Eisenach, Werner-Aßmann-Halle, 28.11.15: ThSV Eisenach vs. VfL Gummersbach im Spiel der 1. Handball Bundesliga Saison 2015/2016.

Erstes Heimspiel im Jahr 2016

Zum ersten Heimspiel nach der EM-Pause empfängt der VfL Gummersbach am Sonntag (15 Uhr) den Neuling ThSV Eisenach, der dennoch kein Unbekannter in der SCHWALBE arena ist.

Die Handballer von der Wartburg gastierten bereits in der Saison 2013/14 im Oberbergischen, mussten damals aber als Aufsteiger die „stärkste Liga der Welt“ nach nur einem einjährigen Gastspiel wieder verlassen. Unter dem Trainerfuchs Velimir Petkovic, der den VfL-Handballfans als langjähriger Trainer in Wetzlar und Göppingen bestens bekannt ist, schafften die Thüringer den sofortigen Wiederaufstieg. Und in der laufenden Saison will der ThSV Eisenach natürlich unbedingt den Klassenerhalt schaffen.

Und würde die Saison heute, also vor dem 21. Spieltag, abgepfiffen, hätten die Eisenacher ihr Ziel erreicht. Derzeit rangieren die Petkovic-Schützlinge mit 8:32 Punkten auf dem 15. Tabellenplatz und nehmen – bedingt auch durch den Rückzug des HSV Handball – den ersten Nicht-Abstiegsplatz ein. Allerdings erlitten die ThSV-Handballer am vergangenen Wochenende einen herben Rückschlag. So hatte Velimir Petkovic vor dem Heimspiel in der Werner-Aßmann-Halle gegen den ebenfalls in der Abstiegszone platzierten TBV Lemgo gehofft, mit einem doppelten Punktgewinn einen großen Schritt in Richtung rettendes Ufer zu machen. Diese Hoffnungen platzten allerdings wie eine Seifenblase, denn die Gäste entführten durch einen überraschend deutlichen 28:22-Sieg beide Punkte nach Ostwestfalen und stürzten den kommenden VfL-Gegner damit noch tiefer in den Abstiegsstrudel.

Die Schützlinge von Trainer Emir Kurtagic tun aber sicherlich gut daran, die Eisenacher nicht an dem Lemgoer Ergebnis zu messen. Vielmehr wird sich der VfL auf einen Gegner einstellen müssen, der bis zum Umfallen kämpfen wird. „Die deutliche Niederlage gegen Lemgo hat mich überrascht, aber das macht unsere Aufgabe nicht leichter. Ganz im Gegenteil. Eisenach wird von der ersten Minute an ums Überleben kämpfen“, prognostiziert auch Kurtagic, der natürlich unbedingt die ersten beiden Punkte des Jahres in Gummersbach behalten möchte: „Dafür brauchen wir aber ein richtig gutes Spiel. In der Deckung, im Tor und im Angriff.“

Den Gegner schätzt er als unbequeme, kampfstarke und ausgeglichen besetzte Mannschaft ein. Dennoch spreche auch einiges für sein Team. In den letzten Tagen wurde hart gearbeitet, vor allem auch im athletischen Bereich. Alle Spieler sind einsatzfähig, und auch die EM-Helden sind trotz der nicht vorhandenen Erholungsphase topfit und hochmotiviert. Fehlen nur noch die treuen VfL-Fans, auf die Kurtagic auch am kommenden Sonntag baut: „Unsere Fans standen immer hinter, aber vielleicht treibt die EM-Euphorie ja noch den einen oder anderen Besucher zusätzlich in die Halle. Der Verein, die Mannschaft und natürlich auch der Sport allgemein hätten es verdient.“

Bereits im Hinspiel in der Werner-Aßmann-Halle bekam der VfL die Kampfstärke der Petkovic-Truppe zu spüren. Zwar entführte der VfL am Ende mit 32:28 beide Punkte ins Oberbergische, aber damals klagten die Thüringer über großes Verletzungspech, denn Trainer Petkovic musste seinerzeit auf wichtige Akteure im Rückraum verzichten, so dass dem ThSV aus der zweiten Reihe die nötige Durchschlagskraft fehlte.
Inzwischen hat sich das Lazarett bei dem Aufsteiger aber gelichtet, so dass Petkovic auf seinen kompletten Kader zurückgreifen kann, von dem er sagt: „Wir haben ganz intensiv trainiert. Die Mannschaft ist fleißig und alle Spieler sind heiß.“ Gegen Lemgo war im Übrigen der rumänische Rückraumrechte Bogdan Andrei Criciotoiu mit sechs Treffern der erfolgreichste Werfer, gefolgt von Rechtsaußen Tomas Urban (4). Dagegen blieben die beiden Rückraum-Hünen, der 2,07 Meter lange Russe Azar Valullin und der nur einen Zentimeter „kleinere“ Patrik Hruscak unter ihren Möglichkeiten. Vor allem Valullin, bis zu seiner Handverletzung im November 2015 der zweitbeste Feldtorschütze in der Bundesliga, hat nach seiner längeren Zwangspause noch ein großes Steigerungspotenzial.

Der ThSV Eisenach, der zu Saisonbeginn eine große Fluktuation in seinem Kader (neun Abgängen standen insgesamt die gleiche Anzahl an Neuzugänge gegenüber) zu verzeichnen hatte, ist eine Truppe, die keine ausgesprochenen Stars in ihren Reihen hat. Trainer Petkovic hat in seiner „Multi-Kulti-Truppe“ aus insgesamt neun Nationen vor allem auf große und bewegliche Spieler gesetzt. Dementsprechend dürfte der VfL gewarnt sein, das Spiel nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, sondern sich auf eine körperlich robuste und kämpferische Mannschaft einzustellen. Und das letzte Heimspiel vor der EM-Pause gegen den TVB Stuttgart, als trotz einer klaren Pausenführung am Ende nur ein hauchdünner Zittersieg eingespielt wurde, sollte Warnung genug sein, um die Konzentration bis zur letzten Minute hoch zu halten.

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