Wetzlar, Rittal-Arena, 23.04.16: HSG Wetzlar vs. VfL Gummersbach im Spiel der 1. Handball Bundesliga Saison 2015/2016.

Das erste von drei Heimspielen im Mai

Die Bundesliga-Saison 2015/16 biegt auf die Zielgerade ein. Und unser VfL Gummersbach, der mit 29:25 Punkten aktuell den 9. Tabellenplatz belegt, steht vor der erfolgreichsten Saison seit einigen Jahren. Und obwohl Christoph Schindler & Co. schon seit langem mit dem Abstiegskampf nichts zu tun haben und auch der Zug in Richtung Europacupplätze abgefahren ist, stuft Trainer Emir Kurtagic die restlichen fünf Saisonspiele keineswegs unter Pflichtaufgaben ein. Im Gegenteil, er hat sich und der Mannschaft noch höhere Ziele gesetzt: „Ich denke, 35 oder 36 Punkte können wir noch schaffen.“ Kein leichtes Unterfangen, aber bei dem restlichen Spielplan mit drei Heimspielen (Hannover-Burgdorf, Balingen und Lübbecke) und den beiden Auswärtspartien beim Altmeister Frisch Auf Göppingen und dem frischgebackenen HBL-Pokalsieger SC Magdeburg durchaus noch machbar.

„Wir können eine sehr gute Saison noch mit weiteren Erfolgen krönen. Es sind fünf Spiele, die wir gewinnen, aber auch verlieren können“, spielt Kurtagic auf die Ausgeglichenheit der Liga an. Unabhängig von den Rechenspielchen ist Kurtagic aber kein Trainer, der die sportliche Gesamtsituation nur an Tabellen- und Punkteständen bemisst. Im Vordergrund steht die Entwicklung der Mannschaft und die ist unverkennbar: „Wir spielen eine noch bessere Serie als im Vorjahr, und das mit einer deutlich verschlechterten Personalsituation.“

 

Zur Erinnerung: Im Vorjahr hatte der VfL ein schon fast sensationelles Glück mit ausgebliebenen Verletzungen. In dieser Saison fielen hingegen ein halbes Dutzend Spieler längerfristig aus. Raul Santos steht auch jetzt noch nicht wieder zur Verfügung, und auch Mark Bult wird diese Saison nicht mehr spielen. „Alle Beteiligten (Spieler, Trainer, Geschäftsführer, ärztliche Abteilung) haben einvernehmlich beschlossen, dass das der beste Weg ist“, berichten Kurtagic und Geschäftsführer Frank Flatten. Bult soll seine Schulterverletzung auf diese Weise vollständig auskurieren und in der neuen Saison wieder voll angreifen. Gunnar Stein Jonsson wird dem VfL ebenfalls am Wochenende fehlen.

 

Am Samstag ist zunächst der TSV Hannover-Burgdorf in der SCHWALBE arena zu Gast. Mit der Mannschaft aus der niedersächsischen Hauptstadt hat der VfL noch eine Rechnung offen, denn im Hinspiel gab es eine schmerzhafte 24:29-Niederlage. Zudem kommt es zum Duell der bis vor wenigen Wochen jüngsten Trainer der Bundesliga. Die Rolle des jüngsten Trainers der HBL musste Emir Kurtagic (35) an den zwei Monate jüngeren Neu-Hannoveraner Jens Bürkle abgeben. Inzwischen hat diese Rolle aber der Neu-Magdeburger Bennet Wiegert (33) inne, der bekanntlich für den entlassenen Isländer Geir Sveinsson auf den Cheftrainersessel gehievt wurde.

 

Für Kurtagic ist der Gegner aus der niedersächsischen Landeshauptstadt ein mehr als ernstzunehmender Kontrahent: „Sie spielen einen sehr guten Handball und haben auch individuell eine sehr hohe Qualität.“ Man müsse also hellwach und hochkonzentriert sein, wenn man den Besuchern in der SCHWALBE arena erneut einen Grund zum Feiern geben möchte. „Das sind wir unseren Anhängern schuldig. Die Unterstützung in dieser Saison ist einfach grandios, und auch zu den Auswärtsspielen reisen immer mehr Fans mit“, freut sich Kurtagic über die großartige Wertschätzung des VfL Gummersbach 2016.

 

Angesichts der Tabellenkonstellation – der TSV Hannover-Burgdorf rangiert mit 31:23 Punkten als Achter unmittelbar vor dem VfL – darf man am Samstag ein Duell auf Augenhöhe erwarten, bei dem sicherlich die Tagesform den Ausschlag geben wird. Dabei reist der TSV mit der Empfehlung eines 37:27 (14:13)-Kantersieges gegen den ThSV Eisenach ins Oberbergische. Dabei drehten die Niedersachen, die erst kürzlich mit dem hochverdienten Remis (30:30) den Titelchancen des THW Kiel einen erheblichen Dämpfer verpassten, vor allem in der zweiten Halbzeit groß auf. Erfolgreichste Torschützen für den TSV waren der Isländer Runar Karason, der auf Halbrechts den verletzten Nationalspieler Kai Häfner glänzend ersetzte, mit sieben Treffern und die beiden fünffachen Schützen Sven-Sören Christophersen und Mait Patrail. Damit sind auch schon die gefährlichsten Rückraumschützen des kommenden VfL-Gegners aufgezählt, wobei abzuwarten bleibt, ob Kai Häfner, der bekanntlich genau wie Julius Kühn der der EM in Polen nachnominiert wurde und dann noch eine tolle Europameisterschaft spielte, in Gummersbach sein Comeback feiern wird.

 

Wieder genesen von seiner Verletzung ist derweil der zweite Europameister im TSV-Team, Erik Schmidt, der zusammen mit Joakim Hykkerud das torgefährliche Kreisläufergespann der Burgdorfer bildet. Und auch Linksaußen Lars Lehnhoff, in der Vergangenheit schon oft der „VfL-Schreck“, ist nach monatelanger Verletzungspause wieder mit von der Partie. Und auf dieser Position hat Trainer Jens Bürkle jetzt ein zweites „heißes Eisen“ im Feuer, denn in der EM-Pause verpflichtete der TSV kurzfristig noch den dänischen Internationalen Casper Mortensen aus der Konkursmasse des HSV Hamburg.

 

Der TSV, der zwischenzeitlich über ein großes Lazarett klagte und dadurch den Anschluss an die internationalen Plätze etwas aus den Augen verlor, hat mittlerweile auch Spielmacher Morten Olsen, der zu Saisonbeginn aus Frankreich (St. Raphael) an seine frühere Wirkungsstätte zurückkehrte, wieder mit von der Partie, so dass Bürkle mittlerweile personell aus dem Vollen schöpfen kann. Dies trifft auch auf die Spielmacherrolle zu, denn hier steht ihm neben Olsen mit dem Slowaken Csaba Szücs ein weiterer erfahrener Akteur zur Verfügung. Und auch auf der Torhüterposition hat er mit Nationaltorhüter Martin Ziemer und dem aufstrebenden Malte Semisch zwei Klassenleute zur Auswahl – ebenso auf Rechtsaußen mit dem Duo Torge Johannsen/Timo Kastening.

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