Götz Timmerbeil

Götz Timmerbeil (47) im Interview

„Man muss nicht immer Erster sein”

Götz Timmerbeil kennt den VfL quasi seit Geburt. Als waschechter Gummersbacher geht das nicht anders. Seit der D-Jugend spielte der Beirats-Vorsitzende dort Handball, war 1981 deutscher C-Jugend-Meister und zum Ende der 80er-Jahre im Kader jener Mannschaft, deren große Erfolge er als junger Fan miterlebt hatte. Allerdings musste der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer auch den mehr als zwei Jahrzehnte andauernden Niedergang seines Klubs begleiten – stets als Mitarbeiter und als Fan. Seit dem 1. Januar 2011 war der 47-jährige zunächst Aufsichtsrats, heute dann Beirats-Vorsitzender der VfL Handball Gummersbach GmbH und begleitet seither den langsamen, aber stetigen Turnaround seines Klubs.

Frage: Der Aufschwung des VfL Gummersbach beschäftigt mittlerweile auch die überregionalen Medien. Jüngst berichtete das Handelsblatt ausführlich unter dem Titel „Die Legende lebt” über die Wiederauferstehung des Traditionsklub. Freut Sie das?

Götz Timmerbeil: Absolut! Vor allem, weil wir in den vergangenen Jahren überregional – wenn überhaupt – eher mit negativen Schlagzeilen für Öffentlichkeit sorgten. Damals hatten wir bekanntermaßen massive finanzielle Probleme. Und auch das Personalkarussell drehte sich hin und wieder rascher als üblich. Insofern freut uns diese positive Resonanz sehr, die riesigen Anklang gefunden hat weit über den Stadtrand und über die Region hinaus.

Frage: Ist so etwas auch ein Beleg Ihrer kontinuierlichen Arbeit?

Timmerbeil: Ich hoffe das. Schließlich haben wir hier im Team seit geraumer Zeit versucht, das Machbare möglich zu machen. Wir sind hier sehr solide an die Dinge herangegangen und haben den VfL in dem vorgegebenen Rahmen neu eingerichtet. Dazu gehörte auch, viele alte Baustellen aufzulösen. Das ist uns gelungen, und offenbar so gut, dass wir nun längst wieder ein verlässlicher Partner für Spieler und Sponsoren sind.

Frage: Wie nachhaltig ist die Konsolidierung des einstigen Insolvenzkandidaten?

Timmerbeil: Dank der Schwalbe Arena und den damit verbundenen gut zu kalkulierenden Einnahmen gehe ich von einer hohen Nachhaltigkeit aus. Danach werden sich dann auch unsere Ausgaben richten. Erst einmal. Alles darüber hinaus ist dann abhängig vom sportlichen Erfolg, dem einen oder anderen zusätzlichen Sponsor und den damit verbundenen Mehreinnahmen. Wir haben mit mehreren Großsponsoren und einem Business-Club ein sehr gutes Fundament geschaffen. Sicher, da kann immer mal etwas wegbrechen, aber dann haben wir eben wieder eine neue Aufgabe. Das kennen die anderen Klubs in der Liga genauso. Unser Ziel ist es ganz einfach, positive Ergebnisse im operativen Bereich zu erzielen. Dafür sind wir damals hier angetreten.

Frage: Die Handball-Bundesliga, die mit ihrem Lizenzierungsverfahren einen hohen Maßstab anlegt, lobte zuletzt immer wieder Ihr Kostencontrolling.

Timmerbeil: Das freut uns. Es stimmt, dass wir immer sehr nah an unserem Zahlenwerk sind, weil wir sehr planvoll vorgehen und keine Luftschlösser bauen. Das heißt, dass wir hier die Bodenhaftung nicht verlieren, auch wenn wir – wie zurzeit – sportlich sehr erfolgreich agieren. Ich wiederhole mich: Wir werden hier nicht mehr ausgeben als wir einnehmen.

Frage: Demnach droht keine Gefahr im bereits wieder anstehenden Lizenzierungsverfahren.

Timmerbeil: Davon gehe ich aus. Wir werden in dieser Spielzeit ein positives Bilanzergebnis erwirtschaften und gehen fest davon aus, dass uns das auch in der nächsten Saison gelingt. Da droht kein Ungemach.

Frage: Immer wieder heißt es, ohne die neue Halle sei das alles überhaupt nicht denkbar gewesen.

Timmerbeil: Die Halle ist das Kernstück des gesamten Konzeptes. Das hat aber neben der wirtschaftlichen auch eine stark emotionale Komponente, weil durch den Hallenbau unterschiedlichste Beteiligte zusammengebracht wurden: Die Stadt Gummersbach, das Land NRW, Investoren aus Gummersbach und der Region, die zum Teil gar nichts mit Handball zu tun hatten, und eben den VfL selbst.. Das war wie ein Aufbruch, an dem nun alle mitwirken wollten. Allein das Finanzierungskonzept ist einzigartig. Heute gibt es eine privat organisierte Arena GmbH und Co KG, die den Anteilseignern gehört, die mit Zuschüssen von Stadt und Land die Halle nicht nur baute sondern sie auch erfolgreich betreibt. Außerdem: Ohne die Halle hätte die Rettungsaktion 2011, als der VfL innerhalb einer Woche rund zwei Millionen Euro einsammelte, nie und nimmer funktioniert.

Frage: Sie haben seither die Verbindlichkeiten von über vier auf unter zwei Millionen gedrückt.

Timmerbeil: Unser ursprünglicher Plan sah vor, noch ein wenig weiter zu sein. Aber auch so befinden wir uns auf einem guten Weg. Wir haben künftig schon vor, sehr vorsichtig zu investieren, jedoch ohne dabei die Entschuldung zu vernachlässigen.

Frage: Was bedeutet das für den sportlichen Bereich?

Timmerbeil: Wir mussten hier ganz rasch davon weg, Champions-League-Sieger werden zu wollen. Gegenwärtig arbeiten wir daran, uns perspektivisch zwischen Platz vier und Platz acht festsetzen zu können. Alles andere ist nach gegenwärtigem Stand Illusion, auch wenn wir es geschafft haben, den Kader so beisammen zu halten. Natürlich wollen wir unsere Spieler entwickeln und sukzessive auch den Kader verstärken. Aber es ist absolut unwahrscheinlich, dass wir in den kommenden Jahren zwei, drei Weltklassespieler verpflichten werden. Es sei denn, es kommt der eine große Sponsor.

Frage: Ist das Wort „Europacup” bis dahin ein Unwort?

Timmerbeil: Nicht unbedingt. Wir stehen lediglich noch ein Spiel vom DHB-Pokal-Final-Four entfernt. Wenn das gut läuft, dann darf man daran schon mal einen Gedanken verschwenden. Aber auf Sicht ist auch klar, dass wir die jungen Spieler, die wir entwickelt haben, nur dann halten können, wenn wir international spielen. Und selbst dann werden wir noch immer ein gutes Stück weit entfernt sein von den Top-Klubs aus Kiel, Flensburg oder Mannheim. Aber andererseits: Man muss auch nicht immer Erster sein…

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