch aus Berliner oder aus DHB-Zeiten. Insgesamt bin ich sehr positiv gestimmt und richtig heiß auf die neue Aufgabe.

Welche Perspektiven sehen Sie für den VfL?

Pevnov: Es ist vielleicht noch ein wenig verfrüht, darüber zu reden, aber ich hoffe schon, um einen Platz im oberen Tabellendrittel mitspielen zu können. Ich halte das für realistisch, weil in Gummersbach alle an einem Strang ziehen. Und das ist das Non-plus-Ultra. Nur dann klappt es auch auf dem Spielfeld. Dazu trägt auch Manager Frank Flatten viel bei.

Von Berlin nach Gummersbach Riesenschritt. Sind Sie darauf vorbereitet?

Pevnov: Für mich ist das kein großer Schritt. Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen und fand eher umgekehrt schwierig, in einer Großstadt heimisch zu werden. Das ist nicht unbedingt das, was ich suche. Ich fühle mich eher in einer Kleinstadt wohl. Das ist gemütlich, und du hast viel mehr Ruhe.

Sie spielen für Deutschland, aber geboren sind Sie in Usbekistan.

Pevnov: Ich bin kurz nach der Wende – also vor 25 Jahren – durch meinen Dad nach Deutschland gekommen. Insofern habe ich keine Erinnerungen mehr an meine Heimat. Ich war zwar vor 15 Jahren mal dort, und ich weiß auch woher ich komme. Aber ich habe kein Verlangen, dorthin zurückzukehren. Meine Heimat ist Deutschland.

 

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