DKB-Bundesliga: VfL Gummersbach - Bergscher HC

„Alle wollen diese Spielzeit so positiv wie möglich gestalten”

Florian von Gruchalla (25) im Interview
Nach zuletzt nur drei Zählern aus den vergangenen sechs Spielen haben sich die Spieler des VfL Gummersbach für den Liga-Endspurt viel vorgenommen, sagt Rechtsaußen Florian von Gruchalla. Vor dem schweren Auswärtsspiel bei der TSG Hannover-Burgdorf am Donnerstagabend (Anwurf 19.00 Uhr) stand der 25-Jährige Rede und Antwort.

Wie ist gegenwärtig die Stimmung in der Mannschaft?

Florian von Gruchalla: Eigentlich ganz gut, auch wenn wir zuletzt ein paar Spiele verloren haben, spüren wir keinerlei Verunsicherung. Allein nach der Heimniederlage gegen Minden haben wir uns nicht wirklich gut gefühlt. Wir wollten das Spiel unbedingt gewinnen und waren von uns enttäuscht, auch weil wir uns unseren Fans nicht gut präsentiert haben. Aber wir haben anschließend darüber gesprochen, einige Dinge abstellen können und bei den Löwen ein deutlich besseres Spiel gezeigt. Das haben wir zwar leider verloren, aber da trafen wir auf ein absolutes Spitzenteam, das um die deutsche Meisterschaft und in der Champions League mitspielt. Insofern geht das in Ordnung.

Es scheint, als ob die Leichtigkeit der Hinrunde ein wenig abhandengekommen ist.

von Gruchalla: Finde ich nicht. Wir haben uns da wenig bis gar nicht verändert. Aber es ist schon so, dass es auf der Zielgeraden einer Saison irgendwann schwieriger wird, die hohe Belastung zu kompensieren. Da fehlt es vielleicht an der nötigen Frische. Es mag sein, dass es für einen Außenstehenden so wirkt, als sei unser Spiel ein wenig schwerfälliger.

DKB-Bundesliga: VfL Gummersbach - Bergscher HC Geht unterschwellig ein wenig die Angst um, dass der VfL trotz großartiger Saison am Ende doch noch in den Abstiegskampf gerät?

von Gruchalla: Sicher sein kann man sich nie. Schon gar nicht in dieser verrückten Saison, wo offenbar jeder jeden schlagen kann. Aber wir beschäftigen uns überhaupt nicht mit diesem Thema. Wir wissen schon, dass es unter Umständen eng werden kann, aber ich bin mir sicher, dass wir nicht mehr da unten reinrutschen werden.

Wie wichtig ist – vor dem Hintergrund, dass noch ein paar dicke Brocken warten – das Gastspiel am Donnerstagabend in Hannover?

von Gruchalla: Das ist für beide Teams ein immens wichtiges Spiel. Für Hannover, weil das Team gegenwärtig in der Tabelle noch zwei Punkte schlechter dasteht als wir. Und für uns, weil wir nach einem Sieg in Hannover wieder ein wenig nach oben in der Tabelle schauen könnten.

Dennoch kann der VfL mit der Zwischenbilanz von 27 Punkten aus 29 Spielen zufrieden sein, oder?

von Gruchalla: Stand jetzt ist das eine richtig gute Saison. Und die sollten wir uns in den noch ausstehenden sieben Saisonspielen auch nicht kaputtmachen. Sicher, wir haben zwei, drei Spiele gehabt, über die wir uns im Nachgang richtig geärgert haben. Aber dafür haben wir auf der anderen Seite auch einige unerwartete Punkte geholt. Gegenwärtig sind wir alle sehr positiv gestimmt und wissen, dass wir noch Steigerungspotenzial haben.

 Mit Ihren 25 Jahren gehören Sie zu den erfahreneren Kräften im Kader des VfL. Tragen Sie ein erhöhtes Maß an Verantwortung?

von Gruchalla: Mit 25 Jahren gehörte ich bei zahlreichen anderen Klubs in der Liga sicher noch zu den jungen Spielern. Beim VfL ist das angesichts der vielen jungen Spieler eben anders. Ich habe damit begonnen, sowohl im Spiel als auch im Training mehr Verantwortung zu übernehmen. Aber insgesamt bin ich schon eher der ruhige Typ, der nicht immer alles gleich herausschreit. Doch allmählich muss ich mir selbst mehr Druck machen, um voranzugehen.

Welche Ziele verfolgen Sie beim VfL in der Zukunft?

von Gruchalla: Für mich persönlich habe ich das Ziel, dass ich mich gern noch weiterentwickeln möchte. Ich weiß, dass ich noch Steigerungspotenzial habe. Für uns als Team ist es stets der Maßstab, besser als in der jeweiligen Vorsaison zu sein. Dazu werden wir beim VfL in der neuen Saison allesamt aufgerufen sein. Aber zunächst wollen wir diese Spielzeit so positiv wie möglich gestalten.

 

Sie tragen denselben Spitznamen wie der wohl berühmteste Rechtsaußen der deutschen Handballgeschichte Florian „Flo” Kehrmann. Wie ist es um Ihre Nationalmannschafts-Ambitionen bestellt?

von Gruchalla: Es gibt lose Kontakte zur Nationalmannschaft, und wie Andreas Schröder und Simon Ernst habe ich auch bereits im B-Team vorspielen dürfen. Für mich wäre es eine große Ehre, in der Nationalmannschaft dabei zu sein. Aber das war es auch schon, als ich für die Jugend- und die Junioren-Nationalmannschaft des DHB auflaufen durfte. Klar, mein Ziel ist es, irgendwann mal ein Länderspiel zu machen. Allerdings gibt es auf meiner Position zahleiche gute Spieler. Ich muss halt den Bundestrainer mit guten Leistungen in der Liga auf mich aufmerksam machen. Und wenn dann sein Anruf käme, würde ich mich sehr freuen.

Neben dem Handball gelten Sie als Golf-Enthusiast. Wie ernst nehmen Sie Ihr Hobby?

von Gruchalla: Ich versuche schon, das sehr ernst zu nehmen. Aber oft fehlt dazu die Zeit. Es ist ein Sport, der so anders ist als Handball, dass das Ganze ein wunderbarer Ausgleich sein kann. Nach einem anstrengenden Match ist das regelrecht Regeneration für mich. Es ist ganz wichtig für mich, den Kopf dabei frei zu bekommen. Das Schöne ist, dass meine Freundin Ivana das Hobby mit mir teilt. Auch meine Eltern spielen Golf. Sie leben in der Nähe der deutsch-holländischen Grenze, und wenn wir die Zeit finden, nehmen wir die eineinhalbstündige Autofahrt in Kauf, um uns zu treffen und miteinander eine Runde zu spielen.

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