Götz Timmerbeil und Frank Flatten

"Am Ende der Konsolidierung sollen die EC-Plätze stehen"

Der Beiratsvorsitzende Götz Timmerbeil berichtet im Exklusiv-Interview mit der Handballwoche über die Gegenwart und die Zukunft des oberbergischen Bundesligisten. Hier der Beitrag mit tollen Informationen und einem spannenden Ausblick nach vorne.

2014-15-07 Interview Handballwoche Götz Timmerbeil GUMMERSBACH Nach zuletzt wirtschaftlich und sportlich schwierigen Jahren hat der VfL Gummersbach die Talsohle durchschritten. Die HANDBALLWOCHE sprach mit dem Beiratsvorsitzenden des Traditionsclubs aus dem Oberbergischen.

 

Herr Timmerbeil, zunächst herzlichen Glückwunsch: Der VfL Gummersbach hat zum ersten Mal seit vielen Jahren die Lizenz im ersten Anlauf erhalten. Was hat sich beim VfL geändert?

Nun, wir haben in den letzten drei Jahren hart für dieses Ziel gearbeitet, schließlich hatten wir viele Probleme zu bewältigen. Heute sind wir sehr glücklich, dass wir die erste Etappe erfolgreich gemeistert haben, aber wir sind noch nicht am Ziel mit unserer Konsolidierung. 

 

Um welche Probleme handelte es sich konkret?

Wir hatten in allen Bereichen mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Das fing mit der Verzögerung des Baus der Schwalbe-Arena an, setzte sich über Auflagen der HBL für die Eugen-Haas-Halle, die uns sehr teuer zu stehen gekommen sind, fort. Aber auch der Trainerwechsel und die Tatsache, dass wir vor zwei Jahren einige Monate keinen Geschäftsführer hatten, haben Spuren hinterlassen. Ganz zu schweigen von den sportlichen Problemen der letzten Jahre, in denen wir meist gegen den Abstieg gekämpft haben. 

 

Und wie haben Sie die Lizenz im ersten Anlauf geschafft?

In diesem Zusammenhang gilt mein ganz besonderer Dank den Unternehmen Ferchau, Schwalbe sowie Schmidt+Clemens, die als Hauptsponsoren dafür gesorgt haben, dass wir nun Planungssicherheit und eine geordnete Liquiditätslage haben. Auf diese Weise können wir auch unsere Altschulden weiter abbauen, denn die Saison 2013/14 werden wir mit einem hohen sechsstelligen Überschuss abschließen. Nicht vergessen will ich außerdem, dass die Firmen, Privatpersonen und Fans aus der Region vor drei Jahren innerhalb von zwei Wochen mit über zwei Millionen Euro zu unserer Rettung beigetragen haben. 

 

Welchen Stellenwert nimmt die Vorjahr eingeweihte Schwalbe-Arena bei der Sanierung ein?

Sie ist ein Meilenstein für uns. Damit haben wir ein großes Ziel erreicht, von dem Gummersbach fast dreißig Jahre geträumt hat. Und auch im Zusammenhang mit dem Bau der Halle muss ich ein großes Lob an die oberbergische Wirtschaft aussprechen, denn sie hat sich mit drei Millionen Euro daran beteiligt. 

 

Von der HBL wurde auch das Kostencontrolling der letzten zwei Jahre gelobt. Warum?

Das ist zweifellos ein großer Verdienst unseres Geschäftsführers Frank Flatten, der sehr großen Wert darauf legt, dass der Etat eingehalten ist. Überhaupt ist seine Verpflichtung ein echter Glücksgriff für den VfL, denn er hat auch in anderen Bereichen den Hebel umgelegt und neue Akzente gesetzt. Ich bin sehr froh, dass wir den Vertrag schon frühzeitig bis 2016 verlängert haben. 

 

Zurück zur Schwalbe-Arena: Mit rund 3.600 Zuschauern im Schnitt haben Sie das Zuschaueraufkommen fast verdoppelt. Hatten Sie damit gerechnet?

Ehrlich gesagt, auch ich bin positiv überrascht – deshalb ein herzliches Dankeschön an unsere Fans. Aber auf diesen Lorbeeren ruhen wir uns nicht aus. Im Gegenteil, wir arbeiten an neuen Fan-Projekten, denn unser Ziel ist es, die Halle mit ihrem Fassungsvermögen von rund 4.100 Plätzen bei jedem Heimspiel restlos zu füllen. 

 

Es ist auffallend, dass der VfL seit einigen Jahren bei der Zusammenstellung des Kaders andere Akzente setzt – man kann auch sagen: Weg vom Image einer Söldnertruppe.

Das mit der Söldnertruppe haben Sie gesagt, aber richtig ist, dass wir aus der Not eine Tugend gemacht haben und auf teure Stars verzichten, dafür verstärkt auf deutsche Talente setzen. Wenn man so will, setzen wir das um, was Heiner Brand schon seit Jahren fordert. Diese neue Marschroute haben wir im Vorjahr eingeleitet – und zwar mit den Verpflichtungen von Andreas Schröder und Florian von Gruchalla, auch Raul Santos kann ich in diese Kategorie zählen. Und in diesem Jahr haben wir mit Simon Ernst, Julius Kühn und Alexander Becker wieder drei der hoffnungsvollsten deutschen Nachwuchsspieler verpflichtet. Dass der VfL heute wieder eine Adresse für deutsche Junioren-Nationalspieler ist, ist ein großer Erfolg auf dem wir alle stolz sind. 

 

Was erwarten Sie von der Mannschaft in der kommenden Saison?

Schon in der Rückrunde hat sie einen deutlichen Leistungsanstieg erkennen lassen. Ich bin davon überzeugt, dass sich dieser Trend fortsetzen wird – und wir mit unseren Neuerwerbungen nicht nur in der Breite besser aufgestellt sind, sondern auch insgesamt uns stärker präsentieren werden. Zunächst gilt es, nicht wieder in den Abstiegsstrudel zu geraten. Ich traue der Mannschaft aber eine Platzierung zwischen Rang 8 und 10 zu. 

 

Wie sieht die Struktur Ihrer Mannschaft in der nächsten Saison aus?

Die Tatsache, dass wir nur noch fünf Spieler mit ausländischem Pass haben, zeigt ja deutlich unsere Neuausrichtung. Viel wichtiger ist für mich aber, dass jetzt das Gehaltgefüge innerhalb der Truppe passt und die Mannschaft eine klare Hierarchie hat, was in den letzten Jahren nicht immer der Fall war. 

 

Haben Sie aus Überzeugung oder aus Kostengründen am Ende der vergangenen Hinrunde an Trainer Emir Kurtagic festgehalten, obwohl dieser stark in der Kritik stand und der Druck von außen groß war?

Ich bin nach wie vor überzeugt, dass unsere Entscheidung für Emir Kurtagic vor zwei Jahren richtig war. Ich halte ihn für einen sehr fähigen Trainer, der zudem im persönlichen Umgang mit den Spielern und allen Beteiligten sehr fair und seriös ist. Sicherlich hat er auch beim Coaching Fehler gemacht, aber man muss bedenken, dass er der jüngste Trainer und einer der wenigen Trainer in der Bundesliga ist, der keinen Co-Trainer an seiner Seite hatte. Dies haben wir nun geändert und ihm mit Akademieleiter Jörg Lützelberger einen Fachmann auch als Bindeglied zum Nachwuchs an die Seite gestellt. 

 

Hat es im Umfeld des VfL weitere Veränderungen und Erfolge gegeben?

Ja, viele. Wir haben eine neue Geschäftsstelle in unmittelbarer Nähe zur Schwalbe-Arena bezogen. Der Anbindungsprozess der Akademie an die Bundesliga GmbH ist abgeschlossen – und unsere gute Nachwuchsarbeit trägt Früchte, wie der Wiederaufstieg der A-Jugend in die Bundesliga und der dritte Platz der B-Jugend bei der Deutschen Meisterschaft zeigen. 

 

Abschließende Frage: Wo sehen Sie den VfL in drei, vier Jahren?

Wir wollen unsere Zuschauerzahlen und den Businessbereich weiter steigern. Wenn es uns zudem noch gelingt, einen überregionalen Partner zu finden, dann denke ich, dass wir dann unsere Altlasten abgebaut haben und ein positives Eigenkapital aufweisen. Im sportlichen Bereich wird es zwar nicht für ganz oben reichen, aber bei der Vergabe der Europacupplätze wollen wir schon ein Wörtchen mitreden. 

(Autor: Dieter Lange)

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