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Gunnar Steinn Jonsson (27) im Interview

„Als Team sind wir richtig stark”

So richtig zufrieden geht anders: Nur einen Tag nach der Rückkehr von der strapaziösen viertägigen Auswärtsreise nach Balingen und Göppingen haderte Gunnar Steinn Jonsson noch immer mit den so unterschiedlichen Leistungen seines Teams in den beiden Spielen. Eines wusste Isländer in Diensten des VfL ganz genau: Da wäre mehr drin gewesen. In einem ausführlichen Gespräch verriet der Spielmacher, warum er dennoch sehr optimistisch dem letzten Saison-Viertel entgegensieht.

Vier Tage war die Mannschaft in Sachen Bundesliga unterwegs. Nach den beiden Spielen in Balingen und in Göppingen kehren Sie möglicherweise mit gemischten Gefühlen zurück.

Gunnar Steinn Jonsson: Ja, das ist sicher so. Die große Enttäuschung aus unserer Sicht war zweifelsohne das Spiel in Balingen, wo wir gute Chancen hatten, die beiden Punkte mitzunehmen. Aber genau dieser Umstand, zieht sich ja bereits durch die gesamte Saison: Wir tun uns immer schwer in Spielen, in denen wir der vermeintliche Favorit sind. Warum das so ist, kann ich kaum erklären. Umso erstaunlicher, dass die Mannschaft nur vier Tage später in Göppingen eine solche Reaktion zeigte. Das Spiel war deutlich besser.

Ärgert man sich, wenn sowohl in Balingen als auch in Göppingen mehr drin war?

Jonsson: Und wie! Aber so ist das dann eben, wenn du nicht bereit bist die 100 Prozent zu geben. Allmählich muss uns allen klar sein, dass wir, wenn wir alles geben, auch gegen die richtig guten Teams in der Liga bestehen können. Tun wir das aber nicht, verlieren wir dann eben auch mal gegen die Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel.

Dennoch kann der VfL mit der Zwischenbilanz von 27:27 Punkten sehr zufrieden, nicht wahr?

Jonsson: Wenn man das mit den Erwartungen zu Saisonbeginn abgleicht, können wir sehr zufrieden sein. Dennoch waren zwei drei wirklich unnötige Niederlagen dabei, sodass wir eigentlich hätten noch besser dastehen können. Soviel Selbstkritik muss sein. Aber die Mannschaft hat sehr viele junge Spieler, die zudem hochtalentierte Handballer sind. Die Zukunft des VfL Gummersbach könnte richtig großartig werden.

Was macht die Mannschaft in dieser Saison so stark?

Jonsson: Ich denke, es ist der Teamgeist. Der VfL hat nicht die großen Individualisten oder den einen Ausnahmehandballer, dafür aber insgesamt ein richtig starkes Team. Wenn sehr viele sehr viel geben, dann kommt am Ende auch Zählbares dabei heraus. Unbedingt hervorheben aber möchte ich die Defensivleistung meiner Mannschaft mit den beiden starken Keepern Carsten Lichtlein und Matthias Puhle.

Sie kamen zu Saisonbeginn aus Frankreich, genauer gesagt: aus Nantes. Konnten Sie sich rasch akklimatisieren?

Jonsson: Ich habe meine Zeit in Frankreich wirklich sehr genossen, aber meine Familie und ich sind hier in Gummersbach unglaublich rasch heimisch geworden. Wir fühlen uns sehr wohl. Insgesamt kann ich nur sagen, dass der Vereinswechsel für mich sehr gut war, auch wenn ich mir in Gummersbach noch mehr Einsatzzeiten wünsche. Aber das wird kommen. Aber ich kann mich nur wiederholen: Ich fühle mich hier sehr wohl.

So wohl, dass Sie sich auch eine Verlängerung Ihres Engagements vorstellen könnten?

Jonsson: Der VfL Gummersbach ist eine sehr gute Adresse im europäischen Handball. Zudem wird er mittlerweile auch richtig gut geführt. Und wenn du Profihandballer bist, dann ist die Bundesliga genau das, wo du sein möchtest. Also, wenn Gummersbach mit mir reden möchte, werde ich bestimmt offen für alles sein.

Mit 17 Länderspielen für Island gehören Sie zu den wenigen im Kader des VfL, die über internationale Erfahrungen verfügen. Macht Sie das zu einem Führungsspieler?

Jonsson: Möglicherweise. Die internationale Erfahrung – nicht nur meine – ist enorm wichtig, um den VfL sportlich auf das nächste Level zu hieven. Ich habe zuletzt eine Europameisterschaft in Dänemark und eine Weltmeisterschaft in Katar gespielt. Das gibt dir unglaublich viel Erfahrung. Ja, ich denke, dass ich der Mannschaft noch Input geben kann.

Gemeinsam mit Christoph Schindler teilen Sie sich die Spielmacherposition. Wie viel Jonsson steckt im Aufbauspiel des VfL?

Jonsson: Das weiß ich nicht. Ich denke, dass Christoph und ich eine sehr gute Kombination für den Spielaufbau sind. Er ist mehr ein Shooter, während ich das Spiel versuche zu lenken. Für die Mannschaft ist das durchaus positiv, zwei so unterschiedliche Spielmacher zu haben. Das macht das Spiel deutlich variantenreicher.

Am Samstagabend kommt GWD Minden in die Schwalbe Arena. Eines der wenigen Spiele, in die der VfL als Favorit gehen wird.

Jonsson: Ja, das ist wieder eines dieser Schwierigen Spiele. Diesmal aber bin ich überzeugt, dass wir bereit sein werden, dieses Spiel zu gewinnen. Wir werden dem Gegner keine Chance lassen und – mit der Unterstützung unserer großartigen Fans – den Leuten zeigen, dass wir zurecht in der oberen Tabellenregion stehen.

Ändert das etwas an Ihren Saisonzielen?

Jonsson: Ich weiß, dass es eine abgegriffene Formulierung ist, aber wir denken tatsächlich von Spiel zu Spiel. Und dann werden wir sehen, was am Ende der Saison dabei herauskommt.

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