Gummersbach, SCHWALBE-Arena, 28.10.15: VfL Gummersbach vs. SG Flensburg-Handewitt im Spiel des DHB-Pokal Saison 2015/2016.

Bittere Handball-Lehrstunde vom Titelverteidiger

Das war ein ganz bitterer Abend: Vor 2.080 Besuchern in der SCHWALBE arena und einer ganz schwachen Leistung schied der VfL sang- und klanglos mit 19:36 gegen Flensburg aus dem DHB-Pokal aus.

VfL Gummersbach – SG Flensburg-Handewitt 19:36 (9:18).

Eigentlich hatte der VfL in den ersten 30 Minuten bereits ausreichend Prügel bezogen, aber die Flensburger hatte auch nach dem Wechsel weiter Spaß an diesem Spiel und erteilte dem VfL am heutigen Abend leider eine deftige Handball-Lehrstunde. Durch gelungene Rückraumaktionen, starke Anspiele auf den Kreis oder die Außen sowie ein extrem gutes Umschaltspiel hebelten sie den VfL nach allen Regeln der Handballkunst auseinander. Auch wenn dem VfL das Bemühen auch in dieser Partie nicht abzusprechen war, so gelang fast nichts. Die Verunsicherungen steckte den VfL-Spielern in den Knochen, und teilweise stand sie ihnen sogar in den Gesichtern geschrieben. Nach zwei VfL-Toren in Folge nach dem Wiederanpfiff zum zwischenzeitlichen 11:18, nahm die SG wieder Fahrt auf. Ein 6:1-Lauf machte aus dem 11:18 innerhalb von fünf Minuten ein 12:24. Ein Debakel drohte, oder war es schon eins? Flensburg sprühte weiter vor Spielfreude, auch wenn nicht mehr der allerletzte Einsatzwille zu erkennen war. Dafür war die Partie heute auch einfach zu einseitig.

Für VfL bleibt jetzt nur, diese Niederlage ganz schnell wieder aus dem Köpfen zu verbannen und nach vorne zu schauen, denn das nächste schwere Bundesliga-Heimspiel gegen Göppingen steht bereits vor der Tür. Und vielleicht nimmt sich der eine oder andere auch ein Beispiel an Sebastian Schoeneseiffen, der völlig unbekümmert auftrat, ein gutes Spiel und in der zweiten Halbzeit auch noch ein sehr schönes Tor aus dem Rückraum markierte.

In der ersten Hälfte war der VfL zwar stets bemüht, aber chancenlos. Nachdem die allerersten Eindrücke bis zum 2:3 durch Florian von Gruchalla noch durchaus passabel waren, überzeugte ab dem Doppelpack von Anders Eggert zum 2:5 nur noch eine Mannschaft, und das war der Gast aus dem hohen Norden. Vor allem in der Deckung offenbarte der VfL Lücken ohne Ende. Rasmus Lauge Schmidt konnte fast ungehindert seine sechs Rückraumtore erzielen, und auch bei den schnellen Gegenstößen der SG schaltete der VfL nicht schnell genug um. Das 4:10 durch Lauge Schmidt (16.) roch bereits nach einer Vorentscheidung, aber diese ließ in der Tat nicht mehr lange auf sich warten. Nach dem 8:12 durch Julius Kühn (23.) machte der Gast ernst.

Zunächst war es Thomas Mogensen mit zwei schönen Aktionen und dann Holger Glandorf, die mit drei Toren in Folge zum 8:15 diese Partie entschieden. Bis zur Pause konnte Flensburg diese Führung sogar noch auf neun Tore ausbauen, und die SCHWALBE arena wurden von Minute zu Minute leiser. Positiv zu vermerken war in der ersten Halbzeit nicht wirklich viel. Carsten Lichtlein hatte mit sieben Paraden zumindest noch annährend Normalform, der Rest der Stammformation war davon weit entfernt. Da wunderte es die Zuschauer auch nicht wirklich, dass ausgerechnet der A-Jugendspieler Sebastian Schoeneseiffen noch so etwas wie der Lichtblick war. Er präsentierte sich sehr beweglich und agil, war immer anspielbar, und erzielte ein schönes Tor von Linksaußen. Über den Rest hüllte man heute besser den Mantel des Schweigens.

VfL: Carsten Lichtlein (1. HZ, 7 Paraden), Matthias Puhle (2. HZ, 4 Paraden); Tobias Schröter (2), Simon Ernst (2), Julius Kühn (3), Max Jaeger (n. e.), Magnus Persson (3/1), Evgeni Pevnov, Mark Bult (1), Christoph Schindler, Florian von Gruchalla (3), Andreas Heyme (1), Alexander Becker, Andreas Schröder (2), Sebastian Schoeneseiffen (2).

SG: Matias Andersson (1. bis 42., 6 Paraden), Kevin Moeller (ab 42., 4 Paraden); Tobias Karlsson, Anders Eggert (9/3), Holger Glandorf (3), Thomas Mogensen (3), Lasse Svan (3), Petar Djordjic (3), Johan Jakobsson (1), Henrik Toft Hansen, Rasmus Lauge Schmidt (7), Kentin Mahé, Bogdan Radivojevic (4), Kresimir Kozina (3).
Siebenmeter: 2:1/3:3 (Persson scheitert an Moeller).

Zeitstrafen: 8:6 (Ernst, Kühn, Persson, Becker – Eggert, Lauge Schmidt, Mahé).

Schiedsrichter: Andreas Pritschow/Marcus Pritschow.

Zuschauer: 2.080.

Spielfilm: 2:3 (7.), 4:8 (14.), 6:12 (20.), 8:15 (25.), 9:18 (Halbzeit) – 11:18 (33.), 12:24 (38.), 14:28 (43.), 17:31 (50.), 18:34 (55.), 19:36 (Endstand).

Stimmen zum Spiel

Ljubomir Vranjes (Trainer SG): „Wir haben uns sehr intensiv auf diese Partie vorbereitet und haben ein überragendes Spiel gezeigt. Alle Spieler haben voll mitgezogen und ich bin nahezu mit jeder Kleinigkeit zufrieden. In einer solchen Form ist es natürlich sehr schwer, gegen uns zu bestehen, egal wie der Gegner heißt. Dennoch gehen die harten Wochen weiter. Wir werden uns jetzt auf der Heimfahrt ausruhen und schlafen, und uns dann auf das nächste schwere Spiel vorbereiten.“

Emir Kurtagic (Trainer VfL): „Wir waren heute weit entfernt von einem guten Spiel. Vielmehr war es eine sehr, sehr schwachen Leistung. Dennoch werde ich jetzt nicht mit dem Finger auf einzelne Spieler zeigen, ganz im Gegenteil. Ich bin für die Mannschaft verantwortlich. Wir müssen jetzt den Kopf wieder nach oben richten, denn bereits am Samstag folgt das nächste schwere Spiel. Die Situation ist nicht einfach, aber wir haben sie selbst zu vertreten. Wir werden noch härter arbeiten müssen, noch mehr Leidenschaft und Engagement zeigen müssen. Erst dann werden wir auch wieder belohnt werden. Wir haben es selber in der Hand.“

Frank Flatten (Geschäftsführer VfL): „Das war natürlich ein rabenschwarzer Tag für den VfL Gummersbach, den wir uns ganz anders vorgestellt haben. Die Partie war bereits in der ersten Halbzeit entschieden, und das ist für alle Beteiligten bitter. Die Verunsicherung in der Mannschaft bereitet uns natürlich große Sorgen und daran werden wir arbeiten. Die Mannschaft muss sich wieder aufbauen und gegen Göppingen ein anderes Gesicht zeigen.“

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