VfL-Erlangen 066

„Das wäre Wahnsinn, wenn wir das hinbekämen”

Möglicherweise hätte der VfL Gummersbach sein letztes Heimspiel gegen Erlangen ohne ihn nicht gewonnen. Matthias Puhle, Keeper der Oberbergischen, wurde am vergangenen Samstag als Matchwinner gefeiert. Mit 13 Paraden hielt der 29-Jährige, der erst vor eineinhalb Jahren zum VfL kam, die beiden so wichtigen Punkte fest. Vor dem Auswärtsspiel in Bietigheim (Samstag, 28.02., 20.15 Uhr) stand Puhle, der noch zu Beginn der Woche stark erkältet das Haus hüten musste, in einem Interview Rede und Antwort und strahlte dabei jede Menge Optimismus aus.

Am vergangenen Samstag gegen Erlangen wurden Sie zum Matchwinner. Wie waren die Stunden und Tage nach dem Match?

Matthias Puhle: Im ersten Moment nach dem Ende des Spiels war das schon klasse. Da ist man einfach nur froh, dass einem eine gute Leistung gelungen ist. Die Stimmung in der Halle war super, und wer mich beobachtet hat, hat gesehen, dass ich die ganze Zeit nur noch gegrinst habe.

Genießt man diese Momente?

Puhle: Ich genieße diese Momente eher hinterher, wenn ich daheim bin mit meiner Frau und ich die nötige Ruhe dazu habe. Aber in aller Regel bleibt ja kaum Zeit dazu. Weil am Wochenende ja bereits die nächste Aufgabe auf uns wartet und wir uns darauf entsprechend vorbereiten müssen.

Stimmt! Schon am Samstag steht das Match beim Tabellenschlusslicht Bietigheim an. Sind dort zwei Punkte Pflicht?

Puhle: Wenn man auf den Tabellenstand und den bisherigen Saisonverlauf beider Tams schaut, eigentlich schon. Aber wir sollten sehr vorsichtig sein: Bietigheim hat sich gerade daheim bislang achtbar geschlagen. Zudem hat sich das Team in der WM-Pause verstärkt. Wir dürfen den Gegner auf keinen Fall unterschätzen, sondern müssen unbedingt hochkonzentriert an die Aufgabe herangehen. Wir wollen dort gewinnen, und wir können dort gewinnen.

Was muss der VfL besser machen als gegen Erlangen, um einen solchen Krimi zu vermeiden?

Puhle: In der zweiten Halbzeit haben wir gegen Erlangen schon eine sehr gute Deckung gestellt. Das muss uns in Bietigheim über 60 Minuten gelingen. Zudem müssen wir unbedingt die Chancen, die wir uns erspielen, auch nutzen. Gegen Erlangen haben wir zehn, zwölf freie Bälle nicht genutzt. Wenn wir unsere technischen Fehler minimieren, bin ich für Samstag sehr optimistisch.

Geht der Blick auf die Tabelle angesichts des hervorragenden Zwischenstandes ganz vorsichtig auch weiter nach oben?

Puhle: Natürlich darf man davon träumen, noch weiter nach oben zu kommen. Das Mittelfeld der Tabelle ist ja sehr eng beieinander. Aber noch schaue ich eher nach unten, und dann bin ich sehr froh darüber, dass wir bereits neun Punkte Abstand auf einen Abstiegsplatz haben. Und wenn es gut läuft, werden wir uns noch weiter davon distanzieren. Es wäre perfekt, wenn wir aus den nächsten Ligaspielen in Bietigheim, daheim gegen den Bergischen HC und in Balingen die Optimal-Ausbeute von sechs Punkten einfahren könnten. Das wäre schon Wahnsinn, wenn wir das hinbekämen.

Und zwischendurch wollen Sie ja auch noch das Viertelfinale im nationalen Pokal gegen Flensburg gewinnen.

Puhle: Das wäre überragend, wenn wir das mitnehmen könnten.

 

 

Die Chancen sind nicht so schlecht. Flensburg ist derzeit nicht in bester Verfassung.

Puhle: Man wird sehen. Zwar fehlt der SG ihr Spielmacher Tomas Mogensen, aber auch ohne ihn verfügen die Flensburger noch immer über eine hohe Qualität. Andererseits werden uns unsere Fans nach vorne peitschen, sodass wir  nicht ohne Chancen in dieses Spiel gehen werden.

Dabei wird es auch sehr auf die Torhüter ankommen. Mit Ihnen und Carsten Lichtlein hat der VfL offensichtlich ein Keeper-Duo, dass sich hervorragend ergänzt.

Puhle: Lütti und ich haben ein super Verhältnis. Wir kommen sehr gut miteinander klar und pushen uns gegenseitig. Natürlich sind wir auch Konkurrenten, aber ich weiß sehr genau, wo mein Platz im Team ist. Es gibt eine klare Hierarchie: Lütti ist die Nummer eins. Aber wenn ich meine Leistung bringen muss, werde ich auch auf den Punkt fit sein.

Lernen Sie von Ihrem Mitstreiter?

Puhle: Klar, Lütti hat doch so viel mehr Erfahrung als ich. Ich profitiere sehr davon, wenn wir uns über Schussbilder und Wurfverhalten der gegnerischen Schützen austauschen.

Wie läuft denn bei Ihnen die Spielvorbereitung ab?

Puhle: Emir Kurtagic, unser Coach, gibt vor jedem Match jedem von uns ein Video mit einem Zusammenschnitt der letzten drei Spiele unseres Gegners. Und dann macht sich erst einmal jeder für sich an die Analyse der Werfer. Aber vor dem Spiel setzen Lütti und ich uns zusammen und tauschen uns aus, um zu sehen, ob die jeweilige Sichtweise auch richtig ist.

Sie sind seit Anfang 2014 in Gummersbach. Schon heimisch geworden?

Puhle: Meine Frau und ich haben uns rasch eingelebt. Es war klasse, wie das Team mich hier aufgenommen hat. Und auch die Zuschauer haben mich von Beginn an riesig unterstützt. Außerdem stamme ich aus Duisburg. Insofern genieße ich nun auch wieder die Nähe zur Familie.

Demnach könnten Sie sich vorstellen, länger in Gummersbach zu bleiben?

Puhle: Klar, das kann ich mir sehr gut vorstellen. Ich habe hier noch einen Vertrag bis zum Sommer 2016. Ich hoffe, dass bis dahin auch meine Leistung weiterhin stimmt und der VfL und ich uns im nächsten Winter zusammensetzen, um über eine Verlängerung zu diskutieren.

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