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Die 1. Gesamtdeutsche Meistermannschaft von 1991 zu Gast am Samstag

Vor 25 Jahren wurde die 1. Gesamtdeutsche Meisterschaft nach Gummersbach geholt. Am Samstag, beim Spiel gegen die HBW Balingen-Weilstetten wird diese Mannschaft fast komplett in der SCHWALBE arena anwesend sein.

Gunnar Jaeger ist einer dieser Spieler, die vor 25 Jahren Meister geworden sind. Er stand uns Rede und Antwort in einem Interview über alte Zeiten und die aktuelle Situation beim VfL Gummersbach.

Herr Jaeger, die 1. Gesamtdeutsche Meisterschaft jährt sich zum 25. Mal! Ein besonderes Gefühl für Sie und die Teamkollegen von damals?

Ja, es ist immer wieder ein besonderes Gefühl, sich mit und in dieser Mannschaft zu treffen, da dieser besondere Zusammenhalt von damals auch heute noch existiert. So macht es Spaß ein Treffen zu organisieren, wenn man bereits nach kurzer Zeit vollständige Rückmeldungen und vor allem Zusagen bekommt. es ist ein Treffen unter Freunden!

 

Gab es während der Saison ein Schlüsselerlebnis, das dem Team bewusst machte „wir können Meister werden“?  Oder verlief die Saison optimal?

Oh, das ist jetzt schon etwas länger her, aber ich kann mich noch gut erinnern, dass TUSEM und Wallau damals die eigentlichen Favoriten waren und wir mit unserer kämpferischen Teamspielweise schon im Verlauf der Saison ersten Respekt erspielt hatten. Der richtige „knoten“ platzte aber erst in den Play-Offs, wo wir nach einer deutlich Niederlage in Essen im zweiten Spiel dann zuhause eine Trotzreaktion gezeigt hatten, da sich der riesige Siegeswille bei immer mehr Personen breit gemacht hatte.

 

Was zeichnete die Mannschaft von damals besonders aus?
Die Mannschaft war nicht üppig, aber eigentlich ideal besetzt, da wir eine perfekte Mischung aus Hierarchie und Teamgeist unter Freunden hatten. Mit Andreas Thiel, Andreas Dörhöfer und Fredi Zlattinger gab es die älteren Führungsspieler, aber die ganz jungen Spieler wie Rune Erland, Pitti Petersen, Ralf Kraft oder auch ich hatten immer volles Vertrauen „der Alten“ und auch des Trainers. Wir jungen untereinander waren absolute Freunde und so ging man zusammen durch Feuer – das war wie bei den Musketieren: Einer für alle, alle für einen!

 

Sie sind als einer von wenigen auch nach der aktiven Karriere in Gummersbach geblieben. Wie kam es dazu und hat es Sie nicht gereizt nochmal etwas anderes zu probieren und woanders sesshaft zu werden?

Ich hatte zwischenzeitlich mal Angebote aus Dormagen, Großwallstadt oder auch mal aus Norwegen, aber erstens hatte ich schon früh Familie, für die es hier zuhause die optimalen Bedingungen gab, zweitens bin ich gebürtiger und heimatverbundener Gummersbacher und drittens gab es immer wieder eine interessante Perspektive für mich beim VfL. Selbst als Stefan Kretzschmar beim VfL war, hatte ich meine Spielanteile – entweder in der Abwehr oder wenn Kretzsche auf die Mitte ging oder Pausen brauchte.

 

Inzwischen spielt die aktuelle VfL-Mannschaft eine gute Rolle in der DHB-HBL und begeistert die Fans regelmäßig mit tollen Auftritten in der Arena. Ist die Unterstützung von heute mit der 1991 zu vergleichen? Welche Bedeutung hat die neue SCHWALBE Arena aus Ihrer Sicht für den Erfolg des jungen VfL Gummersbach?

Die Schwalbe-Arena mit diesem tollen Publikum ist unbezahlbar für den VfL und in der heutigen, wirtschaftlichen Situation lebensnotwendig. Dass es allerdings so ein großer Zuschauerzuspruch wird, hätte ich auch nicht ganz erwartet und hatte schon Befürchtungen, ob man die Halle einen Tick zu groß dimensioniert hatte. Diese tollen Zuschauerzahlen sind allerdings eben auch eine Reaktion des immer noch absolut handballverrückten Umfeldes in Gummersbach und im Oberbergischen auf die Ergebnisse, aber vor allem auf die Konstellation und Spielweise der Mannschaft. Hätte man beim VfL vor gut drei Jahren diesen Umbruch nicht eingeläutet und sich von teilweise hoch dotierten Ausländern zugunsten von jungen, deutschen Talenten getrennt, so würde das meiner Ansicht nach anders aussehen. Die Spielweise und Struktur der heutigen Mannschaft ist daher schon etwas mit unserem Team aus 1991 vergleichbar, da auch heute die „jungen Wilden“ wie Kühn, Ernst oder Schroeder in einer intakten Hierarchie von „den Alten“ wie Lichtlein, Schindler oder Bult geführt werden.  Es zeigt sich immer mehr, auch bei Emir Kurtagic, dass sich der Mut, junge Spieler frühzeitig einzusetzen und ihnen Fehler zuzugestehen, auszahlt. Dieser Trend ist heute sowohl im Handball wie auch im Fußball immer deutlicher sichtbar und macht eben auch dem Publikum Spaß. Den Jungen werden Fehler eben auch vom Zuschauer eher verziehen.

 

Wäre mit der Mannschaft von damals auch heute noch ähnlich großer Erfolg zu feiern, oder hat sich das Spiel so entwickelt, dass man die Spielzeiten gar nicht mehr vergleichen kann?

Das Spiel ist mit dem von 1991 überhaupt nicht mehr zu vergleichen. Wenn wir das Video von damals anschauen, meinen wir, die DVD läuft zu langsam. Spaß beiseite, ich denke, dass viele aus unserer Truppe von 1991 vom Talent und den physischen Veranlagungen auch in der heutigen Zeit erfolgreich wären, wenn sie das gleiche Trainingspensum schon ab frühen Jahren absolviert hätten. Hier ist der Handball heute so dynamisch und körperbetont, dass es ohne überragende Physis nicht für dieses Niveau reichen würde. Das war 1991 noch anders.

 

Ist die Mannschaft komplett anwesend heute oder mussten einige Spieler/ Trainer absagen?

Wir waren bis Anfang der Woche komplett. Dann musste sich allerdings Frank Dammann entschuldigen, da er sich beim Tennis wahrscheinlich einen Leistenbruch zugezogen hat und evtl. kurzfristig operiert werden muss. Er meinte, er hätte bei einem Hechtsprung wohl vergessen, dass er schon fast 60 ist. Ansonsten aber komplett. Andreas Dörhöfer hat sogar seinen bereits gebuchten Pfingsturlaub etwas umdisponiert, um an diesem Wochenende dabei zu sein. Das zeigt auch, welcher Teamgeist immer noch herrscht.

 

Was wünschen Sie sich für das Spiel heute?

Ich wünsche mir einen Sieg für den VfL, eine volle und wie immer bebende SCHWALBE arena und meiner alten Truppe mit Frauen und Familien ein schönes Erlebnis mit einem Grund (mehr) zum Feiern :-)

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