DKB-Bundesliga: Rhein-Neckar-Löwen - VfL Gummersbach

Auswärtsspiel beim Tabellenführer

Der HBL-Spielplan der Saison 2015/16 hat es so gewollt: Zum Saisonstart (Rekordmeister THW Kiel) und zum Abschluss der Hinrunde haben die Terminplaner dem VfL Gummersbach die beiden Topmannschaften der letzten Jahre (und auch dieser Saison) „serviert“: Am 17. Spieltag müssen die Schützlinge von Trainer Emir Kurtagic beim zweifachen Vizemeister Rhein-Neckar-Löwen antreten. Dass der VfL - trotz der vier Siege in Folge gegen Lübbecke, Magdeburg, Eisenach und Bergischen HC - nur als krasser Außenseiter in der Mannheimer SAP-Arena gilt, dürfte allein schon das Tabellenbild verdeutlichen.

„Natürlich hängen die Trauben in Mannheim extrem hoch, aber wir wollen uns gut präsentieren. Es wird auf jeden Fall eine spannende Aufgabe“, so VfL-Trainer Emir Kurtagic, der beim Gegner nach den jüngsten Eindrücken schon ein wenig ins Schwärmen gerät: „Neben ihrer bekannten spielerischen Stärke, wirken sie diese Saison psychisch extrem stark. Die Leistung gegen Flensburg hat mich schon beeindruckt.“ Schwächen beim souveränen Tabellenführer und der zurzeit „besten deutschen Mannschaft“ ausmachen zu wollen wäre müßig und zudem kaum möglich. Dennoch hätten nicht zuletzt einige Champions League-Auftritte gezeigt, dass sie auch verwundbar sind. „Unser Ziel muss es sein, ein möglichst ebenbürtiger Gegner zu sein. Dafür benötigen wir eine starke Deckung, eine überragende Torwartleistung und eine minimale Fehlerquote“, so Kurtagic weiter. Nichtsdestostrotz hat seine Mannschaft nach den zuletzt sehr starken Leistungen ebenfalls Selbstvertrauen getankt, was sich auch bis nach Mannheim herumgesprochen haben wird: „Unterschätzen werden sie uns sicherlich nicht.“ Personell gibt es unterdessen noch das eine oder andere Fragezeichen, aber die letzten Wochen haben ja auch gezeigt, dass der VfL-Kader auch in der Breite mehr als konkurrenzfähig ist.
Die Rhein-Neckar-Löwen führen derzeit mit nur einer Niederlage (23:25 beim MT Melsungen) mit 30:2 Punkten souverän die Bundesliga-Tabelle an und haben bei vier Punkten Vorsprung vor Abonnementmeister THW Kiel den inoffiziellen Herbstmeister-Titel bereits in der Tasche. Damit will sich die Mannschaft des dänischen Trainers Nikolaj Jacobsen in dieser Saison aber nicht zufrieden geben, sondern nach zwei vergeblichen Anläufen in den Meisterschaftsrunden 2013/14 und 2014/15, in denen sich die Löwen mit dem undankbaren zweiten Platz begnügen mussten, endlich den ersten nationalen Titel nach Mannheim holen. Sehr schmerzlich werden sich die Löwen in dem Zusammenhang an das Saisonfinale 2014 in Gummersbach erinnern: Damals gewannen sie in der SCHWALBE arena gegen eine aufopferungsvoll kämpfende VfL-Mannschaft zwar mit 35:30, aber am Ende fehlten im Fernduell mit dem THW Kiel ganze zwei Törchen zur ersten deutschen Meisterschaft.
Dieses Unterfangen soll nun endlich im dritten Anlauf gelingen – und diesem großen Ziel ordnet Trainer Jacobsen alles unter, sogar die Auftritte in der Champions-League-Vorrunde. So schont der Däne öfters seine Leistungsträger, damit sie in der Bundesliga wieder Vollgas geben können. Das beste Beispiel für diese Taktik war noch in der vergangenen Woche zu beobachten: Während die „Löwen“ in der Bundesliga dem Verfolger SG Flensburg-Handewitt sogar in der Flensburger Flens-Arena keine Chance ließen und bei dem überraschend deutlichen 32:25-Auswärtssieg eine wahre Galavorstellung boten, zeigten sie weniger Tage später in der Champions League ihr anderes Gesicht: Beim ungarischen Vertreter Pick Szeged gab es für den Bundesligisten eine herbe 24:30-Niederlage, wobei Jacobsen seiner ersten Sieben viele Ruhepausen auf der Bank gab.
Also, die Botschaft ist klar: Am Freitag wird der VfL auf ein bis in die Haarspitzen motiviertes „Löwen-Rudel“ treffen, das nach den Erfahrungen aus 2014 den VfL nicht auf die leichte Schulter nehmen wird – und zudem auch ausgeruht ist, weil erstmals seit langem keine „englischen Woche“ auf den Tabellenführer wartete. Dass die „Löwen“ die Bundesliga bisher so souverän beherrschten, überrascht Experten angesichts der Häufung von Weltklasseathleten nicht wirklich. Allerdings gab es vor dem Saisonstart auch Stimmen, die meinten, die Löwen seien vor allem durch die Abgänge von Torhüter Niklas Landin (THW Kiel) und Kreisläufer Bjarte Myrhol entscheidend geschwächt.
Aber genau das Gegenteil trat ein: Während Landin in Kiel zunächst einige Anlaufschwierigkeiten hatte, schlug sein Nachfolger, der Schwede Mikael Appelgren (Neuzugang vom MT Melsungen), voll ein. Zwar hat sich der zweite Torhüter, Darko Stanic, mittlerweile schon wieder in Richtung Katar verabschiedet, dafür verpflichteten die Löwen-Verantwortlichen kurzfristig den Ex-Gummersbacher Borko Ristovski, mit dem es also am Freitag ein Wiedersehen gibt. Und auch die Lücke von Myrhol schlossen die Mannheimer besser als erwartet – und zwar durch den deutschen Nationalspieler Hendrik Pekeler und vor allem den Spanier Rafael Baena. Vor allem der bullige Baena ist mit seiner Spielweise auf Anhieb zu einem Publikumsliebling bei den Löwen-Fans aufgestiegen.
In der Gunst der eigenen Anhänger steht natürlich Kapitän Uwe Gensheimer trotz seines angekündigten Wechsels nach Paris zum Saisonende immer noch ganz oben. Mit Recht, denn der Linksaußen führt nicht nur die interne Torschützenliste an, sondern rangiert auch in der Bundesliga mit 117/61 Treffern auf Platz 1. Zusammen mit Rechtsaußen Patrick Groetzki bildet Gensheim die pfeilschnelle Flügelzange, die für ihre Kontertore gefürchtet ist. Für den VfL gilt es, die Tempogegenstöße zu unterbinden. Aber nicht nur am Kreis und auf den Außenpositionen sind die Löwen auf jeder Position mit zwei Topleuten besetzt. Dreh- und Angelpunkt im Angriff ist dabei der Schweizer Spielmacher Andy Schmid, aber auch Kim Ekdal Du Rietz, Stefan Kneer, Mads Mensah Larsen, Alexander Petersson und Harald Reinkind können an guten Tagen ein Spiel fast im Alleingang entscheiden.

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