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Gerhard Guist von Blau Weiß Voran! im Interview

„Langfristig wieder in den Europacup”

Wenn Gerhard Guist mal nicht mit dem VfL Gummersbach zu tun hat, geht er seinem Beruf als Mediengestalter in einer Siegener Agentur nach. In seiner Freizeit aber beschäftigt sich der 29-jährige gebürtige Gummersbacher zumeist mit seinem Lieblingsthema „VfL”. Als Gründungsmitglied und einer der Initiatoren des Fanclubs „Blau Weiß Voran!” gehört er zu den treibenden Kräften einer stetig wachsenden Gummersbacher Fanszene.

Fan sein im Gummersbach: Was verbirgt sich dahinter genau?

Gerhardt Guist: Als Fans des VfL versuchen wir stets, gute Stimmung im Publikum zu machen und die Mannschaft nach Kräften zu unterstützen. Das gilt sowohl für die Heim- als auch für die Auswärtsspiele. Wir wollen vor allem dann helfen, wenn es für das Team mal nicht so rund läuft, aber auch feiern, wenn wir gewinnen. Dabei verzeihen wir natürlich auch Niederlagen. Wichtig für uns ist, zu sehen, dass das Team kämpft und nicht aufgibt. Wenn die Spieler Leidenschaft zeigen, tun wir das sehr gern auch.

Wie sind Sie zum Fan geworden?

Guist: Meine ersten Gummersbach-Spiele habe ich vor mehr als zehn Jahren in der Köln Arena gesehen. Damals gab es lediglich den Fanclub „Blue White Dynamite”. Als wir mit eigenen Ideen kamen, war das aber nicht so leicht, sich da durchzusetzen. Wir wollten ein paar Dinge neu inszenieren – so mit Fahnen, Trommeln und Doppelhaltern.

Was sind Doppelhalter?

Guist: Das sind so große Banner an zwei Stegen, die man eigentlich nur vom Fußball kennt. Jedenfalls haben wir 2011 mit ein paar Leuten dann unseren eigenen Fanclub gegründet. Aber wir verstehen uns keineswegs als Konkurrenz, schließlich sind wir Fans desselben Vereins und haben alle gemeinsam ein Ziel. Ich glaube aber, dass „Blau Weiß Voran!” eine Alternative für diejenigen bietet, die für eine aktivere Unterstützung stehen. Wir singen lauter, trommeln mehr und geben den Takt auf der Tribüne vor. Aber auch hier möchte ich nicht falsch verstanden werden: Wir wollen niemanden überstimmen. Im Gegenteil: Gern würden wir langfristig mit „Blue White Dynamite” zusammenarbeiten. Wir haben den festen Vorsatz, schon bald das Gespräch mit denen zu suchen. Wenn alle wollen, ist es doch besser, man arbeitet zusammen.

Also war die Gründung 2011 keine Trotzreaktion…

Guist: Überhaupt nicht. Wir haben uns mit 20, 25 Leuten damals zusammengetan, um schon mit Blick auf den Umzug in die Schwalbe Arena Fanaktivitäten zu starten. Ich denke, das haben wir gut hinbekommen mit unseren Choreografien, den Bannern und unseren Ausgaben des Kurvenblattes „Einwurf”, das wir bei Heimspielen in der Schwalbe Arena verteilen.

Froh, dass der VfL in einer neuen Halle beheimatet ist?

Guist: Die Eugen-Haas-Halle hatte auch Atmosphäre, aber da gab es nur Sitzplätze. Und wenn wir da im Eifer des Gefechtes aufstanden und stehenbleiben wollten, gab es stets Ärger. Jetzt haben wir da ganz andere Möglichkeiten, um uns auszuleben. Wir sind erklärte Stehplatz-Fans. Wir haben mit Unterstützung der Sparkasse Gummersbach so ein Riesen-Fantrikot bekommen, dass wir nun beim Einlaufen oder bei Auszeiten ausrollen. Darauf steht auch das Motto unseres Fanclubs: 1861% Leidenschaft.

In Gummersbach ist die Verbindung zwischen den Fans und der Mannschaft noch recht eng, oder?

Guist: Ja, sehr eng. Zu Beginn der Saison gab es ein großes Treffen mit den Fans beider Fanclubs und der Mannschaft. Das war ein lockerer, sehr schöner Abend mit vielen persönlichen Gesprächen. Das setzt sich auch im Alltag fort. In Gummersbach trifft man die Spieler in der Stadt, nach jedem Match steht man mit der Mannschaft auf dem Spielfeld zusammen und gratuliert oder spricht Trost zu – je nach Ergebnis. Wir haben auch einen engen Kontakt zur Geschäftsführung des Klubs. Manager Frank Flatten und Sebastian Wessels, ein Mitarbeiter der VfL-Geschäftsstelle unterstützen uns  so gut es geht. Das ist schon klasse.

Die Hinrunde bot viele Anlässe, um mit dem Team zu feiern…

Guist: …das war super! Dass wir vor der Rückrunde auf Platz sieben stehen, damit haben wohl die wenigsten gerechnet. Ich bin beileibe nicht der größte Pessimist, aber das hat meine Erwartungen übertroffen. Wenn der Klub nun noch einen klassischen Hauptsponsor fände, dann könnte Frank Flatten die sportliche Zukunft des Klubs auch ein wenig entspannter planen.

Besteht da Hoffnung?

Guist: Mit den sportlichen Leistungen, der gegenwärtigen Arbeit der Verantwortlichen und der neuen Halle ganz sicher. Der VfL Gummersbach ist schließlich noch immer der weltbekannteste Handballklub. Aber vielleicht ist der Verein wegen seiner jüngeren Vergangenheit immer noch ein wenig gebrandmarkt.

Was waren Ihre schönsten Erlebnisse mit dem Klub?

Guist: Die Europacup-Siege. Das war großartig. Die Feiern, die wir danach veranstaltet haben, wird keiner so rasch vergessen. Aber auch die erste gemeinsame Auswärtsfahrt nach Hüttenberg war toll. Damals haben wir einen Bus gemietet, sind mit 40 Leuten losgefahren und durften anschließend den Nicht-Abstieg feiern. Ich war aber auch schon mal sauer auf das Team. Am letzten Spieltag der vorletzten Saison standen wir noch mitten im Abstiegskampf und verloren das Heimspiel gegen Neuhausen. Nur weil zeitgleich Großwallstadt daheim gegen den THW Kiel unterlag, blieben wir erstklassig. Das hat uns nicht gefallen, auch wenn wir nach ein paar Gesprächen dann mit den Spielern den Klassenverbleib feiern konnten.

Welche Wünsche haben Sie für die Zukunft?

Guist: Ich fände es großartig, wenn die Fanclubs mehr und mehr zusammenwachsen würden und wir als große Gemeinschaft den VfL unterstützen. Der Oberberger gilt zwar gemeinhin als zurückhaltend, aber gemeinsam könnten wir schon schaffen, dass unsere Fangesänge auf die gesamte Halle überschwappen. Jede Form von Leidenschaft und Emotion wird der Mannschaft gut tun.

Und sportlich?

Guist: Da wäre die Europacup-Qualifikation ein Traum. Wäre schön, wenn es schon in dieser Saison gelänge, aber das ist nur ein Traum. Aber langfristig wäre das ein schönes Ziel. Auch, weil wir uns auf spannende und außergewöhnliche Auswärtsreisen freuen könnten.

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