VfL Gummersbach - TSG Ludwigshafen-Friesenheim

„Eine unglaublich spannende und lehrreiche Erfahrung“

Ein Handballerleben im Zeitraffer: Julius Kühn kam vor der Saison vom Zweitligisten TuSEM Essen zum VfL, avancierte in der Bundesliga auf Anhieb zum Leistungsträger und debütierte am Wochenende in der A-Nationalmannschaft gegen die Schweiz.

So schnell kann es manchmal gehen. Zum Saisonbeginn kam der 21jährige Rückraumspieler Julius Kühn vom Zweitligisten TuSEM Essen nach Gummersbach und war zunächst nicht jedem VfL-Fan ein Begriff. In der Vorbereitung und den ersten Saisonspielen zeigte der wurfgewaltige Halblinke aber bereits, was in ihm steckt. Gemeinsam mit Andreas Schröder bildet er das erfolgreiche Gespann auf dieser Position, und in der letzten Woche debütierte er sogar in der neu formierten A-Nationalmannschaft unter Trainer Dagur Sigurdsson. Unmittelbar nach seiner Rückkehr haben wir ihn zu seinen Eindrücken befragt.

Sie sind in der vergangenen Nacht nach Gummersbach zurückgekehrt und hinter Ihnen liegt eine äußerst spannende Woche.

Kühn: In der Tat. Ich bin letzte Woche Montag nach Heilbronn zur Nationalmannschaft gereist, um am DHB-Vorbereitungslehrgang auf die beiden Länderspiele gegen die Schweiz teilzunehmen. Es waren unglaublich spannende und lehrreiche Tage, sowohl auf als auch neben dem Feld.

Waren Sie nervös?

Kühn: Natürlich hatte ich bei der Anreise ein leichtes Kribbeln im Bauch. Das ist doch völlig normal. Ich bin aber sehr freundlich und herzlich aufgenommen worden. Wir haben viel gearbeitet, uns aber auch schnell als Team gefunden. Dagur Sigurdsson hat mir und dem ganzen Team in den wenigen Tagen viel vermittelt und uns sofort ein gutes Gefühl gegeben.

Und dann am Samstag gleich das Debüt im DHB-Trikot.

Kühn: Das ist schon der Wahnsinn, dass ich dann auch noch gleich so viele Spielanteile bekommen habe. Im ersten Spiel beim 32:26-Erfolg in Göppingen lief es sehr gut, ich habe gut gespielt und auch zwei Tore beigesteuert. Beim Remis am Sonntag war ich mit meiner Leistung von Beginn an nicht so zufrieden. Aber insgesamt bin ich dennoch sehr zufrieden, und jetzt muss ich in der Bundesliga weiter Gas gegeben, um auch beim nächsten Mal wieder dabei zu sein.

Das wäre dann das Länderspiel gegen Finnland in der SCHWALBE arena?

Kühn: Vollkommen richtig. Das wäre natürlich ein Traum, bei diesem wichtigen Qualifikationsspiel in der eigenen Halle dabei zu sein. Aber, wie gesagt, dafür muss ich weiter meine Leistungen bringen und mich empfehlen. So habe ich es auch mit dem Bundestrainer vereinbart.

Sie sind vor der Saison aus der 2. Liga gekommen. Jetzt sind Sie Nationalspieler. Kommt man da eigentlich noch mit?

Kühn: Es ist in der Tat eine sensationelle Entwicklung, mit der keiner – ich am allerwenigsten – rechnen konnte. Man darf sich aber nicht blenden lassen. Heute habe ich von Emir noch frei bekommen. Morgen geht es dann wieder los mit der Vorbereitung auf das wichtige Spiel in Erlangen.

Kann man im Umkehrschluss Ihre Nominierung auch als einen Verdienst der VfL-Mannschaft werten?

Kühn: Auf jeden Fall. Ich kann mich nur bei der ganzen Mannschaft und beim Verein bedanken, dass ich diese Chance bekommen habe. Wir haben, so denke ich, einen sehr, sehr guten Saisonstart hingelegt und auch schon für Überraschungen gesorgt. Der Erfolg in Melsungen ist mir dabei natürlich in besonderer Erinnerung. Darüber hinaus haben wir aber auch in den anderen Spielen überzeugt. Die Mannschaft funktioniert, jeder kämpft für jeden, und auch nach Wechseln und Umstellungen erkennen ich keinen Leistungsabfall.

Dennoch gibt es einen gesunden Konkurrenzkampf?

Kühn: Richtig, und das ist auch gut so. Wir sind auf allen Positionen doppelt gut besetzt, und das zahlt sich bei den vielen Spielen aus. Andi Schröder und ich zum Beispiel unterstützen uns gegenseitig und feuern uns an. Natürlich möchte jeder so viel wie möglich spielen, aber wir neiden einander die Spielanteile nicht. Ich denke, es ist der Teamgeist, der uns neben der individuellen Klasse so stark macht.

Wie geht es nun weiter?

Kühn: Wir sind gut gestartet, haben aber noch nicht viel erreicht. Es geht jetzt darum, dass wir unsere Leistungen bestätigen und zunächst einmal mit einem Sieg in Erlangen den Saisonstart krönen. In der Mannschaft steckt enormes Potenzial und natürlich wird es auch Rückschläge geben. Ich denke aber, dass wir mit der Unterstützung unserer tollen Fans eine erfolgreiche Saison spielen können.

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