VfL-Balingen 375

Bergischer HC – VfL Gummersbach

(Sonntag, 15 Uhr, Lanxess-Arena Köln)
Die Saison 2016/17 ist gestartet - und das gleich mit einigen faustdicken Überraschungen, wenn man nur an den klaren Auswärtssieg des TSV Hannover-Burgdorf in Göppingen oder den Sensations-Coup des Aufsteigers HSC 2000 Coburg beim hochgehandelten MT Melsungen denkt. Am Dienstag ging es dann gleich weiter mit dem nächsten Paukenschlag in Form des Wetzlarer Erfolges gegen den THW Kiel. Die stärkste Handball-Liga der Welt macht ihrem Namen also wieder alle Ehre, und in dieser Saison scheint einmal mehr fast alles möglich zu sein.

Und gleich am zweiten Spieltag kommt es in Köln zum ewig spannenden „bergischen Derby“ zwischen dem Bergischen HC und unserem VfL Gummersbach. „Wir freuen uns sehr auf ein Derby und eine tolle Atmosphäre auf so etwas wie neutralem Boden“, erklärte VfL-Trainer Emir Kurtagic, der am Sonntag auf die Unterstützung möglichst vieler Gummersbacher Fans hofft. Die Blau-Weißen gehen gestärkt durch einen 26:19-Auftaktsieg gegen eine zugegeben stark ersatzgeschwächte HBW Balingen-Weilstetten in die Partie, mehr aber auch nicht. „Unsere Leistung hat gereicht, um Balingen an diesem Tag zu schlagen“, schränkt Kurtagic gleich ein, denn die Leistung seiner Jungs war durchaus ausbaufähig. Dies ist allerdings auch am ersten Spieltag kaum anders zu erwarten, zumal auch in der Vorbereitung immer wieder Spieler gefehlt haben und bislang kein Verein so recht wusste, wo er steht.

Pünktlich zum Derby sollten aber alle Kaderspieler mit von der Partie sein. Julius Kühn, Simon Ernst und Evgeni Pevnov sind zwar noch leicht angeschlagen, aber nach aktuellem Stand steht einem Einsatz nichts im Wege. Gegen den BHC wird eine Steigerung und eine Reduzierung der Fehler vonnöten sein, wenn man eine Chance haben wolle. Und der Übungsleiter stellt klar, dass er von einigen Spielern deutlich mehr erwartet. So müsse von den Außenspielern Kevin Schmidt und Florian von Gruchalla (gegen Balingen zusammen nur ein Feldtor) deutlich mehr kommen, und auch die beiden Spielmacher nimmt er in die Pflicht: „Simon und Christoph müssen mehr zeigen.“

Hinzu kommt, dass der neben Carsten Lichtlein bundesweit wohl bekannteste VfL-Spieler Julius Kühn auch noch nicht wieder der Alte ist: „Er kommt aus einer anderen Welt und muss sich erst einmal wieder an den Bundesliga-Alltag gewöhnen. Ihm fehlen noch ein paar Prozent.“ Aber natürlich gab es auch positive Aspekte. Die kompakte und engagierte Abwehrleistung zum Beispiel sowie zwei starke Torhüterleistungen. Bester Feldspieler war Kévyyn Nyokas, und auch das freut Kurtagic besonders: „Er hat gezeigt, welche Qualitäten er hat und man hat ihm die Freude am Spiel angesehen.“

Dennoch brauche der Neuzugang Zeit, um seine Bestform abzurufen zu können, zumal er länger verletzt war. „Kévyyn ist noch lange nicht bei hundert Prozent, aber es ist ein Spieler, der durch seine Schnelligkeit, seine Agilität und seine Qualitäten den Unterschied in einem Spiel ausmachen kann. Er macht Dinge, die teilweise für seine eigenen Mitspieler überraschend sind“, frohlockt sein Trainer. Ganz bewusst werde er momentan nur im Angriff eingesetzt, obwohl er durchaus ein guter Deckungsspieler ist: „Im Moment ist es für ihn einfacher, wenn er sich erst einmal auf eine Sache konzentrieren kann.“ Und vielleicht macht der Franzose ja schon am Sonntag in Köln wieder den Unterschied aus?

Während die Schützlinge von Trainer Emir Kurtagic also ihrer Favoritenrolle gerecht wurden, geriet der BHC beim vorjährigen Aufsteiger SC DHfK Leipzig mit 21:30 (8:14) arg unter die Räder, woran auch die beiden sechsfachen Torschützen Alexander Oelze und Rechtsaußen Arnor Gunarsson nichts ändern konnten. Für den Bergischen HC begann also das „Jahr eins“ nach Viktor Szilagyi, der seine erfolgreiche aktive Karriere in diesem Sommer beendete und bei dem BHC nun den Posten des sportlichen Leiters bekleidet, nicht gerade vielversprechend. Aber deshalb gerät man in Solingen und Wuppertal, wo der BHC immer noch abwechselnd seine Heimspiele austrägt (wenn er nicht gerade in die Kölner Lanxess-Arena ausweicht) nicht in Panik, wie die Vergangenheit oft gezeigt hat. Auch in der letzten Saison schwebte der BHC lange Zeit – nicht zuletzt dem großen Verletzungspech geschuldet – lange Zeit in Abstiegsgefahr, um in der Endabrechnung mit 19:45 Punkten dann aber noch einen sehr guten 12. Tabellenplatz einzunehmen.

Der BHC geht – trotz des Abgangs von Szilagyi – mit einem sehr ausgeglichenen Kader in seine vierte Saison in der „stärksten Liga der Welt“. Und Trainer Sebastian Hinze kann auf einen weitgehend eingespielten Kader zurückgreifen, denn die Fluktuation hielt sich in diesem Jahr in Grenzen. Neben Szilagyi gibt es lediglich die Abgänge von Maximilian Weiß, der ebenfalls seine Karriere beendete, und Inal Aflitulin (Ziel unbekannt) zu beklagen. Große Hoffnungen ruhen derweil rund um die Solinger Klingenhalle und die Unihalle Wuppertal auf den Schultern des neuen Spielmachers Tomas Babak. Der tschechische Spielmacher wechselte vom Schweizer Club TSV St. Otmar St. Gallen ins Bergische. Und der serbische Kreisläufer Uros Vilovski, der vom rumänischen HC Minaur Baia kam, soll die Lücke von Abwehrrecke Maximilian Weiß schließen.

Neben dem großen polnischen Talent Maciej Majdzinski, der zu Saisonbeginn aus der Konkursmasse des HSV Hamburg zum BHC wechselte, sich aber in einem Testspiel von Polens U20-Nationalteam einen Kreuzbandriss zuzog, wird BHC-Trainer Sebastian Hinze gegen den VfL auch auf Fabian Gutbrod verzichten müssen. Der torgefährliche Rückraumlinke fällt mit einem Innenbandriss voraussichtlich noch bis Mitte Oktober aus. Dafür werden auf der linken Rückraumseite nun Alexander Hermann und Ace Jonovski verstärkt Verantwortung übernehmen müssen.

Rückblickend auf die vergangene Saison blickt der VfL recht zuversichtlich dem bergischen Derby entgegen. Denn in der heimischen Schwalbe-Arena landete der VfL mit 34:21 den bisher höchsten Erfolg gegen den bergischen Kontrahenten – und auch aus der Wuppertaler Unihalle konnten Christoph Schindler & Co. beide Punkte entführen – allerdings hing der hauchdünne 23:22-Sieg bis zur letzten Sekunde am seidenen Faden. Nicht so gern wird sich die Kurtagic-Truppe hingegen an das erste Duell mit dem BHC in der Kölner Lanxess-Arena erinnern. Schließlich behielten die Gastgeber am 12. Oktober 2014 vor 7.066 Zuschauern die Oberhand und unser VfL musste mit einer 26:28-Niederlage im Gepäck die Heimreise aus seinem einstigen „Wohnzimmer“ in die oberbergische Kreisstadt antreten. Diesmal will der VfL aber nicht mit leeren Händen aus der Domstadt am Rhein abfahren, sondern natürlich am liebsten mit zwei Pluspunkten.

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