VfL-Coburg 044

Das Traditionsduell in der SCHWALBE arena

VfL Gummersbach gegen den SC Magdeburg, das ist mehr als ein normales Bundesligaspiel. Zwar gibt es auch in diesem Match nur zwei Punkte zu gewinnen, aber die Begegnung zwischen diesen beiden Traditionsclubs ist der Handballklassiker im wiedervereinten Deutschland schlechthin. Speziell bei den älteren Handballfans dürften die denkwürdigen Europacupduelle in der Dortmunder Westfalenhalle und der Magdeburger Hermann-Gieseler-Sporthalle zwischen den damaligen Rekordmeistern der Bundesrepublik und der ehemaligen DDR unvergessen sein. Und auch die beiden ersten gesamtdeutschen Endspiele 1991, die bekanntlich unser VfL nach je einem Sieg und einer Niederlage hauchdünn dank der besseren Tordifferenzmit (18:15,14:16) für sich entschied, haben Klassikercharakter.

Wenn sich diese beiden Mannschaften Samstag am 5. Spieltag der noch jungen Bundesligasaison 2016/17 in der SCHWALBE arena gegenüberstehen, dann ist zwar nicht mehr vom „Kampf der Systeme“ – wie diese Duelle in Zeiten des „Kalten Krieges“ von den Medien oft hochgepuscht wurden – die Rede, dennoch steht für beide Teams viel auf dem Spiel: Unser VfL (6:2 Punkte) will nach der ersten Saisonniederlage beim MT Melsungen wieder in die Erfolgsspur zurückkehren und seinen Spitzenplatz (5.) in der Tabelle verteidigen, und der SC Magdeburg (10./3:5) will nach dem ersten Saisonsieg (32:21 gegen den TBV Lemgo) den Anschluss an das obere Tabellendrittel schaffen.

 

„Magdeburg hat eine Klassemannschaft, die durchweg sehr stark besetzt ist“, erklärt VfL-Trainer Emir Kurtagic, der einen heißen Tanz erwartet: „Der SCM gehört in die obere Tabellenregion. Wenn wir von einer möglichen Chance auf einen Europapokalplatz sprechen, ist Magdeburg ein unmittelbarer Konkurrent.“ Der punktemäßig etwas ausbaufähige Start des Gegners in die neue Saison beruhigt Kurtagic zudem keineswegs: „Sie hatten starke Gegner. Gegen Flensburg zum Beispiel waren sie die bessere Mannschaft und haben unverdient verloren.“ Die Gummersbacher sind also mehr als gewarnt, und der Übungsleiter hofft auf die Unterstützung der Fans in einer möglichst vollen SCHWALBE arena: „Diese Unterstützung unserer Anhänger werden wir brauchen.“

 

Wenn Kurtagic die Rückraumreihe des SCM sowie die bärenstarke Deckung durchgeht, gerät es fast ins Schwärmen. Dennoch habe man den Anspruch, auch einen Gegner dieses Kalibers zu schlagen. „Ich erwarte ein Spiel, dass zunächst von den Deckungsreihen bestimmt wird. Wir spielen aber zu Hause und wollen gewinnen“, so Kurtagic, der von seinen Jungs aber auf jeden Fall eine konzentriertere Angriffsleistung als zuletzt erwartet, um die gefährlichen Gegenstöße des SCM zu verhindern: „Melsungen hat uns teilweise überrannt. Das darf uns am Samstag nicht passieren.“

 

Wenn in Handballkreisen teilweise schon von einem klassischen Fehlstart der Truppe von Trainer Bennet Wiegert – mit 34 Jahren übrigens der jüngste Trainer in der DKB-Bundesliga – gesprochen wurde, muss man sich in der Tat das bisherige Programm der Elbestädter einmal näher betrachten. Schließlich hat der SC mit den Gastspielen beim Meister Rhein-Neckar-Löwen (20:29) und dem Titelfavoriten SG Flensburg-Handewitt (25:26) schon zwei dicke Auswärtsbrocken absolviert. Lediglich das 21:21 im Heimspiel gegen den SC DHfK Leipzig kann man in die Kategorie „enttäuschend“ einstufen. Und wie stark die Magdeburger auch auswärts einzuschätzen sind, bewiesen sie speziell in der Flensburger Flens-Arena, als sie praktisch die gesamten 60 Minuten in Führung lagen und erst in den Schlussminuten durch einige unglückliche Szenen eine unverdiente Niederlage kassieren mussten.

 

Und erst am vergangenen Sonntag gab der amtierende deutsche Pokalsieger mit dem 32:21-Kantersieg gegen den TBV Lemgo eine eindrucksvolle Kostprobe seine Stärke und seiner hohen Ambitionen ab. Dabei zeigte die Mannschaft von der Elbe einmal mehr ihre mannschaftliche Geschlossenheit, denn hinter Linksaußen Matthias Musche, mit sieben Toren erfolgreichster SCM-Werfer, folgte ein Quartett (Rechtsaußen Robert Weber, Spielmacher Marko Bezjak und die beiden Rückraumspieler Michael Damgaard und Nemanja Zelenovic), das sich jeweils viermal in die Torschützenliste eintrug.

 

Mit welchem Selbstvertrauen die Magdeburger die Reise ins Oberbergische antreten, brachte diese Woche erst Torhüter Dario Quenstedt, der sich seit Wochen in hervorragender Form präsentiert und in der aktuellen Torhüter-Paraden-Hitliste hinter dem Flensburger Matthias Andersson an zweiter Position rangiert, zum Ausdruck: „Wir wollen unseren positiven Eindruck und unseren Aufwärtstrend bestätigen und fortsetzen. Wir wollen jedenfalls beide Punkte aus Gummersbach mitnehmen.“

 

Personell kann Trainer Wiegert wahrscheinlich aus dem Vollen schöpfen, nachdem sich Finn Lemke, der gegen Lemgo einen Pferdekuss erhalten hatte, wieder fit im Mannschaftstraining zurückgemeldet hat. Der 2,10 Meter lange Abwehrchef gab im Übrigen diese Woche bekannt, dass er seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag in Magdeburg nicht verlängern wird, da er offensichtlich eine neue sportliche Herausforderung sucht und mehr Spielanteile im Angriff haben möchte. Dies zeigt wiederum, wie die Magdeburger speziell im Rückraum quantitativ und qualitativ bestückt sind. Aber auch am Kreis (Jacob Bagersted/Zeljko Musa) und auf den Flügeln (Robert Weber/Daniel Pettersson auf rechts und Yves Grafenhorst auf links) ist der SC Magdeburg erstklassig besetzt. Und wenn Dario Quenstedt im Tor mal eine Verschnaufpause braucht, dann steht der dänische Olympiasieger Jannick Green parat.

 

Anfang der Woche sorgte man sich im SCM-Lager zwar über einen grassierenden Magen-Darm-Virus, von dem speziell Michael Damgaard, Jacob Bagersted, Mariko Bezjak und Jannick Green befallen waren, aber bis Samstag kann man wohl davon ausgehen, dass dieses Quartett wieder im Vollbesitz seiner Kräfte ist.

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